Eröffnet wurde die Konferenz von Dr. Antonija Mršić Radas, Geschäftsführerin von CroAI, Dr. Norbert Eschborn, Leiter des KAS-Auslandsbüros Kroatien-Slowenien, sowie Ivan Lakoš, kommissarischer Leiter der Verwaltung für die Entwicklung der digitalen Gesellschaft und strategische Planung im kroatischen Ministerium für Justiz, Verwaltung und digitale Transformation.
Dr. Mršić Radas betonte in ihrem Beitrag, dass eine erfolgreiche Einführung von KI in der öffentlichen Verwaltung von drei miteinander verbundenen Dimensionen abhängt: der organisatorischen, der kulturellen und der technischen Dimension. Sie hob insbesondere die Entwicklung digitaler Kompetenzen, die Unterstützung durch die Führungsebene sowie eine bessere Vernetzung der Institutionen und ihrer Systeme hervor. Der Erfolg von KI-Anwendungen sollte ihrer Ansicht nach nicht allein anhand der eingesetzten Technologien, sondern vor allem anhand der Qualität und Nutzerzufriedenheit bei öffentlichen Dienstleistungen betrachtet werden. Als wichtigen Ansatz nannte sie die schrittweise Einführung neuer Lösungen über Pilotprojekte sowie die gleichzeitige Verbindung bestehender und neuer Systeme.
Dr. Eschborn betonte, dass Künstliche Intelligenz nicht nur als IT-Projekt betrachtet werden sollte, sondern als Teil einer umfassenderen Reform und einer Veränderung der Arbeitsweise der öffentlichen Verwaltung. Nach den auf der Konferenz vorgestellten Daten wird KI bereits in zahlreichen OECD-Mitgliedstaaten eingesetzt und ihre Nutzung im öffentlichen Sektor nimmt weiter zu. Als Beispiel für die erfolgreiche Verbindung digitaler Grundlagen mit KI-Technologien wurde Estland genannt. Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass KI angesichts des Fachkräftemangels dazu beitragen kann, Routineaufgaben zu automatisieren und Mitarbeitende für komplexere Aufgaben sowie den direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern zu entlasten.
Lakoš stellte die Aktivitäten des Ministeriums im Bereich der Künstlichen Intelligenz vor und kündigte den Nationalen Plan für die Entwicklung und Anwendung von KI an. Als wichtige Voraussetzungen wurden der Ausbau der KI-Infrastruktur, die Cybersicherheit sowie ein zentraler Datenbestand („Data Lake“) genannt, der den Datenaustausch zwischen staatlichen Institutionen verbessern soll. Zudem wies er darauf hin, dass KI-Lösungen bereits in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Sektors eingesetzt werden, unter anderem in der Justiz, der Steuerverwaltung und beim kroatischen Wetterdienst DHMZ.
Im weiteren Verlauf der Konferenz fanden zwei Podiumsdiskussionen statt.
Die erste Podiumsdiskussion wurde durch einen Impulsvortrag von Juraj Bilić, stellv. Leiter von CARNET, eingeleitet. Er setzte den Rahmen für die Diskussion über erste Schritte, Chancen und Risiken beim Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie neue KI-Werkzeuge in den Arbeitsalltag von Institutionen integriert werden können, ohne dabei Datenschutz und die Kontinuität öffentlicher Dienstleistungen zu gefährden. An der Diskussion nahmen Davor Aničić, Mitbegründer von CroAI, Dr. Dražen Lučanin, Leiter des Büros für Digitalisierung, neue Technologien und technische Angelegenheiten der Stadt Zagreb, sowie Krešimir Mlinarić, CEO von Span Evolve, teil.
Im Mittelpunkt der ersten Diskussion stand der Unterschied zwischen der Einführung einzelner digitaler Werkzeuge und einer tatsächlichen Veränderung der Arbeitsweise der öffentlichen Verwaltung. Besonderes Augenmerk lag auf der kommunalen Ebene, auf der Bürgerinnen und Bürger unmittelbar erleben, wie schnell, einfach und zugänglich öffentliche Dienstleistungen sind.
Der zweite Teil der Konferenz richtete den Blick stärker auf institutionelle Kapazitäten und europäische Erfahrungen. Andree Pruin, vom Deutschen Landkreistag stellte Erfahrungen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern vor und thematisierte die Frage, wie Kroatien die Einführung von KI in der öffentlichen Verwaltung beschleunigen kann. Im Mittelpunkt standen institutionelle Kapazitäten, die Vernetzung von Systemen, digitale Souveränität sowie die Verbindung nationaler Maßnahmen mit europäischen Reformen.
An der zweiten Podiumsdiskussion nahmen Andree Pruin, Basanta E. P. Thapa-Marienfeldt, CEO des Kompetenznetzwerks Digitale Verwaltung (NEGZ), Zoran Cetinjanin von der Stadt Karlovac und dem Verband der Städte in Kroatien sowie Dragan Sokolović, CEO von SmartAqua, teil.
Die Teilnehmer verglichen Erfahrungen verschiedener Verwaltungsebenen und des Technologiesektors. Dabei wurde deutlich, dass Fortschritte beim Einsatz von KI nicht allein von der Verfügbarkeit geeigneter Technologien abhängen, sondern auch von der Zusammenarbeit zwischen Institutionen, der Interoperabilität von Systemen, der Qualität der Daten und der Unterstützung durch die Führungsebene.
Fazit der Konferenz wurde hervorgehoben, dass die Diskussion inzwischen weniger darum geht, ob KI in der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden soll, sondern vielmehr darum, wo sie einen konkreten Nutzen bringt, wie Risiken gesteuert werden können und wie ein messbarer Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger entsteht. KI kann Verwaltungsverfahren beschleunigen und Mitarbeitende entlasten. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung sind jedoch hochwertige Daten, entsprechendes Fachwissen, Verantwortung, interoperable Systeme und klar definierte Ziele.
Die Konferenz unterstrich außerdem die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen, Städten und Gemeinden, dem Technologie- und Wissenschaftssektor sowie europäischen Partnern. Für eine nachhaltige digitale Transformation reicht die Einführung neuer Technologien allein nicht aus. Gleichzeitig müssen Prozesse, Organisationskultur und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen weiterentwickelt werden.