Veranstaltungsberichte

„Die Christdemokratie hat alles, was gute Politik braucht: Geschichte, Werte und Beispiele“

Reflexionen: Akademische Tagung

Vom 7. bis 11. September trafen sich 29 junge Politiker aus 16 Ländern Lateinamerikas in Mexiko, um über den politischen Wettbewerb und den Humanismus im 21. Jahrhundert zu reflektieren und zu diskutieren. In diesem Artikel veröffentlichen wir einige der Reflexionen der Tagung.

Seminar zum Thema Wahlkampf

Die erste Tagung beschäftigte sich mit dem Thema Wahlkampf. Zu diesem Zweck hielten unter anderem die Leiterin des Auslandsbüros Buenos Aires der KAS, Kristin Wesenmann, der Präsident der ODCA, Jorge Ocejo und Eloísa Talavera von der Stiftung Rafael Preciado Hernández verschiedene Vorträge. Hervorgehobene Aspekte waren hierbei die oft fehlende Besetzung der Parteiämter mit jungen Politikern sowie die große Rolle, die die Jugend bei den Protesten und Widerständen gegen den Abbau der Demokratie in Venezuela, Bolivien und Nicaragua spielt.

Wahlkampfstrategien und -formen (Arturo García Portillo, Mexiko)

Der erste Referent war Arturo García Portillo, Berater bei der OCPLA, welcher eine Präsentation über die wichtigsten Punkte gab, die eine Wahlkampfkampagne zu erfüllen habe.

• Die Wichtigkeit von Werten und Moral der humanistischen und christlichen Ethik, welche an die Wähler herangetragen werden sollten.

• Wie gewinne man einen Wahlkampf? Indem man auf die Nöte und Bedürfnisse der Bürger eingehe und versuche, innerhalb eines ethischen Rahmens Lösungen für diese zu finden.

• Die Wichtigkeit der politischen Botschaft und die Fähigkeit, Wähler für sich zu gewinnen.

• Die wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Wahlkampf: Botschaft, Wahlkampfteam, Ressourcen, Planung, Organisation, Bündnisse, Kommunikation.

Von herausragender Bedeutung sei auch die zeitliche Strukturierung einer Kampagne. Laut García Portillo sollte sich das erste Drittel der Kampagne auf das Vorstellen und das Positionieren des Kandidaten beschränken. Im zweiten dritten Viertel solle herausgehoben werden, was den Kandidaten von seinen Konkurrenten unterscheidet und erst zum Schluss der Wahlkampfkampagne solle man versuchen, die Bürger von der Wahl des Kandidaten zu überzeugen.

Am Ende seiner Präsentation stellte derExperte heraus, dass die Bedeutung von finanziellen Mitteln im Wahlkampf oft relativ sei. Ein gutes Beispiel dafür sei der Einzug eines Jugend-Bündnisses ins mexikanische Parlament, welches es ohne viele Mittel geschafft habe, die etablierten Parteien herauszufordern.

Der Wahlkampf in Argentinien (von Claudio Romero, Argentinien)

Zu diesem Thema wurde die große Bedeutung herausgestellt, welche der Peronismus in der Geschichte der Politik Argentiniens habe. Dieser sei nach einer Diktatur Mitte der vierziger Jahre entstanden und setze sich seit jeher sowohl aus links- als auch aus rechtspolitischen Strömungen zusammen. Die Entstehung des Peronismus stelle in der Geschichte Argentiniens einen Bruch in der politischen Gesellschaft dar und er werde heute von vielen Argentiniern als die einzig regierungsfähige politische Strömung wahrgenommen.

Anschließend widmete sich Romero der aktuellen Wahlkampfproblematik in Argentinien und speziell der Entstehung des Oppositionsbündnisses PRO, welches zunächst lediglich in der Hauptstadt Buenos Aires arbeitete und erst im Jahr 2015 auf nationaler Ebene an Bedeutung gewann. Aktuell führe die Bewegung PRO die Opposition an, welche sowohl aus der Allianz Cambiemos als auch aus der UCR bestünde und welchem sich nun auch die Präsidentschaftskandidatin Elisa Carrió anschloss.

