Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßungsrede von Nils Wörmer, Leiter des KAS RP SIPODI Ostafrika, der den zahlreichen Teilnehmern für ihre Anwesenheit dankte. Die Podiumsdiskussion wurde von Mathias Kamp, Landesvertreter des KAS-Auslandsbüros Kenia, moderiert, der in seiner Eröffnungsrede die geopolitische Bedeutung des derzeitigen Engagements externer Akteure in ganz Afrika hervorhob. Er beleuchtete, wie afrikanische Regierungen und Institutionen auf diese Entwicklungen reagieren, und wies auf die zunehmenden Debatten hin, die sich um den souveränen Zugang afrikanischer Staaten zu natürlichen Ressourcen, Entwicklungshilfe, Frieden und Sicherheit sowie die sich wandelnde Rolle Afrikas in der Weltpolitik drehen.
Botschafter Tom Amolo, unter anderem ehemaliger kenianischer Botschafter in Deutschland, leitete die Diskussion mit seinen Einschätzungen ein. Er hob die anhaltende Entwicklung der globalen Lage hervor und verwies auf den derzeitigen Wandel von einer regelbasierten Ordnung hin zu einem transaktionalen System, das durch Unvorhersehbarkeit gekennzeichnet sei. Er stellte fest, dass die Afrikanische Union an der Erarbeitung eines strategischen Vorhabens arbeite, das dem Kontinent eine Bewältigung geopolitischer Umwälzungen ermöglichen soll. Er betonte zudem, wie wichtig es für afrikanische Staaten sei, ihre Beziehungen zu externen Akteuren neu zu bewerten, ohne jedoch dabei ihre jeweiligen nationalen Interessen zu gefährden.
Dr. Asrat Gizachew, Stabschef und Senior Researcher am in Äthiopien ansässigen Institute of Foreign Affairs, hob den außenpolitischen Ansatz Äthiopiens gegenüber externen Akteuren hervor. Er wies darauf hin, dass das Land vor der Herausforderung stehe, neue außenpolitische Bündnisse zu schmieden, ohne dabei seine bestehenden bilateralen Beziehungen zu gefährden. Darüber hinaus betonte Dr. Gizachew, dass die äthiopische Regierung die anhaltenden bewaffneten Konflikte im Nahen und Mittleren Osten sowie am Horn von Afrika als miteinander verflochten betrachte, was Äthiopien dazu veranlasse, eine ausgewogene Außenpolitik zu verfolgen, die seine politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen in diesen strategischen Regionen verteidigt.
Die dritte Diskussionsteilnehmerin, Cynthia Chigwenya, Beraterin für Frieden, Sicherheit und Entwicklung sowie ehemalige Jugendbotschafterin der Afrikanischen Union für Frieden im südlichen Afrika, gab Einblicke in die potenzielle Rolle der Afrikanischen Union bei der Bewahrung der globalen Interessen des Kontinents. Sie hob Afrikas wachsende Bedeutung in internationalen Angelegenheiten wie der Klimapolitik hervor, wies jedoch darauf hin, dass es dem Kontinent nach wie vor an struktureller Sichtbarkeit mangele, da seine bedeutsamsten politischen Institutionen und Vorhaben oftmals von externen Akteuren beeinflusst würden. Sie ging ebenfalls auf die Legitimationskrisen innerhalb der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften Afrikas, die die Entwicklung einer einheitlichen afrikanischen Außenpolitik behindern. In ihren Ausführungen verwies Cynthia etwa auf den jüngsten Austritt der Sahelstaaten Burkina Faso, Mali und Niger aus der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS), und hob damit die anhaltenden Herausforderungen für verstärkte regionale Integrationsprozesse in Afrika hervor.
Ebenfalls ausgehend von der Herausforderung, Afrikas Stellenwert in der internationalen Politik sichtbarer zu gestalten, hob Raymond Mujuni, stellvertretender Direktor des African Institute for Investigative Journalism mit Sitz in Uganda, das eklatante Gefälle zwischen den Ambitionen der afrikanischen Bürger und den tatsächlichen Möglichkeiten für effiziente Politikgestaltung seitens der afrikanischen Institutionen hervor. Hinsichtlich des Sicherheitsbereiches argumentierte Raymond, dass die zunehmende Priorisierung nationaler Interessen in vielen afrikanischen Ländern die Entstehung einer einheitlichen afrikanischen Sicherheitspolitik behindere. Infolgedessen dürfte diese Situation die anhaltende Einmischung externer Akteure in afrikanische bewaffnete Konflikte aufrechterhalten und damit die Aussichten auf von Afrika selbst geleitete Konfliktlösungen untergraben.
Die Diskussion wurde durch die zahlreichen und hochwertigen Fragen aus dem Publikum bereichert, die von den vier Diskussionsteilnehmern ausführlich angegangen wurden.
In seinen finalen Bemerkungen blickte Nils insbesondere auf das Ende seiner Amtszeit als Leiter des RP SIPODI Ostafrika zurück — eine Funktion, die er seit dessen Gründung im Februar 2022 innehatte. Er betonte ebenfalls die Notwendigkeit der Stärkung der deutsch-afrikanischen Beziehungen, und hob hervor, dass die Abstimmung gemeinsamer politischer und wirtschaftlicher Interessen für beide Seiten von Vorteil sein könne. Er bedankte sich zudem bei allen Akteuren und Partnern, die zum Erfolg des Regionalprogramms beigetragen haben, und dies weiterhin tun: den Mitarbeitern des Büros, den Kollegen des KAS-Auslandsbüros Uganda und Südsudan, der deutschen und der französischen Botschaft, der Makerere-Universität und — nicht zuletzt — dem Julius Nyrere Leadership Centre. Die Veranstaltung endete mit einem Abendempfang, der ein lockeres Networking und weitere Diskussionen zwischen den Veranstaltungsteilnehmern ermöglichte.Über diese Reihe
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