Veranstaltungsberichte

Bilaterale Historikerkonferenz in Qingdao

Die deutsch-chinesischen Beziehungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert standen im Fokus einer internationalen Konferenz, welche die KAS Peking am 17. und 18. Juni in Qingdao durchgeführt hat. Zahlreiche Expert:innen waren aus Deutschland zugeschaltet, um sich an dem Austausch zu beteiligen.

Prof. Zhu Yijie von der Qingdao Universität stellte in seiner Begrüßung die beiden Forschungsgruppen als Partner der Konferenz und seine persönlichen Erfahrungen als Sammler von lokalen historischen Relikten mit Bezug zu Deutschland vor. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, diese Konferenz als Gelegenheit zu nutzen, den Austausch zwischen chinesischen und deutschen Wissenschaftler:innen zu fördern und den Erhalt des lokalen historischen und kulturellen Erbes und der Altstadt von Qingdao wissenschaftlich zu unterstützen.

Prof. Sun Lixin und Dr. Marcus Mühlnikel erläuterten im ersten Teil der Veranstaltung die Bedeutung des historischen Gedächtnisses aus der Perspektive der deutsch-chinesischen Beziehungen bzw. der regionalen und lokalen Geschichte. Prof. Wu Qiong und Prof. Han Congyao analysierten, wie man Geschichte aus der Perspektive von Video- und Bildmaterialien analysieren und erzählen kann. Prof. Li Wei und Prof. Ma Weidong erläuterten die Vermittlung des historischen Gedächtnisses in den Lehrplänen chinesischer Universitäten aus der Perspektive der Geschichtsdidaktik und Professor Liu Wei beschrieb die Beziehung zwischen der Republik China und der NS-Diktatur anhand fotografischer Darstellungen.

Das zweite Panel wurde von Dr. Marcus Mühlnikel moderiert. Eingangs stellten Prof. Markus Hilgert und Frau María Leonor Pérez Ramirez von der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten die Hintergründe der neu eingerichteten Kontaktstelle, ihre Arbeitsschwerpunkte und zukünftigen Ziele vor. Dr. Larissa Förster vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste präsentierte zudem das Forschungsprojekt „Fachbereich Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten". Dr. Christine Howald und Prof. Xu Jian präsentierten das Verbundprojekt „Spuren des 'Boxerkrieges' in deutschen Museumssammlungen" und Dr. Hajo Frölich stellte die Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus China in vier ostfriesischen Museen und Kultureinrichtungen vor.

Der dritte Veranstaltungsteil am 18. Juni stand unter dem Thema „Historische Relikte und historisches Gedächtnis in Qingdao als Zeugnisse für die Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen" und wurde von Prof. Liu Wei und Prof. Zhu Yijie geleitet. Die teilnehmenden Expert:innen stellten die engen Beziehungen zwischen Qingdao und Deutschland in der Geschichte der Stadt vor. Darunter waren Prof. Li Lezengs Forschungen über Qingdaos Deutsch-Chinesische Hochschule, Prof. Meng Hongs Forschungen über die Konstruktion von Qingdaos städtischem Gedächtnis und Helga Rathjens Forschungen über Qingdao als Raumbild und Traumbild für den deutschen Städtebau. Darüber hinaus präsentierten mehrere lokale Teilnehmer aus Qingdao wie Liu Zhaomin, Zhou Zhaoli, Zhang Rong und Sun Shuwei ihre Ansichten über die Geschichte des Ersten Weltkriegs, die Rolle und Spuren deutscher Wissenschaft in China sowie den Bau öffentlicher Einrichtungen und den Tourismus in Qingdao. Prof. Zhu Yijie stellte während der Konferenz die deutsche Geschichte Qingdaos vor, wie sie auf Postkarten im Rahmen der Ausstellungen „Deutsche Kolonialgeschichte in Tsingtau auf Postkarten 1897-1914" und "22 Momente in der neueren Geschichte Qingdaos" dargestellt wurde. Dagmar Rauwald, Prof. Jasmin Mersmann und Dr. Evke Rulffes stellten außerdem zwei relevante Forschungsprojekte mit Bezug zu Qingdao vor: "Social Bookmarking Qingdao" sowie die Ausstellung "Binding Bodies - Die podologische Sammlung Hans Virchows“.

Am Ende der Konferenz drückten sowohl der designierte Leiter der KAS Peking, Johann Fuhrmann, sowie Prof. Zhu Yijie ihre Hoffnung aus, dass die Ergebnisse der Konferenz in Zukunft weiter vertieft werden. Prof. Sun Lixin gab zudem einen Ausblick auf die zweite internationale Konferenz zum Thema Erinnerungskultur, die im Oktober 2021 stattfinden wird.

Hinweis: Zwei lokale Forschungsgruppen in Qingdao beteiligten sich als Mitveranstalter an der Konferenz: Namentlich waren dies die „Forschungsgruppe zur Vertiefung des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs zwischen Qingdao und Deutschland in der Post-Pandemie-Ära“ sowie die „Forschungsgruppe zur Erforschung der Bildgeschichte der Hafeneröffnung in Qingdao“.