Veranstaltungsberichte

Der Elefant erwacht

Indiens wirtschaftlicher und politischer Aufstieg

„Der Elefant erwacht!" war der Titel eines anderthalbtägigen Seminars der Konrad-Adenauer-Stiftung Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Waldhof in Freiburg.

In Indien ist alles groß und vor allem – nie einheitlich zu beurteilen, so könnte das Fazit des Seminars lauten.

So ergab sich schon am Nachmittag des ersten Vortrages von Dr. Werner Spaeth, dass es zu allem, was es über Indien zu sagen gibt, auch ein konträres Beispiel gibt. Einheit in Vielfalt, Armut und Reichtum, eine Vielfalt der Sprachen und Englisch als Amtssprache, modernste Hochhäuser neben bitterarmen Slumvierteln in den Städten oder Dörfern auf dem Lande – Indien ist eben ein Subkontinent, auf dem es nahezu alles gibt.

Dr. Werner Spaeth gab einen Überblick über die Geschichte, die politischen und sozialen Entwicklungen Indiens nach der Unabhängigkeit im Jahr 1947 bis zur wirtschaftlichen Öffnung im Jahr 1991. Nach einer Zeit staatsdirigistischer Maßnahmen war 1991 Indien am finanzpoitischen Ende seiner Kräfte.

1991 erfolgte ein großer Umbruch hin zur wirtschaftlichen Liberalisierung und einem „Sich-Öffnen“ hin zur Welt. Davon berichtete Christoph Heinzle, ehemaliger Südasienkorrespondent der ARD, am zweiten Tag des Seminars. Indien wurde zum Land mit dem weltweit drittgrößten Bruttoinlandsprodukt und zum Kooperationspartner tausender Firmen in Europa, Asien und den USA.

Trotzdem hake es weiterhin an der landesweiten Verkehrsinfrastrukur, einer großen Armut von mindestens 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Außerdem gebe es weiterhin keinen vollkommen geöffneten freien Markt für Importe nach Indien.

Ebenso sei das Kastenwesen im Denken vieler Armer immer noch überaus stark ausgeprägt, genau wie die immer noch tief verankerte patriarchalisch strukturierte Gesellschaft, vor allem bei den Ärmeren. Dies zeige sich eben dann auch an der Stellung der Frau in Indien.

Professor Dr. Dietmar Rothermund – emeritierter Direktor des renommierten Südasieninstituts der Universität Heidelberg und ausgewiesener Indien-Experte – zeigte in seinen Vorträgen dann auch die sozialen Herausforderungen Indiens in der Zukunft auf: Dazu gehörten eine weitere Verbesserung des Zuganges aller zu Bildungs- und Ausbildungschancen, eine effektivere Verwaltung und ein weiterer Ausbau des Gesundheitswesens. Gesetzlich sei in der größten Demokratie der Welt alles dafür vorhanden. Allein die Realität schaffe langfristige und überaus langwierige Gesellschaftsentwicklungen in dem 1,2 Milliarden-Volk. Denn Gesetzesinitiativen und vor allem deren Umsetzungen erforderten in dem riesigen Land seine Zeit. Das Ziel für die Zukunft sei klar formuliert: „India shining!“

Text und Bild: Jochen Köhler

Ansprechpartner

Thomas Wolf

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Leiter Regionalbüro Südbaden des Politisches Bildungsforums Baden-Württemberg

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