Am Dienstag, den 23. August 2011, nicht einmal sieben Wochen vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, stimmten die Liberianer, trotz Protest der Opposition, in einer Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung ab.
In der Volksabstimmung stimmten über 1,8 Millionen Bürger. Zu den wichtigsten Verfassungsänderungen zählt die Verschiebung der im November bevorstehenden zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen. Die erste Runde der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ist derzeit für den 11. Oktober 2011 geplant. Außerdem soll der Grenzwert der Mehrheit für einen Sieg in der ersten Runde festgelegt werden. Zur Abstimmung steht noch, die Dauer des Präsidentenamtes von zehn Jahren auf weniger als fünf Jahre zu senken und das Ruhestandsalter für die Richter des Supreme Courts von den bisherigen 70 auf 75 Jahre zu erhöhen.
Einige Oppositionsparteien haben zum Boykott der Volksabstimmungen oder einer Contra Abstimmung aufgerufen. Sie argumentieren, es sei unangemessen, während des Wahlkampfes, der im Juni begonnen hat und am 9. Oktober 2011 endet, ein Referendum abzuhalten. Außerdem sind sie der Meinung, der Ausgang des Referendums würde einige Kandidaten aus dem Wahlkampf ausschließen. Es haben bereits 16 Kandidaten ihr Interesse am Amt des Präsidenten erklärt.
Zu den wichitgsten strittigen Klauseln der Verfassungsänderung zählen diejenigen, die im Zusammenhang mit der Residenzpflicht stehen. Anti-Referendum-Aktivisten befürchten, dass die Verringerung auf fünf Jahre die Erhöhung der Zahl der Wahlkandidaten zur Folge hätte, was jedoch der Wiederwahl der amtierendem Präsidentin Ellen Johnson in die Hände spielen würde.
Alfred Balarfree, Professor für Politikwissenschaften der Universität von Liberia ist der Meinung, dass es selbst wenn die Amtszeit von zehn Jahren bleibt, es die Kandidaten nicht daran hindern wird, sich zur Wahl zu stellen, da das Gesetz mehrdeutig sei und nichts darüber aussage, ob die zehn Jahre der Amtszeit kumulativ oder ob sie aufeinanderfolgend sind.
Präsidentin Ellen Johnson fordert die Liberianer auf, in möglichst großer Zahl zu wählen und mit "Ja" in der Volksabstimmung zu stimmen. Zusätzlich warnte sie vor politischen Unruhen, diese könnten das Land, trotz der acht Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges in einen Konflikt bringen.
Die endgültigen Ergebnisse werden voraussichtlich am 7. September 2011 veröffentlicht.