Das Nazaha Projekt, eine gemeinsame Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung Ramallah und ihres Partners AMAN (Coalition for Accountability and Integrity) setzt sich für die Stärkung der palästinensischen Zivilgesellschaft sowie für die Förderung von Transparenz und Korruptionsbekämpfung im palästinensischen NGO-Sektor ein. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission finanziell gefördert.
Dem ersten Teil der Umfrage zufolge zeigten sich 41,2% der Palästinenser davon überzeugt, dass Korruption im palästinensischen NGO-Sektor zu einem mittleren bis hohen Grad vorhanden sei. Dabei halten die meisten von ihnen Vetternwirtschaft für die verbreitetste Form von Korruption (56,9%).
Der zweite Teil der Meinungsumfrage fand ausschließlich unter NGO-Mitarbeitern statt und beinhaltete Fragen u.a. zum Ausmaß der vermuteten Korruption, zur Transparenz der NGOs und zu den internen finanziellen Prüfungsverfahren.
Wie die Umfrageergebnisse zeigen, ist sich die überwältigende Mehrheit der befragten Mitarbeiter (84%) durchaus über das Vorhandensein von Korruption im NGO-Sektor bewusst. Die am häufigsten beobachteten Fälle von Korruption sind demnach die Vergabe von Dienstleistungsaufträgen mittels Bestechung oder Beziehungen (82%), gefolgt von Nepotismus bei der Einstellung von Angestellten (76%) sowie der eigennützigen Verwendung von NGO-Eigentum und -Ressourcen (74%).
Die Studie beinhaltete auch die Frage nach dem "Code of Conduct on Transparency and Accountability". Es handelt sich dabei um einen Verhaltenskodex für palästinensische NGOs, der im Rahmen des Nazaha Projekts ausgearbeitet wurde. Durch die Unterzeichnung dieses Kodexes verpflichten sich die NGOs auf die Einhaltung strikter Standards in Bezug auf die Gewährleistung und Einhaltung von Integrität, Transparenz und Verantwortlichkeit. Die Umfrage ergab, dass der Verhaltenskodex 53% der befragten NGO-Mitarbeiter bekannt war, davon hatten ihn 35% tatsächlich gelesen, 19% lediglich von ihm gehört.
Von den 53% der NGO-Mitarbeiter, denen der Code of Conduct ein Begriff war, gaben 74% an, dass sie den Verhaltenskodex unterzeichnet hätten, oder zumindest dazu bereit seien, dies in Zukunft zu tun. Diese Ergebnisse belegen eindeutig den Erfolg des Code of Conduct.
Auch der Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit den Resultaten einer Umfrage des Nazaha Projekts zum selben Thema aus dem Jahre 2007 lässt auf einen nachhaltigen Erfolg der Bemühungen des Nazaha Projekts schließen. So zeigt die Gegenüberstellung beider Studien einen signifikanten Wandel in der Selbstwahrnehmnung der NGOs und ihres Bewusstseins gegenüber dem Problem der Korruption im NGO-Sektor.
Während noch im Februar 2007 34,8% der befragten NGO-Mitarbeiter angaben, es gäbe überhaupt keine Korruption im palästinensischen NGO-Sektor, so waren es im Februar 2008 nur noch 11,3% welche diese Meinung vertraten. Das zeigt ein deutlich höheres Bewusstsein für die Problematik. Andererseits ist die Anzahl der NGO-Mitarbeiter, welche persönlich Zeuge von Korruptionsfällen wurden während des letzten Jahres leicht gefallen (2007 waren es noch 30%, 2008 nur noch 27,4%). Dies deutet auf eine gesteigerte Sensibilität gegenüber Korruptionsfällen im NGO-Sektor hin und kann als Erfolg des Nazaha Projekts gewertet werden.
In der aktuellen Umfrage versicherte demnach auch eine höhere Anzahl von NGO-Mitarbeitern, dass ihre NGOs einen Beitrag im Kampf gegen Korruption leisten (24,6 in 2007 und 36,8% in 2008) oder die Institutionen der palästinensischen Gesellschaft im Hinblick auf Korruptionsfälle überwachen würden, womit sie ihre Rolle als Kontrollinstanz im Laufe des letzten Jahres ausgebaut hätten (1,5% in 2007 und 7,0% in 2008).
Die Ergebnisse der Studie wurden am 31. März 2008 im Rahmen eines abschließenden Nazaha-Workshops Vertretern der Zivilgesellschaft und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Thomas Birringer, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung Ramallah, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung von Transparenz und Integrität für den palästinensischen NGO-Sektor und hob die Erfolge des Nazaha Projekts auf diesem Gebiet hervor. „Die Ergebnisse der Studie belegen den Erfolg des vom Nazaha Projekts entwickelten Verhaltenskodex für NGOs“, eines der Kernstücke des Projekts. Auch die Gründung der Koalition „NGOs against Corruption“, sowie die Ausarbeitung eines NGO-Zertifizierungsprozesses sei ein wichtiger Schritt hin zu einer Gesellschaft frei von Korruption.
Dr. Azmi Shuaibi, AMANs Generalbeauftragter zur Korruptionsbekämpfung, dankte der Konrad-Adenauer-Stiftung und allen teilnehmenden NGOs für ihre Unterstützung bei der Implementierung des Projekts und betonte, dass AMAN auch in Zukunft die Koordinierung der Aktivitäten von „NGOs against Corruption“ und die Verleihung des NGO-Zertifikats übernehmen werde.