Richard Jaeger

Jurist, Bundesminister Dr. jur. 16. Februar 1913 Berlin 14. Mai 1998 Bonn
von Theresia Bauer

Jaeger gehörte dem konservativen Flügel der CSU an. Er war ein Gegner des „Kreuther Beschlusses“, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufzuheben. Er setzte sich im Deutschen Bundestag für die Abschaffung der obligatorischen Zivilehe ein und lehnte das neue Scheidungsrecht 1976 ab. Im Verteidigungsausschuss engagierte er sich für die Einführung eines Wehrbeauftragten und die zivile Vorrangstellung in der Führung der Bundeswehr. Jaeger prägte das außenpolitische Profil der CSU im Zeichen einer festen Westbindung. Ungeachtet seines Eintretens für die Wiedereinführung der Todesstrafe bei Mord schrieb er als Minister die rechtsstaatlich-liberale Linie bisheriger Justizpolitik fort. So übernahm er die von seinem Amtsvorgänger vorbereitete Teilreform des Strafrechts, lehnte jedoch die nach seiner Amtszeit erfolgte Wendung der Strafrechtsreform ab.

Bestand: ACSP; ACDP.

Lebenslauf

  • Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München, Berlin und Bonn
  • 1933–1939 in der katholischen Jugend- und Studentenbewegung aktiv
  • 1933 Eintritt in die SA
  • 1939–1945 Kriegsdienst
  • 1939 Assessorexamen
  • 1943 Amtsgerichtsrat in Weilheim
  • 1948 Promotion
  • 1947-48 Regierungsrat und persönlicher Referent Alois Hundhammers im bayerischen Kultusministerium
  • 1948-49 1. bzw. Oberbürgermeister von Eichstätt
  • 1949–1980 MdB (CSU)
  • 1953–1965 und 1967–1976 Vizepräsident des Deutschen Bundestages
  • 1953–1965 Vorsitzender des Bundestags-Ausschusses für Verteidigung
  • 26.10.1965–01.12.1966 Bundesjustizminister
  • 1957–1990 Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft
  • 1984 Leiter der deutschen Delegation bei der UN-Menschenrechtskommission
  • ab 1952 im Landesvorstand
  • seit 1963 im geschäftsführenden Landesvorstand bzw. Präsidium der CSU

Veröffentlichungen

  • Bundestagsreden und Zeitdokumente (1976)

Literatur

  • Deutsche Justizminister 1877–1977 (1977)
  • L. Braun, in: Biographisches Lexikon des KV, 6 (2000)
  • R. Höpfinger, in: U. Kempf/H.-G. Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949–1998 (2001)