Veranstaltungsberichte

Lebenselement Wasser

von Christian Schleicher
In der Aula des Gymnasiums Steglitz war es mucksmäuschenstill, oder besser gesagt das Auditorium so stumm wie ein Fisch im Wasser. Dies lag zum einen an den interessanten Geschichten, vor allen Dingen aber an dem talentierten und stimmungsvollen Vortrag des Autors und Dramaturgen John von Düffel. Er stellte den aufmerksamen Jugendlichen die Geschichten „Ostsee“ und „Der Fetzenfisch“ aus seinem Erzählband „Wassererzählungen“, der 2014 im DuMont Verlag erschienen ist, vor.

Einleitend betonte er, dass er zu seiner Schulzeit leider nie den Auftritt eines Schriftstellers habe erleben dürfen. Die Erfahrung, dass hinter Büchern auch Menschen stünden, habe er erst während seines Studiums machen könne, so der Autor.

Von der Möglichkeit dem Schriftsteller Fragen zu stellen, machten die Jugendlichen ausgiebig Gebrauch. John von Düffel erläuterte ihnen die Bedeutung von Namen in seinen Geschichten, die eine große nicht zu unterschätzende Bedeutung haben. Sie ergeben sich durch Assoziationen des Autors und durch seine eigenen Erfahrungen und Begegnungen mit Personen. Auf die Frage wie viel Wahrheit in seinen Geschichten stecke, antwortete er, dass dies schwierig nachzuvollziehen sei, da Reales und Erfundenes miteinander verschmelzen. Der Schriftsteller ging auch auf die finanzielle Situation der Autoren ein, die oftmals von Existenzängste plagen, da nur sehr wenige vom Verkauf ihrer Bücher leben könnten und somit auf Lesungen und andere Einkünfte angewiesen seien. Er selbst, so der Autor, habe das große Glück, dass er als Dramaturg ein festes Einkommen habe, sodass er frei sei in dem was und wann er schreiben wolle.

John von Düffel erklärte den Schülern und Schülerinnen sehr transparent wie viel Prozent des Buchpreises eigentlich nur beim Autor landen und was der Verlag und Amazon oder die Buchhandlungen verdienen. Er ermunterte die Jugendlichen den Kauf von Büchern bei Amazon wenn möglich zu vermeiden, da dieses Unternehmen der Totengräber der Buchhandlungen sei. Der Schriftsteller machte deutlich, dass er sich ganz bewusst für die Form der Erzählungen entschieden habe, da das Wasser so facettenreich sei, dass es sich nur in so viel unterschiedlichen Geschichten in seiner ganzen Bannbreite darstellen lasse. Als ihm die Frage nach seiner Affinität zum Wasser gestellt wurde, holte er ganz weit aus und hielt ein Plädoyer für den Erhalt der Umwelt und einen bewussten Umgang des Menschen mit der Natur im Allgemeinen und dem Lebenselixier Wasser im Besonderen. Er führte aus wie kostbar, aber auch begrenzt die Trinkwasservorräte auf der Welt seien. „Wasser ist für mich ein emotionales Lebensgefühl, aber auch ein ökologisch-politisches Anliegen, auf dessen Wert und Kostbarkeit ich in meinen Büchern hinweisen will.“