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Uruguay gefährdet Anschlussfähigkeit im internationalen Handel

In der seit 2011 stagnierenden weltweiten Handelsbilanz befindet sich Uruguay aufgrund interner Handelsbarrieren und fehlender Beteiligung an internationalen Handelsabkommen in einer kritischen Lage. Dieses Fazit zog Guillermo Valles, Experte für internationalen Handel, am Dienstagmorgen in den Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Montevideo.

In Kooperation mit dem uruguayischen Rat für internationale Beziehungen (CURI) nutzte die Stiftung den Aufenthalt des uruguayischen Botschafters und Direktors des Bereichs „Internationaler Handel von Gütern, Dienstleistungen und Rohstoffen“ der ständigen Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung in seiner Heimat für einen Ausblick auf die globalen Tendenzen des Handels und der Handelspolitik.

Der internationale Handel gehöre zu den wichtigsten Motoren wirtschaftlichen Wachstums, so Valles. Dieser Wirtschaftszweig habe nicht nur den Industrieländern in den vergangenen Dekaden „fette Jahre“ verschafft, sondern gerade auch Schwellenländer und Entwicklungsländer konnten durch den Handel ordentlich zulegen. Im Vergleich Chile – Uruguay sei ersteres zwar wesentlich rasanter durch seine Exportaktivitäten gewachsen. Uruguay weise dagegen zwar ein vielfach geringeres, aber über die letzten 15 Jahre kontinuierlich hohes Handelswachstum über dem weltweiten Durchschnitt auf. Der bisher starke Güterverkehr werde im internationalen Handel aber zunehmend vom Handel mit Dienstleistungen überflügelt. Diesen Wachstumssektor müssten alle Länder im Auge behalten.

Besonders für die südamerikanischen Staaten zähle der Handel südlich des Äquators. Die Länder dieser weltweiten „Süd-Region“ hätten ihre Handelsbeteiligungen in wenigen Jahren um beeindruckende 45 Prozent steigern können. Zähle man den Handel „Süd-Nord“ und „Nord-Süd“ hinzu, seien die Staaten der südlichen Hemisphäre an zwei Dritteln aller Handelsaktivitäten auf dieser Erde beteiligt. Einerseits exportierten sie 50 Prozent des weltweiten Güterwertes, andererseits 30 Prozent des weltweiten Dienstleistungswertes. Diese dramatischen Steigerungen konnten durch Kostensteigerungen in zwei Bereichen erzielt werden: politisch induzierte Kosten wie Zölle oder Handelsbarrieren sowie natürliche Kosten in den Bereichen Transport und Kommunikation.

Diese rasanten Veränderungen müssten den politisch Verantwortlichen verdeutlicht werden, so Valles. Der gegenwärtige Handel kenne keine geographischen Grenzen oder kulturellen Animositäten. Er verlagere sich eindeutig in Richtung Asien, wo Länder wie China oder Indien nur einen Bruchteil an Jahren gebraucht hätten, um Entwicklungen der europäischen Industriestaaten aufzuholen.

Zu den maßgeblichen politischen Leitplanken für den Handel der kommenden Jahre zählt Valles vier große Konferenzen aus dem Jahr 2015: die Konferenz zur Finanzierung von Entwicklung im Juli in Äthiopien, den Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen mit den Global Goals der Agenda 2030, die Klimakonferenz in Paris sowie die Konferenz der internationalen Handelsorganisation in Nairobi. In den Abschlusspapieren dieser Treffen erscheine der Handel stets als roter Faden und Instrument der Implementierung der Beschlüsse.

Für Uruguay leitete der Handelsexperte Valles eine Reihe Konsequenzen ab. Aus diesen einschneidenden wirtschaftlichen und politischen Veränderungen werde klar, dass das Gebot der Stunde in Uruguay eine offene und transparente Diskussion über die Handelsentwicklungen sei. Einerseits stehe sich der regulierende Staat mit hohen Handelsbarrieren und Monopolen selbst im Weg. Der Staat könne ruhig einige Monopole besitzen so Valles, dann müssten sie aber auch kompetent und wettbewerbsfähig sein. Ansonsten drohe hier der Verlust der internationalen Anschlussfähigkeit. Dieser drohe auch im Bereich der Handelsabkommen, so Valles weiter. Uruguay befinde sich schon heute außerhalb vieler Gespräche und Kommunikationswege zu den entscheidenden Handelsübereinkünften, gerade da diese in vielen Ländern nicht mehr nur von einer staatlichen Stelle aus gelenkt würden, sondern in ihrer Komplexität im Gespräch mit vielen Spezialisten außerhalb des Staatswesens zustande käme. Je länger Uruguay zögere und abwarte sich hier zu beteiligen, desto weniger werde es für diese neue Art von Verhandlungen vorbereitet sein.

Als Fazit könne deshalb festgehalten werden, dass der Handel, die Handelspolitik und das interne System des Handels entscheidend sind für die weitere Entwicklung. Die neue Ausgangslage einer veränderten Welt mache auch vor Uruguay nicht Halt, das wählen müsse, ob es mitspielt oder nicht.

Als Gastgeberin des Kolloquiums wies Kristin Wesemann als Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Montevideo auf die veränderte Region hin, in der sich Uruguay befinde. Der stets „ehrliche Makler“ Uruguay müsse erkennen, welche Konsequenzen das Ablehnen oder Eingehen von internationalen Handelsabkommen für seine Zukunft habe.

David Brähler