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Veranstaltungsberichte

30 Jahre Engagement der Konrad-Adenauer-Stiftung in China

von Dr. Chengzhan Zhuang, Tobias Knörich
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des KAS-Büros in Peking besuchten Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D. und Ehrenvorsitzender der KAS, und Dr. Gerhard Wahlers, Stellvertretender Generalsekretär der KAS, vom 14. bis 19. Januar 2026 China. Stationen der Reise waren Peking, Zhuhai (Guangdong) und Shanghai.

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Anlässlich​ des 30-jährigen Bestehens des KAS-Büros in Peking besuchten Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D. und Ehrenvorsitzender der KAS, und Dr. Gerhard Wahlers, Stellvertretender Generalsekretär der KAS, vom 14. bis 19. Januar 2026 China. Stationen der Reise waren Peking, Zhuhai (Guangdong) und Shanghai.​

 

Festempfang und Gespräche in Peking

Höhepunkt des Aufenthalts in Peking war der Festempfang anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Konrad-Adenauer-Stiftung in Peking. Über 80 Vertreterinnen und Vertreter deutscher und chinesischer Institutionen, langjährige Partner sowie (Alt-)Stipendiatinnen und Stipendiaten kamen in den Räumen des Auslandsbüros zusammen, um drei Jahrzehnte Stiftungsarbeit in China zu würdigen.

In ihren Ansprachen hoben Botschafterin Dr. Patricia Flor und Herr Lü Hongwei von der Chinesischen Volksvereinigung für Freundschaft mit dem Ausland die Bedeutung des kontinuierlichen Dialogs und verlässlicher Netzwerke für den deutsch-chinesischen Austausch hervor und betonten die zentralen Schwerpunkte der Pekinger Stiftungsarbeit in den Bereichen Politik, Sicherheit und gesellschaftliche Partizipation. Prof. Dr. Norbert Lammert stellte in seiner Ansprache die Biographien von Sun Yat-sen und Konrad Adenauer gegenüber und nutzte diesen Vergleich, um historische Unterschiede ebenso wie verbindende Elemente und die bleibende Notwendigkeit des Austauschs herauszuarbeiten.

Darüber hinaus wurde im Rahmen eines Gesprächs mit dem Präsidenten der Chinesischen Volksvereinigung für Freundschaft mit dem Ausland, Yang Wanming, die langjährige Zusammenarbeit mit der Stiftung als verlässliche Dachpartnerschaft gewürdigt.

Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an einem fortgesetzten Dialog sowie an der Erprobung neuer Formate der Zusammenarbeit. Zugleich unterstrichen sie ihr gemeinsames Verständnis der Charta der Vereinten Nationen als Grundlage der internationalen Ordnung und von Multilateralismus als zentralem Mechanismus internationaler Kooperation.

Ergänzt wurde der Aufenthalt in Peking durch eine Reihe politischer und fachlicher Gespräche, die der Einordnung aktueller Entwicklungen der deutsch-chinesischen Beziehungen sowie regionaler und globaler Fragestellungen dienten. Hierzu zählten Austausche mit Vertretern der Deutschen Botschaft in Peking sowie mit Akteuren aus Wirtschaft, Kultur, Medien, Wissenschaft und Think Tanks. Eine Führung durch die Verbotene Stadt bot darüber hinaus historische Einblicke in die langjährige Geschichte Chinas.

Blick auf die letzten 30 Jahre und Ausblick auf Kernthemen deutsch-chinesischer Zusammenarbeit

Im Rahmen der Jahrestagung der chinesischen Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zhuhai (Guangdong) wurden die Perspektiven der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit eingehend diskutiert. In einem thematischen Impulsbeitrag hob Prof. Dr. Lammert die grundlegenden Herausforderungen hervor, denen sich Deutschland und die internationale Staaten-gemeinschaft vor dem Hintergrund der aktuellen „Zeitenwende“ gegenübersehen. Er machte deutlich, in welchem Maße der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einer systematischen Erosion des bestehenden globalen Ordnungsrahmens beigetragen habe. Weitreichende und einseitige Formulierungen nationaler Interessen – wie sie derzeit etwa im Zusammenhang mit dem Vorgehen der USA in Venezuela oder den Ansprüchen auf Grönland zu beobachten sind – verstetigten diese Entwicklungen zusätzlich. Um den damit verbundenen Unsicherheiten wirksam begegnen zu können, bedürfe es größerer politischer Orientierung und des Mutes zu klaren Positionierungen. Die anschließende Diskussion mit den Teilnehmenden spiegelte eindrücklich die Vielfalt der Perspektiven auf diese Fragestellungen wider.

