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Projekt für ein „Kaleidoskop der Perspektiven“

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Neuem Denken und neuen Köpfen Raum zu geben, ist der Kern eines neuen Projekts. Zu sondieren, was die Gesellschaft treibt, hilft, das Profil zu schärfen. Zu erspüren, welche Entwicklungen kommen können, trägt dazu bei, eigene Positionen zu vertiefen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Mit den „Denkern für morgen“ hat die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Netzwerk von jüngeren Menschen geschaffen, die gemeinsam darüber nachdenken, was die Gesellschaft von morgen ausmacht, prägt und zusammenhält. Dabei geht es um gesellschaftliche und politische Fragen, aber ebenso um die individuelle Verantwortung für die Zukunft des Gemeinwesens.

Im Sommer 2010 initiierte die Stiftung diesen Diskussionskreis von bis zu vierzigjährigen jungen Menschen. Zentral bei der Auswahl der Teilnehmer war, möglichst umfassend fachliche Disziplinen und gesellschaftliche Hintergründe abzubilden. Mit einem Brief an die „Denker“, der sich intensiv mit globalen Querschnittsfragen, mit Einordnung und Zukunftsrelevanz von Themen befasste, konnten Lehrer, Juristen, Theologen, Physiker, Designer, Sozialwie Naturwissenschaftler, Psychologen und Genforscher gewonnen werden. Vor ziemlich genau zwei Jahren hatten die „Denker für morgen“ ihr Auftakttreffen in der Villa La Collina in Cadenabbia. Ein in Berlin hervorragend vernetzter Teilnehmer machte dem Projekt ein großes Kompliment: „Hier kenne ich wirklich niemanden!“ Bereits nach einem Abend kristallisierten sich thematische Schwerpunkte der künftigen Arbeit heraus. Partizipation, Gemeinwohlstand und Verantwortungsfähigkeit werden die Fragen sein, mit denen sich die „Denker“ vertieft beschäftigen wollen. In einzelnen Arbeitsgruppen wurde in Cadenabbia weitergedacht, formuliert und später online weitergeschrieben. Inzwischen sind die „Denker für morgen“ auch inoffiziell in Berlin und Hamburg miteinander in Kontakt und treffen sich autark ohne Stiftungsanschub.

Nächste Station: Frühjahr 2011, Schloss Wendgräben – dort wurden die Thesen vertieft, auch im Hinblick auf ein geplantes Buchkonzept. In Wendgräben waren erstmals Fachkollegen aus der Stiftung dabei, und bei den Thesen wurde mit Blick auf politische Machbarkeiten zum Teil hart gerungen. Damit das „Denker“-Projekt Bodenhaftung behielt und den Dialog mit politischen Akteuren und Generationengruppen jenseits der 30 führte, hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung regelmäßige Begegnungen mit aktiven und ehemaligen Politikern vorgesehen. Um politische Machbarkeiten und um die Chance, jenseits des politischen Geschäfts denken zu können, ging es in direkten Gesprächen mit Roland Koch, Horst Köhler und Jens Spahn.

Im Oktober 2011 stand beim Treffen im Berliner „Münzsalon“ im Mittelpunkt, die „Denker“-Thesen im intensiven ganztägigen Dialog mit älteren Denkern abzuprüfen. Eingeladen waren Kurt Biedenkopf, Heinrich Oberreuter und Gerd Langguth. Alle drei attestierten den „Denkern“ richtige und gute Ansätze, betteten diese in die bundesrepublikanische Geschichte ein, fragten aber gleichzeitig beharrlich nach Umsetzungsmöglichkeiten der Thesen und Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb des repräsentativen Systems. Ein „Macht mit!“ stand als Appell an die „Denker“-Generation im Raum. Der Tag – im Zeichen der Begegnung zwischen den Generationen – bot aber auch einen Einblick in gesellschaftspolitische Deutungshoheiten und damit eine gute Gelegenheit zu erspüren, wo die „Denker für morgen“ derzeit stehen.

Inzwischen wurden Mitglieder aus dem Kreis der „Denker für morgen“ für andere Stiftungsaktivitäten gewonnen, sie treten jetzt als Referenten und Experten auf. Das Buchprojekt trat in die Phase der Manuskripterstellung: Ein umfassender Text über die drei zentralen Themen, formuliert von Christian Schüle, wird begleitet von diversen Einzelthemen, die die „Denker“ beisteuerten. Mit Herder hat die Konrad-Adenauer-Stiftung einen renommierten Verlag gefunden, der dem Projekt „Denker für morgen“ von Beginn an sehr wohlwollend und offen gegenüberstand und den Prozess der Buchwerdung professionell begleitete.

Ende November 2012 wurde das Buch in Berlin vom Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung, Michael Thielen, und dem betreuenden Lektor des Herder-Verlags, Lukas Trabert, vorgestellt. Ein „Kaleidoskop der Perspektiven“ hat der Generalsekretär die Publikation der „Denker für morgen“ genannt, und es sei „zum Glück kein 125. Forderungskatalog an die Politik“. Perspektiven für morgen zu erdenken, soll auch künftig Aufgabe der „Denker für morgen“ sein.

Elisabeth von Uslar, Leiterin der Stabsstelle Stiftungsübergreifende Strategien

 

Literatur

Denker für morgen. Herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Freiburg, Basel, Wien 2012.

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