Veranstaltungsberichte

Beziehungen und Bindungen seit mehr als tausend Jahren

von Rita Schorpp

Wie ein Schwert aus dem 9. Jahrhundert sein Europabild prägt, berichtete der irische Botschafter Michael Collins

Das Schwert von Ballindery, ein europäisches High-Tech-Produkt des 9. Jahrhunderts, sehe er heute symbolisch für die europäische Freizügigkeit, sagte S.E. Michael Collins Botschafter von Irland. Er sprach in der EUropabild-Reihe über Irland, Europa, den Brexit und die Finanzkrise. Deutschland werde künftig der wichtigste Partner Irlands in der EU sein, so Collins: "Es war für uns immer sinnvoll zusammenzuarbeiten."

Als Foto hatte Botschafter Collins das Schwert von Ballindery ausgewählt, das 1928 gefunden wurde und zu den Kostbarkeiten des Irischen Nationalmuseums in Dublin zählt. Seine Klinge schmiedete ein Meister namens Ulfberht im Rheinland, Griff und Knauf der Waffe sind skandinavisch. Es gehörte einem irischen Stammeshäuptling, der es vermutlich von Wikingern in Dublin erworben hat. Das High-Tech-Produkt des 9. Jahrhunderts zeigt die mehr als tausendjährigen Beziehungen zwischen Irland und dem europäischen Kontinent und ist eine Metapher für die heute in der EU selbstverständliche Freizügigkeit.

Und bereits im 7. Jahrhundert leisteten die irischen Mönche einen wesentlichen Beitrag zur Christianisierung Deutschlands. Ihr Einfluss ist noch heute in deutschen Städten wie Würzburg und Regensburg erkennbar.

Irland, die EU und Großbritannien

Irland sei ein überzeugtes Mitglied der EU seit mehr als 40 Jahren und werde dies auch bleiben. Aber es hat auch eine komplexe und einzigartige Beziehung zum Vereinigten Königreich. Seit dem gemeinsamen EU-Beitritt hätten sich die irisch-britischen Beziehungen äußerst positiv entwickelt. Vor allem für den Friedensprozess in Nordirland sei er von herausragender Bedeutung gewesen. Collins erinnerte an die bedeutende Rolle der EU im Friedensprozess in Nordirland. Deutschland werde künftig der wichtigste Partner Irlands in der EU sein. „Es war für uns immer sinnvoll zusammenzuarbeiten.“

Der Brexit

Der Brexit stellt Irland vor besondere Herausforderungen. Prioritär sei, die Fortschritte des Friedensprozesses in Nordirland und die Verbesserung des irisch-britischen Verhältnisses zu bewahren. Politische Stabilität, Aussöhnung und die wirtschaftliche Prosperität Nordirlands seien von zentraler Bedeutung. Das Karfreitagsabkommen von 1998 und alle darauf aufbauenden Vereinbarungen müssen in Kraft bleiben, einschließlich der Wahlfreiheit zwischen der britischen und der irischen Staatsbürgerschaft, betonte der Botschafter.

Finanz- und Staatsschuldenkrise und Wirtschaft

Nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise ist die irische Wirtschaft wieder auf gutem Weg: Irlands Bruttosozialprodukt wächst EU-weit am schnellsten, die Arbeitslosigkeit ist von mehr als 15 Prozent inzwischen wieder auf etwa sieben Prozent gefallen. Die Staatsverschuldung sinkt. Die irische Regierung will aber künftigen Krisen vorbeugen und ab 2019 jährlich eine Milliarde Euro in einen „Schlechtwetterfonds“ einzahlen.

Unternehmensbesteuerung und die Entscheidung der EU-Kommission

Botschafter Collins stellte fest, dass die irische Regierung die Entscheidung der EU-Kommission zur Besteuerung Apples in Irland ablehnt und vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen klagen wird. Irland habe Apple keineswegs unangemessene Steuervorteile gewährt. Er betonte, dass sich weder an der Industrieansiedlungsstrategie der letzten fünf Jahrzehnte noch am Unternehmenssteuersatz von 12,5 Prozent etwas ändern werde. Irland stünde im harten Wettbewerb um ausländische Direktinvestitionen, würde aber alle vereinbarten Regeln einhalten.