Angela Potthast

Veranstaltungsberichte

Mehr Frauen in der Politik. Wie schaffen wir das?

von Brigitta Triebel
Podiumsdiskussion am 19.09.2019 im Rahmen der Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ in Bad Harzburg.
Frauen sollten sich trauen und Netzwerke knüpfen

Drei Frauen, ein Mann: In dieser Konstellation haben wir uns am 19. September im Bad Harzburg die Frage „Mehr Frauen in die Politik. Wie schaffen wir das?“ gestellt. Mit dem Publikum debattierten Dr. Helga Lukoschat von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, Lisa Lindner, Ortsvorsteherin in Lengde und SPD-Kreistagsabgeordnete, sowie Dr. Roy Kühne, CDU-Bundestagsabgeordneter.
Die Abendveranstaltung war eingebettet in eine Veranstaltungsreihe, die Susanne Herweg vom Kommunalen Präventionsrat (KPR) begleitend zur Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ organisiert hat. Damit wird an „70 Jahre Grundgesetz“ und „100 Jahre Frauenwahlrecht“ erinnert. In unserer Diskussion spielte jedoch die Vergangenheit weniger eine Rolle, sondern die Podiumsgäste beschäftigten sich mit der Gegenwart und der Zukunft für Frauen in Parteien und Parlamenten.
Zu Beginn erinnerte Dr. Brigitta Triebel, Konrad-Adenauer-Stiftung, an ein Foto, das im Juli die Titelseite vieler Tageszeitungen füllte: Die drei Politikerinnen Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen nebeneinander. Ist das als ein starkes Signal zu verstehen, wie weit die Gleichberechtigung in der deutschen Politik vorangeschritten ist? Nach Aussagen der Podiumsgäste gibt es trotz der drei mächtigen Frauen noch Nachholbedarf, was den Frauenanteil in Parteien und Parlamenten anbetrifft. Während in Schweden der Frauenanteil in der Politik bei 47 Prozent liegt, sind es in Deutschland auf Bundeseben etwa 31 Prozent, auf Landes- und Kommunalebene sind die Zahlen noch niedriger.
Hindernisse für (jüngere) Frauen, in die Politik zu gehen, waren nach Meinung der drei Referenten unter anderem: Die politische Kultur innerhalb der Parteien, zunehmende Angriffe auf Politiker und Politikerin von außen, auch auf kommunaler Ebene, die Zeiten von Sitzungen, das Selbstverständnis von Frauen – die wägten vielmehr ab. Interessant hierbei waren die Schilderungen von Lisa Lindner, wie sie als junge Frau gelernt hat, mit diesen Hindernissen in der Kommunalpolitik umzugehen.
Im zweiten Teil der Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt: Welche Möglichkeiten gibt es, Frauen in die Kommunalpolitik zu holen? Helga Lukoschat argumentierte, dass Paritätsgesetze zum Wandel führen könnten. Eine solche gesetzliche Regelung wäre als ein Mittel zum Zweck einsetzbar, müsse aber durchdacht werden, so Roy Kühne. Wichtig sei zudem, Frauen gezielt anzusprechen und für politisches Engagement sowie Parteiarbeit zu motivieren. In der Debatte wurde deutlich, dass nicht nur Parteistrukturen überdacht werden müssen. Lisa Lindner betonte, dass Frauen Netzwerke bilden sollten und lernen müssen, sich mehr zu trauen – wie es die Männer auch tun. Ziel der nächsten Jahre muss sein, darin waren sich die Podiumsgäste einig, ein Miteinander von Frauen und Männern in der Politik zu schaffen.
 
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