Veranstaltungsberichte

Ausstellung „In der Wahrheit leben“ im Gymnasium Lüneburger Heide

Schüler und Lehrer des Gymnasiums Lüneburger Heide versammelten sich am Freitag zur Eröffnung der Ausstellung „In der Wahrheit leben. Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition im 20. Jahrhundert“ der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung (Konzeption und Realisierung: Kreisau Initiative Berlin e.V., Zentrum KARTA Warschau). Die Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt die Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung 20. Juli 1944 in der Schule in Melbeck vom 13. Februar bis zum 9. März 2009.

Links zur Veranstaltung:

„In der Wahrheit leben“ stellt mutige Menschen vor, die trotz des Terrors der Diktatur für Freiheit und Würde eintraten. Sie fragten nicht nach dem eigenen Wohlergehen, der eigenen Karriere, sondern setzten sich für Werte ein, die uns heute oft allzu selbstverständlich erscheinen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen solche Menschen, ihre Überzeugungen und ihr Schicksal werden mit zahlreichen Illustrationen und Zitaten eindringlich beschrieben.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung 20. Juli 1944, Dr. Axel Smend, eröffnete am 13. Februar die Ausstellung mit einer Darstellung der Kontroversen um die Bewertung des Attentats vom 20. Juli 1944 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Alles begann mit Hitlers Rundfunkansprache in der Nacht des 20. Juli 1944. An dem Umsturzversuch seien wenige Offiziere beteiligt gewesen, eine „ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer dummer“ Männer, log der Diktator. Und die Masse der Menschen vor den „Volksempfängern“ glaubte ihm, nicht zuletzt eine Folge der intensiven Propaganda in den Wochen nach dem Attentat. Der tatsächliche Umfang der Verschwörung blieb deshalb noch lange Jahre unbekannt. In den ersten Jahren nach dem Krieg interessierten sich die Deutschen zudem wenig für die jüngste Vergangenheit, die Menschen arbeiteten an dem Wiederaufbau des Landes. Gleichzeitig habe eine „Art Gnadenfieber“ um sich gegriffen, beschrieb Dr. Smend. Die Erinnerung an den Widerstand war in diesem gesellschaftlichen Klima nicht willkommen, weil sich zweifellos viele Deutsche nicht mit der Frage konfrontieren wollten, was sie selbst eigentlich gegen das Regime getan hatten.

Dieses Klima änderte sich 1953 mit einer Klage gegen den ehemaligen Generalmajor Ernst Otto Remer. Dieser hatte die Männer des 20. Juli 1944 als Landesverräter bezeichnet, und in einem bedeutenden Prozess wurde klargestellt, dass die Widerständler zum Wohl des Landes gehandelt hatten. Dabei habe es sich um einen wichtigen Schritt und den Beginn eines Wandels in der Bewertung des 20. Juli 1944 durch die Deutschen gehandelt, erklärte Dr. Smend. Die Aufstandsbewegung des 17. Juni 1953 in der DDR und deren positive Bewertung in Westdeutschland rückte schließlich auch den 20. Juli 1944 in ein „milderes“ Licht. Ein Ehrenmal im Hof des Bendlerblockes wurde kurze Zeit später durch Ernst Reuter enthüllt. Ende der sechziger Jahre wandelte sich das Klima dann spürbar, und es wurden Kasernen nach Offizieren benannt, die als „Verschwörer“ des 20. Juli 1944 ermordet worden waren. Dr. Smend gab einen Überblick zu den verschiedenen Widerstandsgruppen im Dritten Reich und empfahl den Schülern die Briefe Dietrich Bonhoeffers und Alfred Delps zur Lektüre. Denn wer Zivilcourage zeigen soll, braucht Vorbilder. Als eindrucksvolles Zeugnis zitierte er den Organisator des Umsturzes an der Ostfront bei der Heeresgruppe Mitte, Henning von Tresckow: „Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“

Wir dürfen die Lehren des Widerstandes gegen die Diktaturen im 20. Jahrhundert nicht vergessen. Dabei sollten wir es uns nicht leicht machen und müssen auch die Frage stellen, wie wir uns selbst verhalten hätten. Und noch etwas dürfen wir nicht vergessen: Auch heute leben viele Menschen

unter Diktaturen und autoritären Systemen, wo die Menschenrechte keine Bedeutung besitzen.