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Nachhaltige Entwicklung als Menschheitsaufgabe

Wie wollen wir leben und anderen zu leben erlauben?

Nur gemeinsam wird sich die Zukunft nachhaltig gestalten lassen können: alle gesellschaftlichen Akteure müssen daran mitwirken, national wie international – Das war eine der wesentlichen Erkenntnisse einer Veranstaltung in der KAS-Akademie am 7. November 2023 zu Ehren von Prof. Dr. Klaus Töpfers 85. Geburtstag.

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Die Konrad-Adenauer-Stiftung, das Research Institute for Sustainability – Helmholtz Centre Potsdam (RIFS - ehemals IASS) und die Germanwatch-nahe Stiftung Zukunftsfähigkeit haben am 7. November 2023 gemeinsam in Berlin Prof. Dr. Klaus Töpfers Lebenswerk gewürdigt und damit viele inhaltliche Impulse zu nationalen und internationalen Fragen nachhaltiger Entwicklung gesetzt.

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist zwar in aller Munde – in politischen Debatten, in Wissenschaft und Forschung, bei der Wirtschaft und auch in Forderungen der Zivilgesellschaft – dies auf nationaler und auf internationaler Ebene. Doch die Zeit läuft uns davon. In einer Zeit der Krisen und Umbrüche verstärken sich auch die Folgen des Klimawandels und des Verlusts der Artenvielfalt ständig. Nunmehr im Zeitalter der Dominanz des Menschen, dem Anthropozän angekommen, müsse es – so war an diesem Abend immer wieder zu hören – ab sofort um sehr viel größere Anstrengungen für mehr nachhaltige Entwicklung gehen, nicht nur im eigenen Land.

Der Aktionsradius des ehemaligen Bundesministers und UN-Direktors Prof. Dr. Klaus Töpfer war und ist international weit gefasst und wurde in Berlin gewürdigt – moderiert von Petra Pinzler und mit Vorträgen sowie Gesprächsimpulsen begleitet von Prof. Dr. Norbert Lammert, Andreas Jung MdB, Tanja Gönner, Katrin Göring-Eckardt MdB, Dr. Kathrin Goldammer, Antje von Broock, Dr. Eckart von Hirschhausen, den beiden Vertretern der Kooperationspartner, Prof. Dr. Mark Lawrence (RIFS) und Klaus Milke (Stiftung Zukunftsfähigkeit).

Mit Steffi Lemke, Dr. Barbara Hendricks, Peter Altmaier und Jürgen Trittin gaben sich amtierende sowie einige Töpfer nachfolgende Bundesumweltminister und -ministerinnen die Ehre. Das hochkarätige Publikum aus verschiedenen demokratischen Parteien, der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erlebte in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung ein überaus lebendiges und an Töpfers Lebenswerk erinnerndes Programm. Dieses wurde vom Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundestagspräsident a.D. Prof. Dr. Norbert Lammert, mit einem Blick auf die Vita des Jubilars und seine prägende Rolle in der Union eröffnet.

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Nachhaltige Entwicklung als Menschheitsaufgabe

Videomitschnitt der Veranstaltung

In seiner Keynote verdeutlichte Andreas Jung MdB die Verdienste Töpfers für die beharrliche und zielstrebige Weiterentwicklung der Programmatik der Union: Der Markt könne nicht alles lösen und ohne Ordnungspolitik, mit einem adäquaten Instrumentenmix, ginge es auch nicht. Nachhaltige Entwicklung sei ein Querschnittsthema, bei dem die komplexe Wechselwirkung aus ökologischer, ökonomischer und vor allem auch sozialer Entwicklung in eine Balance zu bringen seien. Dabei gelte es, auf einen gesellschaftlichen Konsens hinzuwirken und auch mit einem internationalen Blick auf diese Komplexität zu schauen.

In der Gesprächsrunde unter der Überschrift „Die Transformation geht nur zusammen“ tauschten sich Tanja Gönner, Katrin Göring-Eckardt MdB, Dr. Kathrin Goldammer und Antje von Broock unter Bezugnahme auf die Vita und Eigenschaften Töpfers darüber aus, welche Haltung nötig sei, um die Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung zu schaffen: Es bedürfe der Fähigkeit, Menschen zu begeistern, um sie dann zu überzeugen; aber auch eines Bekenntnisses zum Wandel für Beständigkeit, zu einer offenen, anständigen und ausbalancierten Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie Beharrlichkeit, mitunter auch veränderter Herangehensweisen.

