KAS Kroatien

Veranstaltungsberichte

"KAS/ZHDZ Begabtenförderung"

Die KAS veranstaltete gemeinsam mit der HDZ-Stiftung (ZHDZ) vom 26. bis 28. Oktober an den Plitvice Seen ein weiteres Seminar der Reihe: "HDZ Begabtenförderung". Im Rahmen des 3-tägigen Wochenendseminars diskutierten die Teilnehmer mit ausgewählten Politikwissenschaftlern verschiedener kroatischer Universitäten und der Abgeordneten Irena Petrijevčanin Vuksanović über die Herausforderungen internationaler Sicherheitspolitik sowie über die wichtigsten Elemente des kroatischen Wahlsystems.

Der Leiter der HDZ-Stiftung (ZHDZ), Srećko Prusina, stellte zu Beginn der Veranstaltung das Seminarprogramm und die eingeladenen Referenten vor. Er bedankte sich bei den Referenten für Ihre Bereitschaft, an dem Workshop teilzunehmen, und sah darin nochmal eine Bestätigung der Attraktivität und damit des Erfolgs dieses Veranstaltungsformats.

Der Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zagreb, Dr. Michael Lange, unterstrich dann die Bedeutung der politischen Fortbildungsmaßnahmen der ZHDZ als notwendige Voraussetzung für eine stärkere Einbeziehung von jungen Menschen in die kroatische Politik. Er informierte die Teilnehmer über die am 06. Dezember offiziell stattfindende Übergabe des Büros an den neuen Leiter Herr Holger Haibach. Daraufhin diskutierte Dr. Lange mit den Teilnehmern über seine Einschätzungen der kommenden Europawahlen und die möglichen darauf folgenden Koalitionen, wie auch über die Lokalwahlen in Deutschland.

Der Rektor der Universität VERN, Prof. Dr. Vlatko Cvrtila, ging in seinem Vortrag eingehend in die Strategien des Krisenmanagements in der Praxis. Er betonte, dass sein Ziel sei, ihnen die Prinzipien des strategischen Denkens zu verdeutlichen, um sie darauf vorzubereiten, auf einer neuen Ebene über solche Herausforderungen nachzudenken. Für ihn sei die Strategie ein Hilfsmittel, um kluge Entscheidung trotz wechselhafter Bedingungen zu treffen. Für die Durchführung der Strategie, müssen alle im Team ein klares Verständnis der Strategie haben und sie auch akzeptieren. Anschließend stellte Prof. Dr. Cvrtila die größten globalen Herausforderungen (per World Economic Forum) vor, darunter auch die Migrationskrise, wobei auch viele der Teilnehmer hier über die Herausforderungen in ihren eigenen Gemeinden berichteten. Bezüglich der globalen Herausforderungen, diskutierte man über die Möglichkeit einer Vertiefung der Kooperation zwischen dem Staat und den Bürgern und welche Rolle dabei die Bürger spielen würden. Dann wurde der Blick auf die US-amerikanische Militärmacht in den aktuellen internationalen Beziehungen gelenkt. Laut Prof. Dr. Cvrtila sei die Politik des neuen US-amerikanischen Präsidenten nichts Neues, sondern nur eine Version der langjährigen Aufforderung der globalen Hegemonie. Im Gespräch mit den Teilnehmern ging Prof. Dr. Cvrtila auf die Verhältnisse zwischen China und den USA ein und erörterte dabei mit Hilfe von Daten über Militärausgaben, wie dominant die US-amerikanische Militärmacht noch immer in der Welt sei. Daraufhin folgte eine weitere Diskussion über die Migrationskrise sowie über die Beziehungen zwischen Europa und China als auch über den wirtschaftspolitischen Einfluss der chinesischen Investitionen in Europa.

Die Abgeordnete im kroatischen Parlament, Irena Petrijevčanin Vuksanović, erläuterte die Mittel und Methoden der Nachrichtendienste und ihrer Bedeutung für den Staat. Laut Petrijevčanin Vuksanović haben sich die Methoden und Ziele nicht viel verändert, nur der technologische Fortschritt habe neue Möglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen mit sich gebracht. Sie zeigte den Teilnehmern eine Reihe von Geräten, die während des Kalten Krieges benutzt wurden und beschrieb diese Periode als das goldene Zeitalter der Spionage und der Geheimdienste. Danach folgte eine Übersicht der Geschichte und Entwicklung bekanntester Geheimdienste. In diesem Zusammenhang kam sie zur Schlussfolgerung, dass sehr oft die „wahren“ Entscheidungsträger für immer verborgen bleiben würden.

In der daraufhin folgenden Diskussion sprachen die Teilnehmer mit der Abgeordneten über die Bedeutung der Aufklärung der lokalen Wähler über globalen Herausforderungen. Im Mittelpunkt standen auch Themen wie die Migrationskrise, der Populismus in Europa und der Einfluss von „Fake News“.

Der Professor von der Politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb, Dr. Tihomir Cipek sprach über die Rolle der christdemokratischen Lehre im heutigen Europa. Kritik richtete er auf die Versuche mancher Bewegungen, sich als Volksbewegung darzustellen. Darauf folgte ein Meinungsaustausch über die „Krise der Politik“ und die Tatsache, dass Politiker heutzutage über ein schlechtes Image in der heutigen Gesellschaft verfügen. Seiner Meinung nach sei der Hauptgrund dafür in Kroatien das Versagen der Institutionen gewesen, den viele der ausgewanderten Bürger als Ursache ihres Emigrierens bezeichneten. Dabei erklärte er, dass auch die großen Parteien ihre Aufgabe bei dem Aufbau von gut funktionierenden Institutionen nicht erfüllt hätten. Für ihn sei die Aufgabe der christlich-demokratischen Parteien das Erhalten des Gleichgewichts zweier Polen – der Politik und Wirtschaft. Wenn hier kein Gleichgewicht existieren würde, wären die Folgen für das Volk schlimm. Deshalb solle man nicht von der Politik entfernen, sondern ihre Rolle für die Gesellschaft verteidigen. Nachdem Prof. Dr. Cipek die Teilnehmer daran erinnerte, dass Christdemokraten die größten Unterstützer der europäischen Idee waren, nutzte er das Thema: „Europawahlen“, als eine Einführung für seinen zweiten Vortrag mit dem Titel: „Das Wahlsystem in Kroatien“. Er stellte die Anforderungen der Bürgerinitiative für die Reform des Wahlsystems vor und analysierte die Vor- und Nachteile ihrer Vorschläge, was eine reiche Debatte unter den Teilnehmern erzeugte und für einen ausführlichen Meinungsaustausch sorgte.

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