Veranstaltungsberichte

Die Zukunft des Euro | Streitgespräch

von Thomas Wolf

Impressionen der Veranstaltung am 6. Juli 2015 in Freiburg

Am Tag Eins nach dem "Nein" der Griechen diskutierten in Freiburg über 200 Gäste mit den renommierten Volkswirten Prof. Dr. Lars. P. Feld, Dr. Holger Schmieding und dem Abgeordneten des Europäischen Parlaments Dr. Andreas Schwab über die Zukunft des Euro.

Bilder der Veranstaltung (Alex Schmidtke)

"Eine ernste Krise für Athen, aber nicht für die Finanzmärkte": Interview mit Dr. Holger Schmieding am Rande der Veranstaltung in der Badischen Zeitung

Griechenland und die Griechen: Artikel in "Christ in der Gegenwart"

Die Zukunft des Euro

Streitgespräch in der Universität Freiburg

Mit mehr als 200 Gästen diskutierten am 6. Juli Dr. Holger Schmieding, Prof. Lars Feld und Dr. Andreas Schwab MdEP in der Uni Freiburg zur Zukunft des Euro. Das Thema konnte aktueller nicht sein – am Vorabend hatte das griechische Referendum ein eindeutiges „Nein“ zu den derzeitigen Sparauflagen ergeben, und am Morgen war Finanzminister Varoufakis zurückgetreten.

„Ungewöhnliche Umstände verlangen ungewöhnliche Mittel“

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank Dr. Schmieding machte in seinem Eröffnungsstatement darauf aufmerksam, dass die Europäische Zentralbank einzig an ihrer Aufgabe, der Wahrung der Preisstabilität, gemessen werden sollte - und sie bislang eine gute Arbeit geleistet habe. Die Verbraucherpreise sind in den letzten Jahren stabiler als je zuvor. Sie habe letztlich eine angemessenen Geldmenge bereitgestellt und damit seit dem Herbst 2014 die Konjunktur der Euro-Länder stabilisiert. Schmieding, der 2015 von 15.000 Fachleuten zum dritten Mal in Folge zum Bankvolkswirt des Jahres für Europa gewählt wurde, sagte allerdings auch, dass die EZB bis zum Sommer 2014 einen zu restriktiven Kurs gefahren hätte. Hätte sie bereits früher entsprechende Schritte unternommen, so wäre Europas Konjunktur bereits in den Vorjahren stabiler gewesen.

"Die Geldgeber dürfen jetzt nicht einknicken!"

Der Freiburger Wirtschaftsprofessor und „Wirtschaftsweise“ der Bundesregierung Lars Feld stimmte grundsätzlich mit Schmieding überein, auch wenn er die Rolle der EZB nicht ganz so positiv bewertete. Die wesentlichen Grundprinzipien der Währungsunion seien tatsächlich eingehalten worden. Dies werde insbesondere in einem Vergleich mit anderen Nationen und deren Überschuldungsquoten deutlich. Auch äußerte sich Feld zu den hochaktuellen Verhandlungen mit Griechenland. Was dort gerade passiere sei einer normaler Austausch, nämlich von Krediten gegen Reformmaßnahmen. Er begrüßte die Linie der anderen Euro-Länder, weitere Hilfspakete nur unter der Auflage weiterer Reformbemühungen zu schnüren, da ansonsten dieses Austauschverhältnis nicht mehr bestehe.

In der Podiumsdiskussion, moderiert vom Leiter der Wirtschaftsredaktion der Badischen Zeitung Dr. Jörg Buteweg, kam der Europaabgeordnete Dr. Andreas Schwab auf die derzeitigen Rahmenbedingungen in der Euro-Gruppe zu sprechen. Ein System mit so vielen Mitgliedsstaaten biete wenige Möglichkeiten, um in Krisenländern mit dem nötigen Druck durchzugreifen und angestrebte Reformmaßnahmen mit der gewollten Effizienz durchzusetzen. Es sei eine schwierige Aufgabe für die Parlamentarier in Brüssel, die Einigkeit auf Ebene der Entscheidungsträger nun in die Bevölkerung zu transferieren.

Abschließend kamen viele Fragen aus dem Publikum, unter anderem auch zur Rolle von Russland und China der derzeitigen Griechenland-Krise. Es herrschte große Einigkeit unter den Diskutanten, dass die beiden Länder weder kurz- noch langfristig willens oder in der Lage seien, die Rolle der Euro-Gruppe einzunehmen. Schwab wies darauf hin, dass auch China viel eher an der Schaffung von Rahmenbedingungen für Investitionen interessiert sei, als sich nun als Heilsbringer und Schuldenerlasser aufzuspielen. Auch Professor Feld wies auf die Bedeutung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen in Griechenland hin. Nur wenn dieser Rahmen für einen fairen wirtschaftlichen Wettbewerb in Wirtschaft und Politik gegeben sei, könne sich die griechische Wirtschaft entfalten.

Text: Alex Schmidtke

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Thomas Wolf

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Mehr als 200 Gäste diskutierten über die Zukunft des Euro. KAS Südbaden
Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank KAS Südbaden
Prof. Lars P. Feld, "Wirtschaftsweiser" und Direktor des Walter-Eucken-Instituts KAS Südbaden
Dr. Andreas Schwab MdEP KAS Südbaden