Veranstaltungsberichte

“Verantwortung ist ein anderes Wort fuer Freiheit”

Bundespraesident Gauck besucht Kolumbien

Am 10. Mai fand in der Universität los Andes eine Veranstaltung der drei in Kolumbien taetigen deutschen politischen Stiftungen KAS, FES und HSS in Kooperation mit der Deutschen Botschaft in Bogota statt. Bundespräsident Joachim Gauck sprach ueber Aussöhnung und Erinnerungskultur am Beispiel Deutschlands.

Die Konferenz begann mit dem Grußwort von Pablo Navas, Rektor der Universität los Andes, der die grundlegende Bedeutung der Wissenschaft bei der Entwicklung des aktuellen Friedensprozesses in Kolumbien in den Vordergrund rückte. Im gleichen Atemzug hob er hervor, wie wichtig die analytische Haltung der Forschungsgemeinschaft bezüglich der Erinnerung, Gerechtigkeit und der Aussöhnung in einer Gesellschaft ist, die so polarisiert ist wie die kolumbianische.

Im Anschluss folgte die Begruessung von Hans Mathieu, Leiter des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung – FESCOL – in Kolumbien, der im Namen aller anwesenden deutschen Stiftungen sprach. Herr Mathieu stellte zunaechst dar, welche Ziele die Stiftungen mit ihrer Arbeit in Kolumbien verfolgten, wie zum Beispiel die Stärkung der Demokratie und der Institutionen, Förderung des Rechtsstaats und des internationalen Austauschs, und die Unterstützung bei der Suche nach Versöhnung und einem dauerhaften Frieden. Ferner stellte er den Teilnehmern Joachim Gauck und dessen Arbeit in der Vergangenheit vor.

Am Anfang seiner Rede erklärte der Bundespräsident, dass er hoffe einige nützliche Beispiele von Aussöhnungspolitik ansprechen zu können, die eventuell hilfreich für den Friedensprozess in Kolumbien sein könnten. Es sei auf jeden Fall nicht seine Absicht, eine Bewertung darüber abzugeben, welche nächsten Schritte in Kolumbien verwirklicht werden müssten, damit der Friedensprozess erfolgreich verliefe. Dies herauszufinden sei Aufgabe der kolumbianischen Gemeinschaft. Des Weiteren sprach er über die Entwicklung einer Kultur der Erinnerung und der Aussöhnung. Um dies überhaupt Wirklichkeit werden zu lassen, sei es wichtig, die Täter zu benennen und die Opfer anzuerkennen sowie eine Wiedergutmachung für die erlittenen Schäden zu garantieren. Nur auf diesem Weg könnten alle Akteure des Konflikts in die Gesellschaft integriert werden.

Während des weiteren Verlaufs seines Vortrags sprach der Bundespraesident über die Versöhung innerhalb Deutschlands während der Nachkriegszeit, die Wiedervereinigung zwischen der BRD und DDR, und den Aussöhungsprozess in Südafrika, der für viele lateinamerikanischen Länder als Beispiel diente. Gleichermaßen betonte er die Bedeutsamkeit der Zivilgesellschaft im Wahrheitsfindungs- und Aussöhnungsprozess. Es sei fuer einen Rechtsstaat auch wichtig zwischen Tätern und Opfern zu vermitteln. Dafür sei es notwendig starke Institutionen und die entsprechenden juristischen Instanzen garantieren zu können, genauso wie es wichtig sei einen öffentlichen Raum des Dialogs zu schaffen.

Anschließend hatte der Bundespräsident die Möglichkeit in einer Fragerunde, die von der Direktorin der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität los Andes, Dr. Angelika Rettberg, moderiert wurde, auf einige Fragen des Publikums zu antworten. Bundespraesident Gauck unterstrich, wie wichtig es für die Schaffung eines historischen Gedächtnis sei, alle vorliegenden Informationen über die Geschehnisse während des Konflikts zu sammeln. Außerdem erwähnte er, wie wesentlich die Unterscheidung der unterschiedlichen Typen von Schuld ist, die im Kontext des Postkonflikts berücksichtigt werden sollte. Genauso müsse ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der Verantwortung der Täter und den Rechten der Opfer hergestellt werden, zwischen Entschädigung und Strafverfolgung. Damit koenne ein kollektives Gedächtnis geschaffen werden, das verhindert, dass zukünftige Generationen die Geschehnisse vergessen oder solche Ereignisse sich in Zukunft wiederholten.

Am Ende der Fragerunde betonte der Bundespraesident, dass ein gesellschaftlicher Mentalitätswandel erforderlich sei, der die Wahrung der Menschenrechte und eine Wiedereingliederung der Täter ermöglicht. Darüber hinaus forderte er die kolumbianische Gesellschaft dazu auf, ein Bündnis für die Förderung von Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu schließen.

An der Veranstaltung nahmen 600 Teilnehmer teil, die Reaktion in Print und Fernsehmedien war sehr gross.

Die Datenbank der Veranstaltung auf Spanisch finden Sie unter folgenden link.