Veranstaltungsberichte

Europapolitik mit Leidenschaft und Augenmass!

Wir sind zu unserem Glück vereint!

Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP stellte in Freiburg seine Autobiographie vor.

Als „leidenschaftlichen Europäer“ begrüßte Thomas Wolf, der Leiter des Politischen Bildungsforums Südbaden, Dr. Hans-Gert Pöttering im Colombi-Hotel in Freiburg.

Anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiographie „Wir sind zu unserem Glück vereint – Mein europäischer Weg“ reist der Europaparlamentarier und Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung durch Deutschland, berichtet von seinen Jahren auf politischen Parkett und wirbt für das Friedens- und Freiheitsprojekt Europa. Pöttering ist der einzige Abgeordnete, der seit der ersten Direktwahl im Jahr 1979 ununterbrochen dem Europäischen Parlament angehört. Er war Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei und Parlamentspräsident.

Das Buch umfasst stolze 537 Seiten. Er verzichtet auf eine Aneinanderreihung von Daten, Zahlen und Fakten und schildert seinen persönlichen Weg nach Europa, seine Begegnungen mit großen Persönlichkeiten sowie die Krisen und Sternstunden des Europäischen Parlaments.

Leidenschaft, Verantwortung und Augenmaß

Matern Freiherr von Marschall, „frischgebackener“ Freiburger Bundestagsabgeordneter, zeigte sich nach der Lektüre des Buches vom „reichen Schatz an Lebenserfahrung“ des Autors beeindruckt. Das Leben eines Abgeordneten, ob in Brüssel oder Berlin, sei immer spannend, weil unvorhersehbar. Pöttering müsse aber zumindest bei der Auswahl der Namen seiner beiden Söhne über die Gabe der Vorhersehung verfügt haben, als er sie Johannes und Benedict nannte.

Von Marschall spannte den historischen Bogen von den Schrecken des Ersten Weltkriegs bis zu den aktuellen Geschehnissen in der Ukraine. Das Wesensmerkmal der Europäischen Union sei es immer gewesen, den Weg der „Kooperation, statt der Konfrontation“ zu suchen.

Anschließend rief ein kurzes filmisches Portrait wichtige Stationen der politischen Vita Pötterings in Erinnerung.

Thomas Steiner, Politikredakteur der Badischen Zeitung und Moderator des Europapolitischen Talks, fühlte sich beim Lesen des Buches an Max Weber erinnert, der drei Eigenschaften eines guten Politikers benannt hatte: Leidenschaft, Verantwortung und Augenmaß.

Pöttering betonte, dass es in der Politik auf das richtige Verhältnis von Leidenschaft und Augenmaß ankomme. Gefragt seien Leidenschaft für die Sache, aber auch ein gesundes Augenmaß für das Durchsetzbare. Politik müsse mit Verstand und Herz gemacht werden. Er habe trotz der bescheidenen Anfänge immer an der Überzeugung festgehalten, das Europäische Parlament werde sich seine Kompetenzen erkämpfen. Am Beispiel des Scheiterns der EU-Verfassung schilderte Pöttering, wie es, dank der Entschlossenheit einiger Parlamentarier, gelungen sei, mit dem Vertrag von Lissabon, wichtige Elemente des Verfassungstextes aufzunehmen. Die EU sei gestärkt aus der Krise hervorgegangen.

Gutwillig aber nicht naiv

Im Umgang mit politischen Gegnern aber auch mit den eigenen Leuten warb er einerseits für Geduld und Respekt, auf der anderen Seite sei es wichtig, klare Grenzen zu ziehen. Er sei „gutwillig, aber nicht naiv“, manchmal „rund“ in seinen Antworten, jedoch „kein Weichei“. So habe er auch die eine oder andere Streitigkeit in der Fraktion mit deutlichen Worten klären müssen, denn: „Auch Christdemokraten sind keine Heiligen.“

Zum Schluss kam ein langjähriger Weggefährte und Mitstreiter Pötterings im Europäischen Parlament, Dr. Karl von Wogau, zu Wort. Er gehörte dem Gremium drei Jahrzehnte an und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Von Wogau erinnerte an Verbindendes und an die freundschaftliche Zusammenarbeit. Beide, Pöttering und von Wogau, hatten Ihren Vater im Kriege verloren und aus dieser traurigen Erfahrung die Leidenschaft für die Europäische Einigung in Frieden und Freiheit gezogen.

Es ist sehr schwierig vernünftig zu leben, wenn man kein Amt mehr hat…

Als junge Abgeordnete hatten sie sich mit einigen anderen „Hinterbänklern“ zusammen getan, um gemeinsam Anträge gegen die Alteingesessenen durchzusetzen. Der Genussmensch Pierre Pflimlin, ehemaliger Präsident des Europaparlaments, habe ihnen einmal den freundschaftlichen Rat gegeben: „Es ist sehr schwierig vernünftig zu leben, wenn man kein Amt mehr hat, also klammern Sie sich daran fest.“ Pöttering blickte dagegen gelassen auf das Ende seiner Zeit als Parlamentarier. Er scheide ohne Wehmut aus und freue sich auf seine Aufgaben als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und als Begleiter des Hauses für europäische Geschichte.

Mit persönlichen Begegnungen und Gesprächen bei einem Glas Wein endete der Abend. Pöttering signierte seine Bücher und beantwortete geduldig die Fragen der Gäste.

Pötterings Mission bleibt in Erinnerung: „Wir sind zu unserem Glück vereint! Der Friede Europas sei keine Selbstverständlichkeit. Man müsse alles tun, um den Menschen, insbesondere den jungen Menschen, den Weg, der zur Einigung Europas führte, deutlich zu machen. „Nur wer sich seiner Vergangenheit bewusst ist, kann seine Zukunft gestalten.“

Text: Elisabeth Lippert und Thomas Wolf | Fotos: Alex Schmidtke

"Im Kern geht es bei Europa um unsere Werte"

BZ-INTERVIEW: Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, wünscht sich eine starke EU mit nur einem Präsidenten.

Das Interview der Badischen Zeitung mit Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP finden Sie rechts auf dieser Website!

Ansprechpartner

Thomas Wolf

Thomas Wolf bild

Leiter Regionalbüro Südbaden des Politisches Bildungsforums Baden-Württemberg

Thomas.Wolf@kas.de +49 761 1564807-2 +49 761 1564807-9
Dr. Hans Gert Pöttering kas südbaden