Veranstaltungsberichte

KAS-CSDS Jugendstudie „Indische Jugend und Politik“

von Benjamin Querner

Ansichten und Präferenzen der jungen Bevölkerung Indiens

Am 27. Februar 2012 veröffentliche die Konrad-Adenauer-Stiftung in Indien gemeinsam mit dem indischen Partner Centre for the Study of Developing Societies (CSDS) die zweite KAS-CSDS Jugendstudie zum Thema Jugend und Politik in Indien. Die wichtigsten Ergebnisse der von der KAS initiierten Jugendstudie wurden im Rahmen eines Fachgesprächs unter Teilnahme des Ministers für Jugend und Sport, Ajay Maken und dem Politikexperten und Senior Fellow am CSDS, Professor Yogendra Yadav, vorgestellt und diskutiert.

Indien ist mit knapp über 1,2 Milliarden Einwohnern nicht nur das zweitgrößte Land der Welt, sondern auch eine der jüngsten Nationen überhaupt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre und die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren bildet mit über 240 Millionen Menschen über ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Indiens.

Diese sogenannte demografische Dividende gilt als entscheidender Vorteil des Subkontinents gegenüber den alternden Industriegesellschaften des Westens und dem alternden Nachbarn Chinas. Eine junge Bevölkerung ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes, wenn dieser Altersgruppe ausreichende Entwicklungsperspektiven auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt geboten werden. Die Jugend bildet das dynamische Element, um die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes konstruktiv anzugehen und sich für nachhaltige und gerechte Lösungen dringender Probleme einzusetzen.

In Indien steht das Thema „Jugend und Politik“ intensiv seit der Parlamentswahl 2009 zur Debatte, damals waren über 700 Millionen Wählerinnen und Wähler – darunter zahlreiche Jung- und Erstwähler – aufgerufen, über die politische Richtung des Landes zu entscheiden. Nach Ausgang der Wahl – die die Kongresspartei geführte Koalitionsregierung United Progress Alliance (UPA) für sich entscheiden konnte – beschrieben die indischen Medien den Einzug vieler junger Abgeordneten ins indische Parlament als „politischen Aufstieg“ der Jugend, da auch das Kabinett der amtierenden Regierung sich im Durchschnitt um einige Jahre verjüngt hatte.

Die Ansicht, dass eine junge Bevölkerung auch gleichzeitig zu einer höheren Beteiligung der Jugend in der Politik führt, stand im Raum, konnte aber nicht mit Fakten und Studien untermauert werden. Anlehnend an die Studie „Indian Youth in a Transforming World“, die im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung als erste repräsentative Jugendstudie in Indien 2007/2008 initiiert und deren Ergebnisse 2009 zusammen mit dem Partner CSDS unter dem Titel „Indian Youth in a Transforming World – Attitudes and Perceptions“ veröffentlicht wurden, folgte nun die zweite Studie zum Thema „Indian Youth and Politics – An Emerging Engagement“. Die KAS-CSDS Jugendstudie „Indische Jugend und Politik“ befragte im Rahmen einer zweijährigen Studie und einem mehrstufigen Verfahren mehr als zweitausend Wahlberechtigte zu ihren Ansichten, Präferenzen, ihren Einstellungen und Wissen zu den politischen Themen des Landes.

Die Studie analysiert nicht nur die Beziehung zwischen der indischen Jugend und der Politik, sondern thematisiert auch die politischen Ansichten und Wahrnehmungen der indischen Jugend und grenzt diese gegenüber anderen Altersgruppen innerhalb der indischen Bevölkerung ab. Ziel der Studie war es, das Interesse, die Kenntnisse und die Beteiligung der Jugend an politischen Aktivitäten in Indien realistisch abzubilden, sowie herauszufinden, ob der sozioökonomische Hintergrund Einfluss auf die politischen Präferenzen der indischen Jugend hat.

Die Studie wurde am 27. Februar 2012 durch die Konrad-Adenauer-Stiftung in Indien gemeinsam mit dem indischen Partner Centre for the Study of Developing Societies (CSDS) veröffentlicht und die Ergebnisse im Rahmen eines Fachgespräches diskutiert.

Am Fachgespräch teilgenommen haben der Minister für Jugend und Sport, Ajay Maken, der Politikexperte und Senior Fellow am CSDS, Professor Yogendra Yadav, die Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Indien, Dr. Beatrice Gorawantschy, der wissenschaftliche Leiter der Studie und Co-Direktor CSDS-Lokniti, Sanjay Kumar sowie Professor Sandeep Shastri, Wissenschaftlicher Berater am CSDS-Lokniti, die gemeinsam die wichtigsten Ergebnisse der von der KAS initiierten Jugendstudie vorstellten und im Anschluss diskutierten.

Laut Studie spricht sich ein Großteil der indischen Jugend gegen die sogenannte „Dynastie-Politik“ Indiens aus, bevorzugt in der Regel jüngere Parlamentarier und steht Wahlreformen grundsätzlich positiv gegenüber. Über ein Drittel der Befragten würde eine Karriere in der Politik aufnehmen, wenn sie die Chance dazu bekämen. In Regel ist die urbane Jugend über politische Themen besser informiert als die ländliche und laut Studie ist der Anteil der politisch Interessierten und der Umfang der politischen Aktivitäten unter den männlichen Jugendlichen höher als im Vergleich zu den weiblichen Jugendlichen.