Veranstaltungsberichte

"Venezuela somos todos" :: „Wir sind alle Venezuela“

von Manfredo Steffen
Die beiden Abgeordneten des Parlasur, Marialbert Barrios von Primero Justicia aus Venezulea, und Claudio Romero von PRO aus Argentinien, widmeten sich auf dem Kolloquium „Mercosur und Venezuela“ der dramatischen Situation der bolivarianischen Republik. Die Veranstaltung fand am 29. Mai 2017 im Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Montevideo statt.

„Ich schenke dir ein Stück von der Berliner Mauer - sie ist am Ende gefallen. Nimm es als Symbol. Wenn wir es schaffen konnten, dann könnt auch ihr die Diktatur besiegen.“ Diese Begegnung mit einem wichtigen deutschen Wegbegleiter in ihrem Land teilte die Venezolanerin Marialbert Barrios zu Beginn ihrer sehr eindrücklichen Darstellung über die Zustände in ihrer Heimat.

Ihren Worten war sowohl Dramatik als auch Hoffnung zu entnehmen: „Die so genannten Bürgerbeauftragen arbeiten für den Staat. Sie schweigen über die 58 Menschen, die während der Proteste auf der Straße umgekommen sind. Sowohl die medizinische Versorgung als auch die Sicherheitsverhältnisse sind alarmierend.“

Die Behörden seien im vergangenen Jahr angewiesen gewesen, ein Referendum und freie Wahlen zu verhindern und so die Macht des Präsidenten Nicolas Maduro auszubauen. Trotz allem demonstrieren die Venezolaner friedlich und fast jeden Tag zu Hundertausenden: „Die Regierung hat Angst, denn sie weiß, dass am Ende die souveräne Macht beim Volk liegt.“

„Auch wenn die Spitzen der Opposition verhaftet werden – der Kampf geht weiter.“ Zum Abschluss und unter Applaus richtete die junge Abgeordnete das Wort an die anwesenden Venezolaner, die sich in Uruguay stolz Veneguayos nennen: „Venezuela wird diese Situation überwinden und all diejenigen Venezueler, die im Ausland leben, werden zurück kommen – zurück in ihr Land.“

„Auch in Argentinien war man der Überzeugung, man könne den Populismus nicht überwinden. Doch wir haben es geschafft“, bekräftigte der Abgeordnete Claudio Romero seine Vorrednerin. Bezüglich des Mercosur führte der erfahrene Politiker aus, dass eine staatenübergreifende Institution mit den Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit im Einklang stehen müsse. „Der Mercosur muss beweisen, dass er diese Bedingung erfüllt.“ Das Verhalten der Regierung Maduros kritisierte Romero scharf. "Da es in Argentinien dieses Ausmaß an Gewalt nicht gab, konnten wir durch Wahlen Veränderungen schaffen. Doch gibt es diese Voraussetzung nicht, muss ein Volk seine Rechte auf der Straße einfordern. Es sollte im Interesse der gesamten Region sein, eine Eskalation in Venezuela zu vermeiden."

Am Beispiel Argentiniens erklärte Romero wie wichtig es sei, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und das Vertrauen in die Politik wieder herzustellen.

„Mit der Zeit werden alle merken, dass wir die Wahrheit gesagt haben – wir sind alle Venezuela“, so der Abgeordnete am Ende seine Ausführungen.

Es folgte ein intensiver Austausch mit den rund 40 Teilnehmern, unter ihnen auch viele Venezolaner.  Mehrfach wurde die Rolle der Streitkräfte des Landes thematisiert, die als öffentliche Institution im Namen aller agieren sollten und nicht nur im Interesse weniger. „Freiheit und Gleichheit schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich“, bestärkte ein Teilnehmer. Die Herausforderung der heutigen Zeit ist es eine Politik zu gestalten, die einen Gegenstück zum Populismus bietet und nicht abhängig von der Ausstrahlung einzelner Personen ist. Die politischen Parteien müssen hier eine wichtige Rolle spielen.

„Parteien, die in schwierigen Situation entstanden sind, haben erfahrungsgemäß sehr gute Voraussetzungen, um diese Herausforderung anzunehmen“, bekräftigte die Leiterin des Auslandsbüros der KAS in Montevideo, Dr. Kristin Wesemann.