Des Weiteren analysierte er PRO als Fallstudie für die politischen Prozesse Argentiniens und stellte die wichtigsten Dinge heraus, die die Parte in der achtjährigen Regierungszeit in Buenos Aires erreicht hat: darunter der elektronische Wahlzettel für mehr Transparenz und zur Prävention von Fälschungen und Wahlbetrug, das Zurückgewinnen von öffentlichen Plätzen und Gebäuden, der Metrobus sowie die Einführung von Kindertagesstätten

Effektive politische Kommunikation im 21. Jahrhundert (César Navarrete, Mexiko)

„Der wichtigste Aspekt in einer Wahlkampfkampagne sind die persönlichen Gespräche mit den Bürgern. In ihnen entsteht und verändert sich die öffentliche Meinung.“

César Navarrete stellte in diesem Zusammenhang die wichtigsten Punkte einer modernen und effektiven Kommunikation der Politik mit den Bürgern dar. Das herausragende Element sei hierbei die „Message“, die eine Partei den Bürgern näherbringen möchte. Diese solle hauptsächlich den Grund herausstellen, „weswegen der Wähler uns wählen solle“.

An erster Stelle sei es wichtig, die jeweiligen Orte und regionalen Bedürfnisse der Bürger genauestens zu kennen. Zu diesem Zweck seien professionelle Wahlkampfforschung wie zum Beispiel durch focus groups oder Wahl- und Meinungsumfragen fundamental. Zudem sei es wichtig, die Sprache der Bürger und der kleinen Leute zu verwenden, um diesen seine Inhalte besser näherbringen zu können. Beim Wahlkampfgespräch mit den Bürgern seien folgende vier Punkte dabei von besonderer Bedeutung:

• Die Relevanz des politischen Images des jeweiligen Kandidaten sei nach wie vor sehr groß. Während man nicht versuchen sollte, den Kandidaten an sich zu verändern, sollte man versuchen, sein öffentliches Auftreten durch Gesten und Rhetorik zu optimieren.

• Wahlkampfrede: Wie bereits geschrieben, ist die “Message” hierbei das wichtigste. Zu empfehlen sei es zudem, die zentralen Themenpunkte des Wahlkampfes so oft wie möglich zu wiederholen. Es sei sehr wichtig, was gesagt würde, aber noch viel wichtiger, wie das Gesagte im Gedächtnis der Wähler bleibe.

• Aktionen: sollte man im Einklang mit den zuvor genannten Punkten organisieren und damit die die Werte und Ziele der Kampagne unterstreichen. Des Weiteren sollten die Aktionen die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand der Kampagne bringen und für Gesprächsstoff bei den Medien sorgen. Frei nach dem Motto „any news is good news“ solle man versuchen, stets öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren, um dadurch die positiven Punkte des jeweiligen Programms besser vermitteln zu können.

• Grundsätzlich gehe es also darum, die zentrale politische „Message” zu etablieren, allerdings sei in diesem Zusammenhang „weniger oftmals mehr“. Deswegen sollte man sich etwa bei Wahlwerbung auf kurze, einfache, aber bildstarke Botschaften konzentrieren. Diese sollten ein „story telling“ enthalten, also interessante Geschichten und Anekdoten, die gut bei den Wählern ankämen. Insgesamt sei hierbei viel Kreativität gefragt, allerdings ohne dabei die wichtigsten inhaltlichen Punkte aus den Augen zu verlieren. Schließlich sei die neueste Idee nicht notwendigerweise auch die beste.

Zum Schluss unterstrich Navarrete noch die große Bedeutung der sozialen Netzwerke im heutigen Wahlkampf. Neben den oben genannten Punkten müssten diese vor allem die Nutzer unterhalten. Daneben bieten die sozialen Netzwerke auch gute Möglichkeiten, sich digital zu organisieren und so den Wahlkampf voranzubringen.

