Veranstaltungsberichte

Der amerikanische Partner?

Präsident Trump und die Folgen

Forum mit dem Washington-Korrespondent und preisgekrönten Journalist Dr. Christoph von Marshall, dem Autor des 2016 erschienenen Buchs „Was ist mit den Amis los? Über unser zwiespältiges Verhältnis zu den USA“, und dem Freiburger Bundestagsabgeordneten und Europapolitiker Matern von Marshall.

In der angenehmen Stammtisch-Atmosphäre der Insel haben sich unsere beiden Experten vor aufmerksamen Gästen mit der Frage der amerikanischen Beziehungen zu der Welt auseinandergesetzt. Bei über 33 Grad Außentemperatur diskutierte man über Donald Trump und die Folgen für Deutschland und Europa. Mit einer provokanten Bemerkung eröffnete Dr. Christoph von Marschall das Gespräch: „Nicht alles, was Präsident Trump sagt, muss falsch sein!“

America first!

Traditionell tragen die USA globale Verantwortung – aktuell scheint sich jedoch Trumps Amerika, auf seine eigenen Interessen zu konzentrieren. Wie lässt sich das erklären? Aus der Sicht der derzeitigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gibt es keine Weltgemeinschaft, sondern einzelne Nationen, die auf ihren eigenen Vorteil bedarf sind. Für Donald Trump gibt es nur Sieger-Nationen und Verliere-Nationen. So gibt er pragmatisch der Innenpolitik den Vorzug - jobs, jobs, jobs! In dieser Hinsicht muss berücksichtigt werden, dass alles, was Präsident Trump international macht, eine Funktion in der amerikanischen Innenpolitik hat.

„Amerikaner sind vom Mars, Europäer von der Venus“

Auf die Kulturunterschiede zwischen den USA und Europa haben auch Dr. Christoph von Marshall und Matern von Marshall aufmerksam gemacht – woher unterschiedliche Interesse und Prioritäten zwischen beiden Partnern rühren. Beispielsweise haben die Amerikaner und die Deutschen verschiedene Einstellungen zu Reichtum und Armut. Wenn der Staat mehr Geld braucht, ist eine Steuererhöhung für die meisten Deutschen eine Lösung. Absolut dagegen ist jedoch eine klare Mehrheit von Amerikanern, die dem Staat grundsätzlich misstraut und glaubt, dass Ausgaben des Staates gekürzt werden müssen.

Auf beiden Seiten des Atlantiks sind die Perspektiven nicht dieselben. Das Beispiel der NATO ist hier ganz aufschlussreich: Amerika und Europa fordern beide, dass die NATO-Partner ihre Verteidigungsverpflichtungen bei der Organisation einhalten. Bei Trump handelt es sich darum, dass jedes Mitglied seine Ausgaben – wie vereinbart - auf mindestens 2 % des Bruttoinlandprodukts steigert, während die Europäer hören wollen, dass die USA bei Artikel 5 des Washington Vertrags stehen.

Text: Moïra Tourneur | Fotos: Alex Schmidtke

Ansprechpartner

Thomas Wolf

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Leiter Regionalbüro Südbaden des Politisches Bildungsforums Baden-Württemberg

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Die Referenten im Gespräch
Insel Feierling
Dr. Christoph von Marshall