Veranstaltungsberichte

Jüngste Entwicklungen im Bereich der unkonventionellen Sicherheit

von Pankaj Madan, Paras Gupta

Internationale Konferenz zu Herausforderungen und Lösungsansätzen

Vom 19. bis 21. April 2017 organisierten die Central University of Jammu (CUJ), die Christ University (CU), Bengaluru und das Auslandsbüro Indien der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Zusammenarbeit mit der Polizei Jammu & Kashmir (JKP) eine Fachkonferenz über „Jüngste Entwicklungen im Bereich der unkonventionellen Sicherheit“. Die Konferenz schloss an eine vorherige Veranstaltung im September 2016 in Bengaluru an. Der dreitägigen Veranstaltung in Jammu wohnten Experten der Sicherheitsbranche, der Wissenschaft, der Verwaltung und sowie Mitglieder diverser Think-Tanks bei.

Der Eröffnung der Veranstaltung gingen Grußworte von Prof. Lokesh Verma, Akademischer Koordinator an der CUJ, Dr. Manoharan, Lehrbeauftragter an der CU, Mark Alexander Friedrich, Projektassistent, Konrad-Adenauer-Stiftung sowie von Dr. S.D. Singh, Generalinspekteur der J&K Polizei, voraus. Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Haseeb Drabu, der Finanzminister der J&K. Er betonte in seiner Rede die Bedeutung des Zusammenwirkens von Fachleuten und Wissenschaftlern in Sicherheitsfragen. Im Rahmen unkonventioneller Sicherheitsrisiken hob er besonders die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die globale Sicherheitslage hervor. Auch führte er aus, dass seine Polizeibehörde die Wahrnehmung der üblichen Polizeiaufgaben – Wahrung von Gesetz und Ordnung – durch die angespannte Stimmung in J&K schwerer falle. Als Hauptgrund hierfür führte er die zunehmenden sozialen Missverhältnisse in der Region an.

Im Anschluss hielt Prof. Ashok Aima, Vizekanzler an CUJ, seiner Eröffnungsrede. Er äußerte, dass es wichtig sei die Politikforschung voranzutreiben, um Sicherheitsrisiken entgegenzutreten. Weiterhin bekundete er Interesse an der Einrichtung eines Forschungszentrums oder Think-Tanks in der Abteilung für Nationale Sicherheitsstudien. In Anbetracht der derzeitigen Situation im Bundesstaat J&K unterstrich er auch die Bedeutung die sozialen Missverhältnisse im Land weiter zu ergründen, um politische Handlungsalternativen zu finden..

Der erste Veranstaltungspunkt zum Thema "Classic Narrative" wurde von M.M. Khajooria, ehem. Generaldirektor der J&K Polizei geleitet. Er konzentrierte sich auf die Analyse von Sicherheitsfragen zu den Themen Drogenhandel, Terrorismus, Wirtschaftspolitik sowie (Binnen)Flüchtlinge. Herr Khajooria setzte einen Schwerpunkt auf Fragen unkonventioneller Sicherheitsrisiken, besonders im Kontext der aktuellen Terroranschläge in Europa. R.C. Kotwal, Inspekteur, J&K Polizei präsentierte nicht nur eine Reihe von Sicherheitsfragen die aus dem Drogengeschäft resultieren, sondern zeigte auch auf, wie Terroristen diese zu ihrer Finanzierung nutzen. Dr. Geeta Madhavan, Strategie- und Sicherheit-Analystin, zeigte die Entwicklung des Terrorismus von seinen Anfängen bis zu seiner gegenwärtigen Ausgestaltung auf. Prof. Dipankar Sengupta von der Jammu Universität forderte, dass von dem Bundes- und Landesregierung mehr Gelder für die Bekämpfung der Milizen in J&K zur Verfügung gestellt werden sollten. Dr. Mahesh Kaul, Berater beim IMPARD, unterstrich die resultierenden Herausforderungen für die Landesregierung der J&K aus der Zunahme von Flüchtlingen und Binnenflüchtlinge.

Die zweite Session moderierte Prof. S.K. Sharma, Vivekananda Chair an der CUJ, zum Thema "Counter Narrative" unkonventioneller Sicherheitsfragen. Die Themen umfassten neben humanitärer Sicherheit und generellen Sicherheitsfragen, auch Themenblöcke über die Emanzipation der Frau. In seiner Eröffnungsrede legte Prof. S.K. Sharma einen Fokus auf Fragen und Möglichkeiten wie diese menschliche Bedrohungen eingedämmt werden können, um die Einheit, die Integrität und die Souveränität des Landes zu schützen. Prof. Mallika Joseph, Leiterin der Abteilung für nationale Sicherheit an der CUJ, gab in ihrer Präsentation eine ausführliche Erklärung über den Diskurs und die Auswirkungen unkonventioneller Sicherheitsprobleme auf die menschliche Sicherheit von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart. Major Gen. Dipankar Banerjee, Mitglied des Forums für Strategic Initiatives, erläuterte seine bisherigen Erfahrungen als Angestellter der Armee in J&K. Er stellte die Herausforderungen der derzeitigen Sicherheitslage heraus und begab zu Bedenken, ob nicht alte Sicherheitskonzepte in Asien neue Relevanz gewinnen könnten. Frau Riya Bawa, Student an der CU, betrachtete in ihrer Präsentation Sicherheits- und humanitäre Fragen unter dem Blickwinkel der Frauenemanzipation.

