Am 10. September 2026 fand die fünfte Ausgabe des Sicherheitsdialogs im Leineschloss statt. Thema des Abends war: „Ein stärkeres Europa in einer stärkeren NATO: Sind NATO und EU nach dem Gipfel von Ankara auf dem richtigen Weg, ‚europäischer zu werden, um transatlantisch zu bleiben‘?“
Mit Frau Dr. Jana Puglierin und dem finnischen Botschafter in Deutschland, S.E. Herrn Kai Sauer, waren zwei hochkarätige Gäste geladen, durch deren Expertise und Erfahrung das Publikum zahlreiche Erkenntnisse gewinnen konnten.
Als Co-Organisator der Veranstaltung moderierte Brigadegeneral a.D. Rainer Meyer zum Felde den Abend und teilte seine eigenen Einschätzungen mit den Teilnehmern.
Zu Beginn des Abends erfolgte eine Begrüßung durch den Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung für Niedersachsen, Herrn Christoph Bors.
Rainer Meyer zum Felde begrüßte ebenfalls das Publikum und sprach von Deutschlands Rolle im NATO-Bündnis seit der „doppelten Zeitenwende“, die sich durch Putins Russland und Trumps USA angebahnt hat.
Danach gab er dem Publikum einen Überblick über die Entwicklung der strategischen Lage Deutschlands, die sich erkennbar in drei unterschiedliche Zeiträume (1955-1989, 1990-2013 sowie 2014-2026) unterteilen lässt.
Besonders die Grundannahmen, die von 1990 bis 2013 herrschten, wie etwa dass Putins Russland Partner, Xi Jinpings China kein Systemrivale und die Unterstützung Europas durch die USA unkonditioniert seien, haben sich als falsch erwiesen, so der Brigadegeneral.
Daraus ließen sich sechs Probleme ableiten, darunter Putins erklärter Revisionismus, Chinas Ausgreifen im Indopazifik sowie der Iran und seine Proxys.
Als Nächstes stellte die Senior Policy Fellow und Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations (ECFR), Dr. Jana Puglierin, die Erkenntnisse und Einschätzungen aus ihrer Arbeit vor.
Laut Frau Dr. Puglierin ist die europäische Sicherheitslage so prekär wie nie zuvor. Trotz Zugeständnisse der Ukraine sei ein Ende des russischen Angriffskrieges nicht in Aussicht. Und dennoch sollte laut ihr im Verhältnis Europas und der NATO zu Russland alles darauf gesetzt werden, nicht weiter zu eskalieren, aber abzuschrecken.
Sie sprach weiter über das amerikanische Verhältnis zur NATO und schlug ein europäisches Modell der Verteidigung vor, welches nicht das amerikanische kopieren oder ganz ohne es arbeiten sollte, sondern durch flexible Koalitionen innerhalb der europäischen Ländern für eine schnelle Handlungsfähigkeit sorgen könne.
Der finnische Botschafter in Deutschland, Kai Sauer, stellte den Teilnehmern die Perspektive seines Landes auf die Frage vor und nahm dabei ebenfalls Bezug auf Finnlands umfassende Verteidigungsstrategie sowie die Rolle der deutsch-finnischen Beziehungen für die europäische Sicherheitsarchitektur.
Finnlands Beitritt zur NATO im Jahr 2023 habe das Bündnis in vielerlei Hinsicht gestärkt. Neben einer konsequenten Erhöhung der Verteidigungsausgaben bereitet Finnland auch seine Zivilbevölkerung auf die von Russland ausgehende Bedrohung vor. So hat das Land etwa die Wehrpflicht nie abgeschafft und auch generell gebe es einen großen Verteidigungswillen innerhalb der finnischen Bevölkerung. Hinzu kamen große Investitionen, wie der Bau von unterirdischen Mehrzweckhallen, die zu Friedenszeiten etwa als Park- und Sportplätze funktionieren, bei einem Angriff aber zu Schutzräumen werden. Platz gibt es für rund 4,8 Millionen Menschen, bei einer Bevölkerungszahl von nur 5,6 Millionen.
Letztlich sprach der Botschafter noch über die Rolle der Ostsee als NATO-Binnenmeer und die Zusammenarbeit von Deutschland und Finnland im Rüstungsbereich.
Der Abend wurde von einer Fragerunde mit den Teilnehmern sowie einem Schlusswort der Gastgeber abgeschlossen.