Veranstaltungsberichte

Workshop für traditionelle Führungskräfte zum neuen Bodenrecht in Mzimba (Malawi)

Am 23. und 24. August 2018 fand ein weiterer Workshop für traditionelle Führungspersönlichkeiten der Traditional Authority Daniel Gausi in Mzimba statt. Zwei Tage lang wurden 60 Führungskräfte in das neue Landgesetz in Malawi eingeführt. Der Workshop wurde von der KAS finanziert und in Zusammenarbeit mit den Organisationspartnern Farmers Union of Malawi (FUM) und LandNet Malawi ausgeführt. Zudem wurde der Workshop von dem Mzimba Community Radio begleitet.

Die Orientierungsworkshops für traditionelle Führungskräfte in Malawi zielen darauf ab, traditionelle Behörden zu schulen und über Entwicklungen des Bodenrechtsreformprozesses und spezifische Gesetze im Rahmen des neuen Bodenrechts aufmerksam zu machen, die die Position von Frauen in Fragen der Landnutzung und des Landbesitzes stärken. Der Workshop fokussierte dementsprechend die rechtlichen (gesetzlichen) Instrumente zur Unterstützung der Landbesitzrechte von Frauen. Der Bezirk Mzimba ist dabei strategisch wichtig, da die vorherrschende patriarchalische Gesellschaft die Landrechte der Frauen nicht anerkennt und Frauen grundsätzlich über ihren Ehepartner Zugang zu Land und Landnutzungsrechten haben.

Ziel war es, die ausgebildeten traditionellen Führungskräfte, die sich direkt mit Fragen der üblichen Landzuweisung und -verwaltung auf Gemeindeebene befassen, insoweit zu schulen, dass ihre zukünftigen Tätigkeiten innerhalb des Gesetzes erfolgen. Es wurde ferner erwartet, dass die Schulung ihr Verständnis dafür vertiefen würde, wie positive Aspekte des Gewohnheitsrechts und der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz und zur Förderung von Landbesitz und Landnutzungsrechten von Frauen genutzt werden können.

Die Trainingsinhalte wurden hauptsächlich durch interaktive Plenumsdiskussionen vermittelt. Den Teilnehmern stand es frei, jederzeit Fragen zu stellen und Kommentare abzugeben. Der Workshop fokussierte fünf Hauptthemen.

Der erste Vortrag befasste sich mit Malawis Landangelegenheiten im nationalen Kontext. Dieses Thema gab einen Überblick über den Flächendruck durch konkurrierende Landinteressen und befasste sich mit weiteren Herausforderungen, wie die schnell wachsende Bevölkerung, landgestützte Investitionen und Malawis Stadtwachstum. Ein weiterer Vortrag beschäftigte sich mit dem historischen Hintergrund der Überprüfung und Entwicklungen des Bodenrechts. Zudem fasste ein Vortrag die wichtigsten Änderungen in den neuen landbezogenen Gesetzen zusammen. So sieht das neue Gesetz nicht nur Chancengleichheit vor, sondern enthält spezifische Bestimmungen zum Schutz von Frauen und Kindern vor Landenteignung.

Es wurden drei Instrumente eingesetzt, um die Ziele des Workshops zu erreichen. Am ersten Tag wurden die Teilnehmer gebeten, über eine Fallstudie zu den Landrechten von Frauen aus ihren Gemeinden analysierend zu berichten, die vor der Implementierung des neuen Bodengesetzes stattfand. Im Anschluss wurden diese  Fälle im Hinblick auf das neue Bodengesetz und die veränderten Landrechte von Frauen erneut diskutiert. Dabei erlangten die Teilnehmer ein Verständnis von den Veränderungen, die das neue Gesetz mich sich gebracht hat. Die Podiumsdiskussion stellte ein weiteres Instrument dar, durch welches das bereits erworbene Wissen überprüft werden konnte. Der letzte Teil des Workshops befasste sich mit den Erwartungen und Anliegen, die die Teilnehmer zu Beginn des Workshops äußerten. In diesem Rahmen wurden den Teilnehmern die Fragen gestellt, die sie zu Beginn des Workshops selbst hatten. Dass die Teilnehmer am Ende des Workshops diese Fragen beantworten konnten, zeigt, dass ihre Anliegen innerhalb des Workshops angemessen behandelt wurden. 

Das tatsächliche Ergebnis dieses Workshops ist mittel- bis langfristig zu beobachten. Es ist zu erwarten, dass das neu kodifizierte Bodenrecht dafür sorgen wird, dass Gewohnheitsrechte und -praktiken, die die Rechte der Frauen beeinträchtigen, strafrechtlich verfolgt werden. Die 16 Frauen, die an dem Workshop teilnahmen, wurden befähigt, sich für die Verteidigung ihrer Landrechte einzusetzen und wissen durch den Workshop nicht nur, welche Landrechte sie haben, sondern auch, wie sie vorgehen können, wenn diese  verletzt oder verweigert werden. Trotz der unbestrittenen Begeisterung und des besseren Verständnisses zum neuen Bodengesetz, die der Workshop vermittelte, bleibt das Problem der realen Veränderung bestehen, da der oberste Chef von Mzimba, Inkosi Mbelwa, und seine Berater das neue Bodengesetz bisher nicht unterstützen. Es ist zu hoffen, dass durch verschiedene Gruppierungen ein wachsender Veränderungsdruck entsteht, der dazu führt, dass der Weg zur Umsetzung des neuen Bodengesetzes gestärkt wird.

Ansprechpartner

Dr. Samson Lembani

Dr

EWoH2-Projektkoordinator Malawi/Zimbabwe

samson.lembani@kas.de +27 21 422 1796 +27 21 422 1733