Veranstaltungsberichte

20 Jahre Deutsche Einheit

von Thomas Wolf

Erwin Teufel in Waldshut-Tiengen

Ministerpräsident a.D. Dr. h.c. Erwin Teufel sorgte in der Sparkasse Hochrhein in Waldshut-Tiengen für großen Andrang. Dreißig Jahre lang, seit 1956, hatte Erwin Teufel Besuchergruppen nach Berlin geführt, um das Interesse an der Wiedervereinigung lebendig zu halten.

Ministerpräsident a.D. Dr. h.c. Erwin Teufel sorgte in der Sparkasse Hochrhein in Waldshut-Tiengen für großen Andrang. Über 200 Personen, darunter Landtagspräsident Straub und Oberbürgermeister Albers, konnte der Schirmherr der Veranstaltungsreihe, der Waldshuter Bundestagsabgeordnete Thomas Dörflinger, begrüßen. Sie waren der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung Freiburg gefolgt und lauschten gespannt Erwin Teufels persönlich geprägter Bilanz von zwanzig Jahren Deutscher Einheit.

Dreißig Jahre lang, seit 1956, hatte Erwin Teufel Besuchergruppen nach Berlin geführt, um das Interesse an der Wiedervereinigung lebendig zu halten.

Teufel stellte die Ereignisse in einen historischen Zusammenhang. Eindringlich beschrieb er die Situation im Nachkriegsdeutschland als das Land in Trümmern lag und den Aufstieg, den die Bundesrepublik genommen hatte. Dank der klugen Weichenstellungen Konrad Adenauers und seiner Weggefährten, die mit den Stichworten Westintegration, Freundschaft mit den USA, Europäische Einigung, Aussöhnung mit Israel, Frankreich und Polen, Soziale Marktwirtschaft und Grundgesetz umschrieben sind, kam es nicht nur zu einem beispiellosen Aufschwung sondern auch zu einer in Europa nie gekannten Periode von 60 Jahren Frieden. Den Rechtsstaat bezeichnete Teufel als wichtigste gesellschaftliche Errungenschaft.

Auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhanges“ der SED-Staat. Von Rechtsstaatlichkeit konnte hier keine Rede sein. Ein gigantischer Überwachungsapparat bespitzelte im Auftrag der SED die Bürger und hielt die „Diktatur des Proletariats“ mühsam am Leben. Keine Meinungsfreiheit, keine Pressefreiheit, keine Berufsfreiheit, keine freien Wahlen, keine unabhängige Justiz, die Ideologisierung aller Lebensbereiche, die Abhängigkeit von der Sowjetunion, und eine Misswirtschaft, die den Staat kurz vor den Bankrott führte. Trotz der Mauer, versuchten Tausende diesem System zu entfliehen.

Die Zeitenwende 1989 nahm dann in Polen und anderen osteuropäischen Ländern ihren Anfang. Mutige Bürger sorgten dann in der DDR mit der „Macht der Kerzen“ für eine gewaltfreie, friedliche Revolution. Gorbatschow ist es zu verdanken, dass die sowjetischen Panzer in den Kasernen blieben.

„Wir verdanken den USA nicht vieles, sondern alles!“

mit diesen Worten würdigte Erwin Teufel die Rolle der USA in Westdeutschland nach dem Kriege und die ihres Präsidenten George Bush Senior auf dem Wege zur Deutschen Einheit. Im Gegensatz zu manchen europäischen Regierungschefs wie Margaret Thatcher, Francois Mitterand oder Giulio Andreotti, hatte er auf die Selbstbestimmung des Deutschen Volkes vertraut. Helmut Kohl ergriff die Gunst der Stunde beherzt und brachte die Deutsche Einheit unter Dach und Fach. Auch die Herausforderungen nach dem 3. Oktober 1990, etwa die Währungsumstellung oder die Umstellung des Rentensystem wurden im Großen und Ganzen zufriedenstellend bewältigt. Trotz dieser glücklichen Umstände, die allen Grund zu Freude und Dankbarkeit bieten, sei die weit verbreitete Neigung vieler Deutscher zur Unzufriedenheit auch in den Neuen Ländern zu spüren. Dort vergleiche man seinen Lebensstandard nicht mit den osteuropäischen Ländern, die ohne Unterstützung klar kommen mussten, sondern lege stets die Verhältnisse im Westen als Maßstab an.

Mit den Worten Max Frischs: „Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einmischen“ warb Erwin Teufel leidenschaftlich für mehr bürgerschaftliches Engagement, ohne dass unsere freiheitliche Demokratie nicht überleben kann. | Thomas Wolf