Eckart von Hirschhausen präsentierte einen mit Humor und Provokationen angereicherten Diskurs über die deutsche Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik, wie sie in der Bundesrepublik seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl und der Gründung des Bundesumweltministeriums 1986 durch die Handschrift von Klaus Töpfer maßgeblich geprägt worden ist. Hirschhausen schlug vor, das Wort "Über-Nächsten-Liebe" – im Sinne einer übergreifenden Nächsten-Liebe – als neuen Begriff für eine umfassende Weltverantwortung und christliche Politik zu übernehmen.

Prof. Dr. Klaus Töpfer ist eine besonders markante politische Persönlichkeit der christlich-demokratischen Kultur Deutschlands, aber auch herausragend in der Wissenschaft (mit Relevanz für die Politik) sowie im Zusammenwirken mit der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft.

In seiner Ansprache verdeutlichte Töpfer, dass es ihm letztlich um eine Verantwortungsübernahme von allen für die Zukunft gehe – und das auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebenen – also um eine Menschheitsaufgabe für die jetzigen und für die zukünftigen Generationen.

Was sowohl ihn als auch einen Großteil der Menschheit beschäftige, seien vielfältige elementare Herausforderungen, multiple Krisen, Kriege und Konflikte unserer Zeit. Sie werfen die Menschen in der ganzen Welt auf zentrale Fragen zurück: Worauf kann die Zukunft bei demnächst 9 Milliarden Menschen gebaut werden? Wie wollen die Menschen heute leben? Welchen Lebensstil braucht es, damit das Leben auf der Erde auch für künftige Generationen noch lebenswert bleibt? Und werden die Ansätze der Klima- und Umweltpolitik so gestaltet, dass sie auch demokratiefördernd und an den elementaren Menschenrechten ausgerichtet sind?

So kam auch der konsequente Angang von Fluchtursachen als Reaktion auf problematische Ansätze der Migrationspolitik als eines der drängendsten Themen dieser Tage zur Sprache. Dabei gelte es, Doppelstandards zu vermeiden und Wertschätzung für andere Kulturen zu zeigen.

Töpfer betonte im Sinne des kritischen Rationalismus die Notwendigkeit, die Wissenschaft einerseits als Grundlage des Handelns zu akzeptieren, andererseits im Bewusstsein, dass sie immer nur vorläufiges Wissen beinhalte. Denn wissenschaftlicher Fortschritt entstehe durch Falsifizierungen: „Wir irren uns nach oben“. Wichtig sei es, auf Technologien zu setzen, die globalisierungsfreundlich (von Hirschhausen nannte es zuvor „enkeltauglich“) fehlerfreundlich, demokratiefähig, reparaturfähig und kostengünstig sind. Gerade auch für die Innenpolitik gelte angesichts zunehmender Spaltungen in der Gesellschaft: Wir müssen wieder lernen, genauer hinzusehen und wirklich zuzuhören und zu erklären – also nicht nur unser vorher schon vorbereitetes Statement anderen entgegenzuhalten. Erst daraus resultiere die Glaubwürdigkeit von Antworten. Die Lösung der großen, aber auch der lokalen Probleme sei laut Töpfer ohne Vertrauen, Kooperation, neue Allianzen und Partnerschaften nicht möglich.

Langanhaltender Applaus und viele Gesten am Ende des langen Abends zeugten vom Dank und von der Wertschätzung für den Geehrten, der die Nachhaltigkeitspfade und Klimaschutzstrategien mit wachem Herzen und klarer Analyse bis heute begleitet. Die Gesprächsrunde und viele Gäste sprachen die so wertvollen Impulse Töpfers an – des ruhelos am offenen Diskurs interessierten und begnadeten Innovators und Denkers. Sie berichteten, wie er immer wieder Brücken baute, obwohl es viel einfacher sei Gräben zu schaufeln.

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Interview mit Prof. Dr. Klaus Töpfer am 7. November 2023

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