Der ehemalige ivorische Präsident Laurent Gbagbo wurde nach Den Haag ausgeflogen. Dort muss er sich nun den Vorwürfen wegen schwerer Kriegsverbrechen stellen.
Laurent Gbagbo werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Vergewaltigung, andere sexuelle Gewalt, Verfolgung und unmenschliche Handlungen nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende November 2010 vorgeworfen. Die Handlungen sollen gezielt gegen Anhänger seines Konkurrenten Alassane Ouattera begangen worden sein. Die Auslieferung nach Den Haag erfolgte aufgrund eines vom Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) erlassenen Haftbefehls.
Anfang nächster Woche soll Laurent Gbagbo erstmals vor Gericht erscheinen. Dabei werden ihm zunächst seine Rechte genannt und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vorgetragen. Auch wenn die Elfenbeinküste das Rom-Statut noch nicht ratifiziert hat, so hat der westafrikanische Staat die Zuständigkeit des IStGH für diesen Fall bereits anerkannt.
Menschenrechtsorganisationen begrüßten die Festnahme und Inhaftierung Gbagbos, forderten den IStGH aber gleichzeitig auf, Ermittlungen gegen Anhänger von Alassane Ouattara einzuleiten. Sie werfen auch dem Lager von Oauttara schwere Vergehen während der Unruhen vor. Zudem könne nur eine faire und objektive Aufarbeitung des Konflikts dazu führen, dass der ivorischen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfährt und der Aussöhnungsprozess vorangetrieben wird, so die NGOs. Auch warnten sie davor, dass ein Vorgehen lediglich gegen den ehemaligen Präsidenten, scharfe Kritik gegen den IStGH wegen Voreingenommenheit und Parteilichkeit zur Folgen haben könnte.
Chefankläger Luis Moreno-Ocampo betonte, dass seiner Ansicht nach beide Seiten für die Verbrechen verantwortlich seien und, dass das Verfahren gegen Gbagbo nicht das Einzige vor dem IStGH bleiben werde. Die politische Zugehörigkeit spiele dabei keine Rolle. Weitere zwei bis sechs Personen seien - neben Gbagbo - für die monatelangen Gewalttätigkeiten nach den Wahlen 2010, die mindestens 3000 Menschen das Leben kosteten und mehr als eine Million aus ihrer Heimat vertrieben, zur Verantwortung zu ziehen.
Für Chefankläger Moreno-Ocampo ist die Überstellung Laurent Gbagbos an den IStGH ein großer Erfolg, so konnten mehrere Haftbefehle des IStGH gegen andere Machthaber in der Vergangenheit nicht vollstreckt werden.