Ein zweiter thematischer Schwerpunkt der Tagung lag auf der Rolle von Innovationen als Treiber der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit im Perlflussdelta. Impulsbeiträge von Gert Wagner (MTU Maintenance Zhuhai), Dr. ZHAO Wenting (KAS-Altstipendiatin) und Maximilian Stopfer (KAS-Altstipendiat) beleuchteten anhand von Branchen wie der Luftfahrt und der Medizintechnik die fortschreitende Integration der Greater Bay Area. Dabei wurden sowohl die Dynamiken bei der Herausbildung regionaler Innovationscluster veranschaulicht als auch aufgezeigt, wie sich Unternehmen in der Provinz Guangdong strategisch auf diese Entwicklungen einstellen.

Im Rahmen einer Abendveranstaltung wurde auf die Anfänge der Stiftungsarbeit in China zurückgeblickt. Dr. Gerhard Wahlers, Stv. Generalsekretär der Stiftung, zeichnete die Entwicklung des Engagements der Stiftung von den ersten Kontakten im Jahr 1979 über die Gründung des Büros in Peking im Jahr 1996 bis hin zur heutigen Arbeit in China nach. Besonders hob er die zentrale Rolle der Altstipendiatinnen und Altstipendiaten hervor, die seit mehr als drei Jahrzehnten maßgeblich zum Wirken der Stiftung vor Ort beitragen. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit auch in den kommenden dreißig Jahren fortgeführt und weiterentwickelt werden könne, um den deutsch-chinesischen Austausch nachhaltig zu vertiefen. Jörg Wolff, Gründungsdirektor des Pekingbüros und Dr. LIANG Yea-jen, die als Altstipendiatin maßgeblich am Aufbau des Büros beteiligt war, ergänzten diese historische Einordnung durch lebendige und persönliche Einblicke in die Anfangsjahre der Stiftungsarbeit in Peking.

Den Abschluss der Reise bildete Shanghai, wo Fragen der bilateralen Zusammenarbeit in Wirtschaft und Wissenschaft sowie globale Entwicklungen in den Gesprächen vertieft wurden. Bei einem Besuch der Tongji-Universität erläuterte Präsident Yang Jinlong die historische Bedeutung der Universität als tragende Brücke im deutsch-chinesischen Austausch und stellte zugleich zentrale strategische Entwicklungslinien vor. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Bemühungen der Universität, mithilfe künstlicher Intelligenz eine Transformation hin zu „digitaler Intelligenz, ökologischer Nachhaltigkeit und inter-disziplinärer Integration“ voranzutreiben. Präsident Yang unterstrich zudem die Bereitschaft der Tongji-Universität, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland weiter zu intensivieren. Prof. Dr. Norbert Lammert würdigte die Vorreiter-rolle der Tongji-Universität im deutsch-chinesischen Austausch und bekräftigte das Interesse des KAS, die Kooperation mit der Universität weiter auszubauen.

Daran anknüpfend fand im Deutschlandforschungszentrum der Tongji-Universität ein Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Vertretern verschiedener deutschlandbezogener Einrichtungen statt. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Fragen nach Gestaltungsspielräumen und Zukunftsaussichten der deutsch-chinesischen Beziehungen in einem sich wandelnden internationalen Umfeld.

Bei einem Treffen mit Prof. ZHOU Hanmin, Mitglied des Ständigen Ausschusses der Nationalen Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes und Vorsitzender der Shanghai Public Diplomacy Association, wurden die internationale Ausrichtung Shanghais sowie mögliche Ansatzpunkte für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland erörtert.

Prof. Dr. Norbert Lammert hob in diesem Zusammenhang hervor, dass beide Seiten reflektieren sollten, wie internationale Kooperation angesichts der aktuellen globalen Rahmenbedingungen ihre Weiterentwicklung fördern kann. 

Ein abendlicher Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Wirtschaft sowie der deutschsprachigen Community in Shanghai bot schließlich Gelegenheit, Eindrücke der Reise zu bündeln und die Anliegen der vor Ort tätigen Wirtschaftsakteure zu vertiefen. Damit fand die Reise einen stimmigen Abschluss.

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Kontakt Johann C. Fuhrmann
Johann C. Fuhrmann
Leiter des Auslandsbüros China - Peking
johann.fuhrmann@kas.de +86 10 6462-2207; 2208 +86 10 6462-2209
Kontakt David Merkle
David Merkle
Leiter des Auslandsbüros China – Shanghai
David.Merkle@kas.de +49 30 26996 1038

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