Veranstaltungsberichte

Warum Deutschland ein Update braucht!

von Johannes Christian Koecke

Christian Lindnder zu Gast in Steinfurt

Der Parlamentarische Staatssekretär und heimische Bundestagsabgeordnete Jens Spahn moderierte das Steinfurter Gespräch in der Bagno-Konzertgalerie. Dieses Mal war der FDP-Vorsitzende Christian Lindnder zur Veranstaltung des Regionalbüro Westfalens der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Kulturforums Steinfurt zu Gast.

Christian Lindner hat eine Mission, er will seine FDP wieder in die Bundesliga zurückbringen. Jeder weiß, wie schwer das für Traditionsvereine ist, wenn sie mal die falschen Spieler verpflichtet haben oder an alten Taktikkonzepten festhalten. Deswegen macht er auch fast alles neu, ist selber Mittelfeldregisseur und Abwehrchef in einem und spricht von „Updates“.

Jens Spahn lässt sich auf solches Neudeutsch gar nicht ein und gibt Lindner die Gelegenheit, die Substanz seiner politischen Vorstellungen im Gespräch zu entwickeln – nachdem er ihn erst nach Persönlichem gefragt hat.

Und was er dann den Gästen ausbreitete – zur Flüchtlingsfrage, zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, zur EU-Politik im Ganzen, zur EZB und Draghis „Whatever it takes“, zur Kraft der Bürgergesellschaft und zur Bildungspolitik – hat seine Wirkung auf das bürgerlich-mittelständische Publikum nicht verfehlt. Lindner präsentiert sich als die kluge, zivilisierte Alternative und grenzt sich vehement gegen die AfD ab, die er als antidemokratisch geißelt und außerhalb des Konsensraums unserer Gesellschaft verortet.

Und wenn er dann an einem hochsommerlich-warmen Abend seine Betriebstemperatur erreicht hat und mit der großen Wucht der „außerparlamentarischen Opposition“ einen Punkt nach dem anderen macht, tritt der Moderator einen Moment aus seiner Rolle heraus und wird zum Anwalt der komplexen Realität, in der die Dinge sich nicht so klar geometrisch sortieren wie in Lindners rhetorischem Feuerwerk. Spahns Haltung, besser die zweitbeste Lösung als gar keine zu wählen, verbreitet zwar weniger Glanz, aber wirkt mit etwas, was ganz allgemein an der Politik vermisst wird – Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Und so konnte neben dem "Berufshoffnungsträger" Lindner auch Jens Spahn dem Publikum Zuversicht geben – dass Politiker andere ausreden lassen und dass sie zugeben, wenn etwas kompliziert und nur unvollständig gelungen ist.

Dr. J. Christian Koecke