Otto Gerig

Versicherungskaufmann, Gewerkschafter 9. Juni 1885 Rosenberg/Baden 3. Oktober 1944 KZ Buchenwald
von Brigitte Kaff

Gerig, der seit 1907 bei einer Versicherungsgesellschaft in Köln arbeitete und ehrenamtliche Funktionen im DHV wahrnahm, u. a. als Vorsteher der Kölner Ortsgruppe, wurde 1921 als hauptamtlicher Verwaltungsrat des DHV angestellt. Als Mitglied des Reichstages setzte sich der kompetente Sozialpolitiker insbesondere für die Interessen der Angestellten und Kriegsopfer, für den Ausbau der Sozialversicherung und des Siedlungs- und Wohnungswesens ein. Im Auftrag seiner Fraktion arbeitete er einen umfassenden Katalog sozialpolitischer Forderungen auf der Grundlage der katholischen Soziallehre aus. Nach der Gleichschaltung der Gewerkschaften verlor Gerig, der sich weigerte, der Deutschen Arbeitsfront (DAF) beizutreten, seine Stellung beim DHV wegen „politischer Unzuverlässigkeit“. Um die wirtschaftliche Notlage der Familie mit fünf Kindern zu lindern, übernahm er eine Kaffeevertretung und ein Lebensmittelgeschäft, bis er 1937 eine Anstellung als Lagerist fand. Der Plan, nach Brasilien auszuwandern, scheiterte. Im Zuge der Aktion Gewitter wurde Gerig am 23. August 1944 verhaftet und am 16. September vom Lager Köln-Deutz in das KZ Buchenwald transportiert, wo er nach zwei Wochen an den körperlichen Strapazen, „Herzinsuffizienz bei Bronchitis“ (laut Totenschein), verstarb.

Lebenslauf

  • 1921–1933 Mitglied des Verwaltungsrates des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes (DHV)
  • 1921–1924 MdL Preußen (Zentrum)
  • 1923–1933 Mitglied des Reichstages

Literatur

  • C. Siebler, in: Badische Biographien, 2 (1987)
  • R. Haas, in: H. Moll (Hg.), Zeugen für Christus, 1 (1999)