KAS Kroatien

Veranstaltungsberichte

"Wirtschaftslage und Reformprozesse in Kroatien und der Region"

Economic Policy Debate

Im Rahmen unserer EPD-Debattenreihe zu den wirtschaftlichen Herausforderungen Kroatiens veranstaltete die KAS gemeinsam mit der "Zagreber Initiative" am 20. November in Zagreb unter Beteiligung des kroatischen Assistenzministers im Wirtschaftsministerium, Zvonimir Novak und des Vorstandsmitglieds der KAS und Vize-Präsidenten für Regierungskontakte von Magna Europe, Dieter Althaus ein Rundtischgespräch zum Thema: „Reformprozesse in Kroatien und der Region“, in dem Strategien zur Stärkung des Wirtschaftswachstum durch Investitionen erörtert wurden.

Der Leiter des KAS-Auslandsbüros in Zagreb, Dr. Michael Lange, betonte in seinen einleitenden Worten, dass Kroatien derzeit eine vielversprechende wirtschaftliche Entwicklung verzeichne, mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandproduktes von mehr als 2%. Darüber hinaus seinen positiven Beschäftigungstrends zu vermerken, sowie ein Haushaltsüberschuss, als auch eine Senkung der Schulden der öffentlichen Hand. Allerdings betonte er, dass man hinterfragen müsse, ob diese Entwicklungen ein Ergebnis struktureller Reformen seien oder nur das günstige Geschäftsklimas in der Europäischen Union widerspiegelt. Er bemerkte, dass sich Bürger und Unternehmen trotz Steuerreformen weiterhin überfordert fühlen, was sich auch in der Platzierung Kroatiens im letzten WEF Doing Business Reporter widerspiegle.

Der Vorsitzende der „Zagreber Initiative“ und Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb, Prof. Dr. Mladen Vedriš, warnte davor, dass man in Kroatien ständig über Reformen rede, die aber selten erwünschte Ergebnisse brachten. Auf der Suche nach der Antwort darauf müsse man sich die richtige Frage stellen, warum das so ist. Auch wunderte er sich über die Tatsache, dass es Kroatien nicht schaffen könne, die Wettbewerbsfähigkeit im ähnlichen Maße wie andere europäische ex-kommunistische Länder zu stärken. Abschließend unterstrich er, dass die positiven Wachstumsraten überwiegend eine Folge gewisser konjunktureller Entwicklungen seien.

Der Assistenzminister im kroatischen Wirtschaftsministerium, Zvonimir Novak, betonte am Anfang seines Statements, dass Deutschland bei vielen Fragen einer der wichtigsten Partner für Kroatien sei. Für ihn sei der Freihandel eine der wichtigsten Quellen der wirtschaftlichen Erholung in Kroatien, unabhängig vom Export, der seit dem EU-Beitritt gestiegen sei. Zudem meinte er, dass man bald die Verbesserung des kroatischen Kredit-Ratings auf das Investitionsniveau erwarten könne. Dem fügte er hinzu, dass man in Kroatien bald eine neue Runde Steuerreformen erwarten könne, um die Belastung um weitere 2.7 Milliarden Kuna zu senken. Laut Novak sei das Ziel, die Gestaltung einer innovativen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft wegen des EU-Markts und der großen Konkurrenz für einheimische Unternehmen und Hersteller. Um konkurrenzfähiger zu werden, sollte man, seiner Ansicht nach, die Ausgaben in Kroatien für Forschung vergrößern und das Verfahren für die Nutzung von EU-Fonds vereinfachen.

Der KAS-Vorstandsmitglied und Vize-Präsident für Regierungskontakte von Magna Europe, Dieter Althaus, sprach über Wachstums- und Innovationsstrategien. Für ihn seien es am Ende die nationalen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, um die Strukturen der Marktwirtschaft entsprechend auszubauen. Denn diese Strategien seien für die Innovationen sehr wichtig, weil man in Europa eine durchaus schwierige Aufgabe zu lösen habe. Dazu sei der Lebensstandard in Europa, abgesehen von den Migrationsbewegungen, immer noch sehr unterschiedlich. Seiner Meinung nach sei dies so nicht von der Europäischen Union gedacht gewesen, sondern der Plan sei ein gleichermaßen entwickeltes Europa für die Zukunft aufzustellen. Danach erinnerte er an die Herausforderung Deutschlands nach der Wiedervereinigung. Durch die regionale Förderung der Stärkung von Forschung und Entwicklung habe man mit der Zeit die Unterschiede verkleinert. Es sei am wichtigsten, den arbeitsfähigen jungen Menschen eine Perspektive zu schaffen. Dabei sei die Rolle der Digitalisierung von großer Bedeutung, denn die Verfügbarkeit von entsprechend qualifizierter Arbeitskraft, als auch die IT- und Netzanbindung der Unternehmen seien hierfür entscheidend.

Im Anschluss an die Vorträge fand eine Podiumsdiskussion statt, in der über diverse Themen diskutiert wurde, darunter auch über die wachsenden Lebensstandardunterschiede in der Bevölkerung, die notwendige Vorbereitung auf die Digitalisierung im öffentlichen Sektor, das Investitionsniveau in Kroatien, dessen zukünftige Trends und über die Ziele und Endergebnisse der Investitionen.