Veranstaltungsberichte

Dialog mit dem Islam

von Thomas Wolf

Der Islam im Spiegel aktueller Konflikte

Der Religions- und Politikwissenschaftler sowie Referent im Staatsminsterium Baden-Württenberg, Dr. Michael Blume, warb bei seinem Vortrag in Donaueschingen für einen kritischen Dialog mit dem Islam, zu dem es keine Alternative gebe. Voraussetzung für einen solchen Dialog sei es, sich der eigenen Werte und Wurzeln zu vergewissern und diese selbstbewußt zu vertreten.

Beispiele für die Schwierigkeiten eines solchen Dialoges gibt es genug. Da der Islam kein monolithischer Block ist, fällt es schwer, die richtigen Ansprechpartner für den Dialog zu identifizieren. So ist das Vorhaben eines islamischen Religionsunterricht an Schulen des Landes noch nicht voran gekommen.

Der Islam und die Moderne

Wie unterschiedlich die Perspektiven der Muslime auf der einen und der christlichen Welt auf der anderen Seite sind, machte er an einem Umfrage-Ergebnis deutlich. Nicht-Muslime sind mehrheitlich davon überzeugt, dass der Islam Frauen nicht ausreichend respektiere. Umgekehrt meinen ebenso die meisten Muslime, in der westlichen Welt würde den Frauen nicht genügend Respekt entgegen gebracht. Die Begriffe sind gleich, aber sie werden in gegensätzlichen Bedeutungen verwendet.

Das Verhältnis des Islam zur Moderne, bedarf der genaueren Klärung, auch wenn 57 Prozent der Muslime in Deutschland keinen Widerspruch darin sehen, gleichzeitig gläubiger Muslim und Teil einer modernen Gesellschaft zu sein.

Die öffentliche Debatte konzentriert sich auf Islamismus statt Integration

Wie hält es „der Islam“ mit dem Thema Gewalt? Zwar lehnt eine wachsende Mehrheit der Muslime weltweit Selbstmordattentate kategorisch ab. Eine Minderheit jedoch, in Deutschland sind es laut einer Umfrage 7 Prozent, hält sie unter bestimmten Bedingungen für legitim. Auch wenn der Islam nicht unter einen Generalverdacht gestellt werden darf, müssen die Ängste, die in der Bevölkerung nach den terroristischen Anschlägen des 11. September bestehen, ernst genommen werden.

Die öffentliche Diskussion verkürzt sich oft auf den Islamismus und auf andere Streitfragen, während die Integration der in Deutschland lebenden gemäßigten Muslimen nur selten zum Thema wird.

Der Religiosität, als Gemeinschaft stiftender Faktor, kommt in der Diaspora eine besondere Bedeutung zu. Mancher in Deutschland geborene Muslim gerät in eine Identitätskrise, weil er weder im Heimatland seiner Väter noch in Deutschland akzeptiert werde. Obwohl er in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, wird er als "Ausländer" behandelt. Die verstärkte Hinwendung zur Religion, bei Einzelnen auch zu islamistischen Strömungen, sei in dieser Situation ein möglicher Fluchtweg.