Die dritte Diskussion moderierte Herr S.N. Srivastava, Generaldirektor der Central Reserve Police Force über den Themenkomplex “Contemporary Narrative – Local”. Es wurden mehrere Fragen zu den Themen Demographie, Wasser, Radikalisierung, neuen Medien, Katastrophenhilfe und mögliche Reaktionen erörtert. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass diese Themen eine entscheidende Rolle für das Verständnis der derzeitigen Situation im Bundesstaat J&K spielen, nicht zuletzt, weil sie helfen, die aktuellen Entwicklungen zu unkonventionellen Sicherheitsfragen zu verstehen. In seinem Vortrag diskutierte Dr. Manoharan, Lehrbeauftragter an der CU, die gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Auswirkungen durch demographische Entwicklungen in Indien und auf der ganzen Welt. Dr. Anurag Tripathi Assistenzprofessor an der CU, argumentierte, dass das Konzept der Radikalisierung missverständlich sei und Extremismus nicht immer auf religiöse Hintergünde zurückzuführen sei. Major Gen. Naresh Bhadani führte während seiner Präsentation Konzepte des Katastrophenschutzes aus und machte auf die mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen aufmerksam. Frau Ambika Vishwanath, geopolitischee und strategischer Beraterin, sprach über die Implikationen von Wassersicherheit sowie globale Probleme bei der Aufteilung von Wasserressourcen.

Die vierte Sitzung des Workshops, mit dem Titel „Contemporary Narrative - Global Crises“ wurde von Dr. Senthil Kumar, District Forest Officer (DFO), geleitet. Behandelte Themen waren neben Wirtschaftskrisen, Fragen der Seeverkehrssicherheit, auch ABC-Waffen und Neue Medien. In seinem Vortag betrachtete Dr. Sanjaya Baru, Medienberater des ehem. indischen Premierministers, die Herausforderungen globaler Wirtschaftskrisen sowie die daraus resultierende finanzielle Bedrohung für die Staatengemeinschaft. Dr. Gurpreet Khurana, Direktor an der National Maritime Foundation (NMF), unterrichtete die Teilnehmer über aktuelle Sicherheitsaspekte im Seeverkehr als auch über geopolitische Herausforderungen in der Indo-Pazifik Region, dabei arbeitete er vor allem die militärischen Ungleichgewichte, die in den Weltmeeren vorherrschen, heraus. Dr. S.D. Singh, Generalinspekteur der J&K Polizei, referierte über die tödliche Gefahr von ABC-Waffen und blickte dabei auch auf die neusten Aktivitäten in Syrien. Weiter beschrieb er die bestehenden Möglichkeiten für nicht staatliche Akteure in den Besitz von chemischen Waffen zu gelangen. Der letzte Redner, Herr Zafar Chaudhury, Journalist von der “Die News Now“, beschrieb die Gefahren, die durch die Nutzung des Internets und der neuen Medien durch radikalen Aktivisten entstehen.

Während der Abschlusssession bedankten sich Dr. Sudhakar, Dr. N. Manoharan, Pankaj Madan, und Dr S.D. Singh bei allen Experten und Partnern. Auch kündigten sie an ihre zukünftige Zusammenarbeit bei thematisch ähnlichen Veranstaltungen zu vertiefen. Prof. Ashok Aima, bedankte sich ebenfalls bei den Veranstaltern und eingeladenen Gästen und lobte die lebhafte Diskussion. In Bezug auf die Sicherheitsfragen in J&K resümierte er, dass die Probleme nur durch Beteiligung aller Gesellschaftsschichten und unter Berücksichtigung der politischen, ethnischen, kulturellen und religiösen Diskurse, zu lösen sei. Zum Abschluss der Veranstaltung fasste Prof. Mallika Joseph die Diskussionsschwerpunkte zusammen.

Auf Grundlage der Erkenntnisse des Workshops wurde vereinbart eine Studie zu dem Thema zu veröffentlichen.

Ansprechpartner

Dr. Thomas Kunze

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Leiter des Auslandsbüros und Landesbeauftragter für die Russische Föderation

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