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Rechtsextremismus im Internet

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Rechtsextremisten das Internet für sich nutzen. Neu ist jedoch, auf welche Methoden sie dabei zurückgreifen und mit welchen Themen sie versuchen, Unterstützer zu finden. Viele rechtsextremistische Botschaften sind auf den ersten Blick gar nicht mehr als solche zu erkennen. Häufig ist genau dies auch das Ziel.

Die Internet-Offensive

In den letzten 20 Jahren hat sich nicht nur das Internet weiterentwickelt, sondern auch dessen Nutzer. Onlinekommunikation findet nicht mehr nach dem Sender- und Empfängerschema statt, sondern im Dialog. Soziale Netzwerke, Blogs, Foren, Chats, Foto- und Videoplattformen bieten zahlreiche Möglichkeiten, um sich auszutauschen. Was im allgemeinen Sprachgebrauch als Social Media bezeichnet wird, hat die Art und Weise, wie wir kommunizieren, grundlegend verändert. Heutzutage kann jeder, der einen Computer oder ein Smartphone besitzt, mühelos Informationen verbreiten und einem großen Kreis von Interessierten zugänglich machen. Die Qualität oder der Wahrheitsgehalt der Information sind in diesem Zusammenhang nahezu irrelevant (siehe auch Informationen im Internet richtig deuten). Jeder kann im Internet beinahe alles posten und behaupten.

In Deutschland gibt es zwar Gesetze, welche unter anderem die Verbreitung von Kinderpornografie, Aufrufe zu Straftaten oder nationalsozialistische Propaganda unter Strafe stellen. Das Internet macht aber anonyme Veröffentlichungen möglich und stoppt nicht an Landesgrenzen. Darüber hinaus ist es nahezu unmöglich und gleichermaßen ungesetzlich, die gesamte Onlinekommunikation permanent zu überwachen. Genau diesen Umstand machen sich Rechtsextremisten zu Nutze, um neue Anhänger zu werben, ihre Botschaften zu verbreiten oder vermeintliche Erfolge zur Schau zu stellen. Für diese Zwecke nutzen sie nicht nur eigene Websites. Längst haben Rechtsextremisten YouTube, Facebook, Twitter und andere bekannte Plattformen für sich entdeckt. Egal ob Finanzkrise, Hochwasser oder Arbeitslosigkeit: Rechtsextremisten haben auf scheinbar alles eine einfache Antwort. Ihre Botschaften sind dabei eher allgemein gehalten und möglichst mehrheitsfähig formuliert. So klingen Forderungen wie „Todesstrafe für Kinderschänder“, „Unsere Heimat, unser Recht“ oder „sofortige Rückkehr aller deutschen Soldaten aus dem Ausland“ auf den ersten Blick nicht rechtsextrem.

Wie sich Rechtsextremisten im Internet präsentieren wollen, verrät ein Auszug aus der „Deutschen Stimme” (März-Ausgabe 2010), der Parteizeitung der NPD:

„Anonyme Nationalisten und in gesellschaftlicher Selbstisolation verharrende Kameraden werden hier nicht benötigt. Das Profil sollte möglichst einen offenen Menschen beschreiben, einen Menschen mit Humor, Beruf, Hobbys, ernstzunehmenden Interessen, Literatur- und Musikgeschmack. Ihr solltet schon einiges über euch verraten. Nur das bindet andere an euer Profil, schafft Sympathien, bringt einen ins Gespräch, lädt zum Lachen oder Nachdenken ein. Humor ist in dieser virtuellen Welt, auf diesen sozialen Plattformen, mit am wichtigsten. Bei der Beschreibung von Eigenschaften, Hobbys und Interessen sollte also nicht bissig, klischeehaft oder wortkarg vorgegangen werden. Auch Fotoalben von Feiern, Freizeitaktivitäten, Haustieren und Familie sollten hochgeladen werden. Bedenkt, dass die Leute von heute etwas sehen wollen.“

Doch man sollte sich von scheinbar sympathischen Autoren und ihren Botschaften nicht täuschen lassen. Denn hinter vielen Aussagen steckt das erklärte Ziel, Vertrauen zu schaffen und sich in ein vermeintlich demokratisches Licht zu rücken, um rechtsextremes Gedankengut gesellschaftsfähig zu machen und um neue Anhänger zu rekrutieren. Doch wer sich in die Hände von Rechtsextremisten begibt, der wird schnell feststellen, dass es um Hass statt Toleranz, um Gewalt statt Protest und um Macht statt Teilhabe geht. Vorsicht ist spätestens dann geboten, wenn von „Überfremdung“, „Nationaler Bewegung“, „Weltjudentum“ oder gar „Holocaust-Lüge“ die Rede ist. Verdächtig ist auch, wenn sich „Freunde“ nach nordischen Gottheiten nennen oder sich auf Fotos mit einschlägigen Symbolen schmücken (siehe auch Destruktive Mythen im Rechtsextremismus und Rechtsextreme Codes sowie Rechtsextreme Dresscodes). Wer im Internet auf so etwas stößt, der kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er es mit Rechtsextremisten zu tun hat.

Christoph Bernstiel