Die ODCA und ihr Beitrag zum Humanismus in Lateinamerika (Jorge Ocejo – Vorsitzender der ODCA in Mexiko)

Die Demokratisch-Christliche Organisation Amerikas (ODCA) und ihre Beiträge zum Bestärken des Humanismus’ in Lateinamerika (Ing. Jorge Ocejo – Präsident der ODCA, Mexiko).

Am Ende der Konferenz klärte der Ing. Jorge Ocejo darüber auf, wie wichtig es sei, Wahlkampagnen und politische Nachrichten an die humanistischen Prinzipien anzupassen. Er erwähnte einige wichtige Ziele, die man als Humanist nicht vergessen darf:

- Die Gesellschaft so zu beschaffen, dass sich ihre Mitglieder vollständig entfalten können.

- Die Umwelt zu schützen.

- Das Allgemeinwohl zu priorisieren.

- Die Freiheit als grundlegenden Wert und die Demokratie als alternativlos anzuerkennen.

- Eine gerechtere Verteilung der Rohstoffe zu gewährleisten.

In einer kurzen Zusammenfassung der Geschichte der ODCA berichtete er von der Gründung derselben in Montevideo in den 1940er Jahren bis heute, erzählte von schwierigen Zeiten wie dem Kalten Krieg und den Diktaturen in Lateinamerika. Außerdem hob er hervor, wie viel einige christlich-demokratischen Staatsoberhäupter für ihr Land bedeuteten. Dabei führte er unter anderem Frei Montalva in Chile und Rafael Calderas in Venezuela auf. Abschließend sprach er eine ermunternde Nachricht bezüglich der bedeutenden Rolle des christlichen Humanismus’ aus, die man ihm auf dem Kontinent zuschreiben sollte.

„In der Christlichen Demokratie gibt es Geschichte, Beispiele und Werte. Auf Basis unserer Geschichte bauen wir in der Gegenwart unsere Zukunft auf.”

An dieser Stelle präsentierte man den Leitfaden mit dessen Hilfe man die akademischen Herausforderungen des #DiploMexico meistern kann. Diese Einheit verantworteten Agustina Carriquiry von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Montevideo und Carlos Castillo von der Rafael Preciado Hernández Stiftung. Ferner stellten sie einen Vorschlag für die Abschlussarbeit vor, sie teilten die Gruppen ein und erklärten die Formalitäten.

Daraufhin fasste Carlos Castillo die Ereignisse des Treffens zusammen und stellte dabei die wichtigsten Punkte, die die Vorredner angesprochen hatten, heraus. Dabei stachen die Aufforderung, Risiko und kostspielige Entscheidungen auf sich zunehmen als grundlegende Idee hervor. Sofern man eine mittel- und langfristige Vision habe, könnten Niederlagen schlussendlich auch Siege sein. Ebenso rief Castillo die humanistischen Parteien dazu auf, ihre internen demokratischen Strukturen zu festigen.

Die erste Konferenz des #DiploMexico war sehr wertvoll, da sie Werkzeuge für die moderne politische Kompetenz aufzeigte. Drei Elemente, die immer wieder aufkamen, sollen an dieser Stelle ausdrücklich genannt werden:

1. Die Botschaft. Dieses Element erwähnten nahezu alle Professoren. „Das Herz einer Kampagne ist die Botschaft“, daher muss klar sein, welche Idee man vermitteln möchte.

2. Die humanistischen Parteien in Lateinamerika müssen sich der Arbeitsweise der Improvisation entledigen und professionell in ihren Wahlkampagnen arbeiten. Besonders die Planung ist dabei (Entwurf, Positionen, Vorschläge vermitteln und Einladung zu wählen) wichtig. Hierbei muss man die Reihenfolge und die zeitliche Einteilung der Etappen berücksichtigen.

3. Vor allem sollen beim Schaffen von Vorschlägen dieselben auf wissenschaftlichen, fokussierten Studien hinsichtlich dessen, was die Menschen benötigen, basieren. Dieser Seminartag stärkte die Überzeugung, dass die politischen christlich-humanistischen Projekte so arbeiten sollten, dass sie begeistert und das Pflichtgefühl für das Wohl der Menschen verstärkten.

Reflexionen verfasst von Cecilia Morales (Uruguay)