Veranstaltungsberichte

“We can all be entrepreneurs!”

von Magdalena Jetschgo-Morcillo

Netzwerktreffen ehemaliger KAS-Stipendiaten in Dakar

“We can all be entrepreneurs!” Solche oder ähnliche Aufrufe fielen mehrere im Laufe des Netzwerktreffens für ehemalige Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, welches vom 14.- 17. November in der Nähe von Dakar stattfand. Im Zentrum des dreitägigen Treffens stand das Thema wirtschaftliche Entwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Westafrika. Ziel dieser Veranstaltung war es, den Kontakt seitens der Stiftung zu den ehemaligen Stipendiaten aus Westafrika zu suchen und aufrecht zu erhalten, aber auch, deren Vernetzung untereinander zu fördern.

“We can all be entrepreneurs!”

Netzwerktreffen ehemaliger KAS-Stipendiaten in Dakar

Solche oder ähnliche Aufrufe fielen mehrere im Laufe des Netzwerktreffens für ehemalige Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, welches vom 14.- 17. November in der Nähe von Dakar stattfand. Im Zentrum des dreitägigen Treffens stand das Thema wirtschaftliche Entwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Westafrika. Ziel dieser Veranstaltung war es, den Kontakt seitens der Stiftung zu den ehemaligen Stipendiaten aus Westafrika zu suchen und aufrecht zu erhalten, aber auch, deren Vernetzung untereinander zu fördern.

Wie schwer es ist für junge westafrikanische Unternehmer, an Geld und Fördermöglichkeiten für ihre Geschäftsideen zu kommen, konnten einige der Teilnehmer aus eigener Erfahrung berichten. Wenn auch der Großteil der ehemaligen Stipendiaten heute nicht im unternehmerischen Umfeld tätig ist, so konnte doch der eine oder andere mit seiner eigenen Erfolgsgeschichte motivieren.

Hoffnungsträger Start-Ups?

Doch die Rahmenbedingungen für derartige Entwicklungen sind alles andere als einfach, wie in den vier Panel-Diskussionen deutlich wurde. Von groben Mängeln in den nationalen Bildungssystemen, bis zur Rohstoff-dominierten Wirtschaft, welche Abhängigkeiten und Instabilität mit sich bringt, von der Frage, ob man den gemeinsamen Währungsraum des Franc CFA verlassen solle bis zu sozio-kulturellen „Entwicklungshemmern“ waren die diskutierten Themen sehr breit gestreut. Bei den Debatten wurde auch deutlich, dass die „weltweite Start-ups-Welle“ auch Westafrika erfasst hat. Ob diese jedoch tatsächlich als Hoffnungsträger für Gesellschaften, die teilweise mit Analphabeten-Raten bis zu 70% zu kämpfen haben, gelten können, wurde sehr ambivalent diskutiert.

Auch die Frage, ob junge Leute in Westafrika heute für den Arbeitsmarkt mit den richtigen (i.S.v. „brauchbaren“) Qualifikationen ausgestattet sind, wurde aufgeworfen. Vielen Schul- aber auch Studienabgängern mangle es – so die KAS-Alumni – neben fachlichen Fähigkeiten an Wissen, wie man sich erfolgreich bewirbt oder nach einer guten Arbeitsstelle sucht. Die Überarbeitung von Lehrplänen sowie mehr Fachausbildungen („vocational training“) könnten hier Abhilfe schaffen. In diesem Zusammenhang wurde ein von Deutschland unterstütztes Aus- und Weiterbildungszentrum in der Regionalhauptstadt Thiès[1] besucht. Dort werden Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Elektrik, Bäckereihandwerk, Recycling und Handyreparatur angeboten. Die schiere Anzahl an jungen Menschen, die jedes Jahr auf die Arbeitsmärkte Westafrikas drängen (allein in Senegal rund 300.000), ist jedoch viel höher, als diese aufnehmen können. Die in diesem Zusammenhang naheliegende und sehr sensible Frage des starken Bevölkerungswachstums in der Region – mit Wachstumsraten bis zu 3% pro Jahr – wurde dabei im Laufe des Seminars immer wieder als Faktum anerkannt, jedoch nicht weiter diskutiert.

Bis zu 90% der arbeitenden Bevölkerung Westafrikas ist im sog. informellen Sektor beschäftigt, was – zusätzlich zu den ohnehin wenig effizienten Steuersystemen – wenig Geld in die Staatshaushalte spült. Diese werden in den oligarchischen bzw. plutokratischen politischen Systemen der Region oft intransparent und korrupt verwaltet. „Demokratie gibt es bei uns nur am Papier“ - drückte es einer der Teilnehmer aus. Diese Missstände, gepaart mit fehlenden Freiheiten und mangelnder Rechtsstaatlichkeit, geben vielen jungen Menschen das Gefühl, weder gehört noch „zum Zug“ zu kommen.

Keine Entwicklung ohne Sicherheit und politische Stabilität

Es steht außer Frage, dass die zwei Faktoren Sicherheit und politische Stabilität in der Region die Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung bilden. Und diese wirtschaftliche Entwicklung muss auch nachhaltig sein: derzeit basiert das Wirtschaftswachstum, das beispielsweise in Senegal bei relativ hohen 7.2% liegt (für 2017, lt. Weltbank), in erster Linie auf staatlichen Investitionen. Es brauche dringend mehr Investitionen aus oder zumindest unter Beteiligung der Privatwirtschaft, so der Gastreferent Dr. Gilles Yabi vom senegalesischen Think Tank Wathi. Zweitens würden diese auf den ersten Blick hohen Wachstumsraten noch nichts über die Verteilung des Wohlstands innerhalb der Bevölkerung aussagen. Angestrebt werden müsse, so Dr. Yabi, ein inklusives Wachstum, von dem ein so großer Bevölkerungsanteil wie möglich profitiert.

Gute Politik – auf dem Papier

Viele Länder hätten auf dem Papier auch sehr brauchbare und fortschrittliche Richtlinien und Gesetze, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben (z.B. National Entrepreneurship and Innovation Plan, NEIP, Ghana) – es mangle leider vielerorts an der Umsetzung, so die Seminar-Teilnehmer unisono. Da bedürfe es wieder mündiger Bürgerinnen und Bürger, welche die Politik an ihre Verantwortung erinnern und – im Fall des Falles – auch abwählen.

Dass eine gute Portion Eigeninitiative auf jeden Fall notwendig sei, will man einen guten Arbeitsplatz in einem westafrikanischen Land finden, brachten die ehemaligen KAS-Stipendiaten klar zum Ausdruck. In diesem Zusammenhang ließen sie auch wissen, dass es oft als „Qualitätssigel“ wahrgenommen werde, Altstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung zu sein, und zeigten sich zufrieden, dass der Kontakt seitens der KAS zu ihnen nach wie vor gepflegt werde.

Weiterführende Links :

https://genglobal.org/gew - Global Entrepreneurship Week 2019

https://youthconnektafrica.org/ - Initiative, die u.a. Jugendliche mit Unternehmern zusammenbringen will

https://www.wathi.org/ - Senegalesischer Think Tank

 

[1] Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Freistaat Bayern geförderte Projekt „Erfolgreich im Senegal“ unterhält mehrere Aus- und Weiterbildungszentren im Land.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können