Veranstaltungsberichte

Multilateralismus und regionale Zusammenarbeit in Zeiten globaler Krisen: Australien und Europa und die internationale Ordnung

von Katja Theodorakis

Die KONRAD-ADENAUER LECTURE 2020, gehalten von Julie Bishop, Rektorin der Australian National University und ehemalige australische Außenministerin

Das Regionalprogramm Australien und Pazifik der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hielt in Zusammenarbeit mit dem ANU Centre for European Studies (ANUCES) die diesjährige Konrad Adenauer Lecture am 1. Oktober 2020 als hybride Veranstaltung ab.

„Wenn die regelbasierte Ordnung nicht existierte, müssten wir sie erfinden ”

 

Die internationale Ordnung steht unter Druck. Vor diesem Hintergrund warf der Vortrag ein Schlaglicht auf die Art von internationalem Engagement, das für eine gute Zukunft gebraucht wird, denn die Pandemie hat systemische Schwächen der internationalen Ordnung und einen seit längerem schwelenden Rückfall in die Hyper-Globalisierung aufgezeigt.  Frau Bishop sprach über die Grundvoraussetzungen für einen sicheren, offenen, stabilen und erfolgreichen Indo-Pazifik, fest eingebettet in eine regelbasierte internationale Ordnung. Nur mit nachhaltigem Engagement und einem „mutigen, bedingungslosen Leadership” kann dies erhalten und gefestigt werden.  Es gilt, wieder mehr Vertrauen in die Rechtmäßigkeit und die Integrität dieser Ordnung aufzubauen, deren Bestand und Stärkung eine absolute Priorität sein sollten.

Alan Gyngell, ein prominenter australischer Außenpolitik-Experte, stellte vor nicht allzu langer Zeit fest, dass „keine Macht allein in der Lage sein wird, die notwendige Energie aufzubringen, um eine neue internationale Ordnung zu gestalten und zu konsolidieren. Diese Energie wird sich aus einem Netzwerk speisen müssen, nicht aus einer einzigen Energiequelle.”

Treffender könnte ein gutes Fazit für das Thema der diesjährigen Konrad-Adenauer Lecture nicht formuliert sein, und dabei ganz im Sinne der Schlussbemerkungen von Frau Bishop: trotz der vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart besteht das Fundament, auf dem die Zukunft gebaut werden kann, aus Jahrzehnten multilateralen Engagements. Die Einhaltung dieser Regelungen, die auf dem Rechtsstaatsprinzip basieren, prägt die langjährigen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Australien und Deutschland. Das ist der einzige Weg nach vorn, und so schloss Frau Bishop mit den Worten: „Wenn die regelbasierte Ordnung nicht existierte, müssten wir sie erfinden. ”

 

Die Vortragsreihe ist der großartigen Zusammenarbeit mit dem ANU Centre for European Studies (ANUCES) zu verdanken. Gemeinsam lassen ANUCES und die KAS Wissenschaftler und Politiker zu Themen zu Wort kommen, die sowohl für Europa als auch für Australien von zentraler Bedeutung sind. Seit der Eröffnungsrede der Konrad Adenauer Lecture im November 2017 wurde eine Vielzahl hochkarätiger internationaler Gastredner eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Starreporterin Virginia Hausegger, Vorsitzende der 50/50 Foundation und Chefredakteurin bei BroadAgenda. In seinem Schlusswort betonte Dr. Thomas Fitschen, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Australien, die Bedeutung der institutionellen Aspekte multilateraler Diplomatie, insbesondere des Rechtsstaatsprinzips als Eckpfeiler der regelbasierten internationalen Ordnung. Die Vereinten Nationen sieht er nicht als ein loses politisches Engagement der Mitgliedstaaten, sondern als verbindlichen Rahmen, der auf konkreten rechtlichen Verpflichtungen basiert und der Garant einer friedlichen und prosperierenden Ordnung sein kann, wenn sich alle daran halten.

 

Biographie der Gastrednerin:

Julie Bishop war von 2013 bis zu ihrem Rücktritt 2018 Außenministerin von Australien. Sie war die erste Frau in diesem Amt und 11 Jahre lang die erste weibliche stellvertretende Parteichefin der Liberal Party. Frau Bishop wird von vielen als eine der besten Außenministerinnen betrachtet, die Australien je hatte. Insbesondere ist ihr die Stärkung der strategischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Landes zu verdanken, wie auch seine Rolle als größtes Geberland im indo-pazifischen Raum. Unter ihrer Federführung wurde Australiens Weißbuch zur Außenpolitik 2017 verabschiedet, das für die nächste Dekade einen umfassenden politischen Rahmen absteckte. Als erste weibliche Außenministerin machte sie die Gleichberechtigung und die Stärkung der Rolle der Frau zu einem vorrangigen Ziel der australischen Außenpolitik.


Die Vortragsreihe Konrad-Adenauer Lecture kurz erklärt:

Die Vortragsreihe Konrad Adenauer Lecture wendet sich an alle, die ihre Kenntnisse und ihr Verständnis der gemeinsamen Herausforderungen und Interessen Deutschlands und Australiens und der Regionen Europa und Indo-Pazifik vertiefen möchten. Seit der Eröffnungsrede der Konrad Adenauer Lecture im November 2017 wurde eine Vielzahl hochkarätiger internationaler Gastredner eingeladen. Die jährlich stattfindende, renommierte Vortragsreihe wurde als Höhepunkt der laufenden Zusammenarbeit zwischen dem ANU Centre for European Studies (ANUCES) und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ins Leben gerufen. Seit einigen Jahren lassen ANUCES und die KAS nun bereits gemeinsam Wissenschaftler und Politiker zu Themen zu Wort kommen, die sowohl für Europa als auch für Australien von zentraler Bedeutung sind. Die Kooperationsveranstaltungen und Publikationen fördern den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Praktikern, um Probleme zusammen anzugehen und gemeinsame Interessen auszuloten. Durch ihr Bekenntnis zu dieser jährlichen, hochkarätigen Vortragsreihe und den Begleitpublikationen haben ANUCES und die KAS ihrer Partnerschaft einen formellen Rahmen gegeben.

Ansprechpartner

Katja Theodorakis

Portrait, neu

Senior Programm-Koordinatorin Forschung und Analyse
Aussen- und Sicherheitspolitik

katja.theodorakis@kas.de +61 2 6154 9325