Veranstaltungsberichte

Frauen in die Politik! Das Arroganzprinzip

von Thomas Wolf

Dr. Peter Modler am 11. Juni in Freiburg

Frauen, die im Beruf Erfolg haben wollen, müssen eine Fremdsprache lernen: Die Sprache der Männer. Der Freiburger Unternehmensberater Dr. Peter Modler, zeigte den rund 150 Zuhörerinnen auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung Freiburg einige Facetten männlicher Kommunikationstile auf. Wie der Umgang mit Chef&Co. praktisch gemeistert werden kann, übte er anhand vieler nachgespielter Situationen, bei denen er auch die Zuhörerinnen einband.

Alles fing damit an, dass Dr. Peter Modler sich bei seinen Lehrveranstaltungen und Seminaren wunderte, warum immer die Herren das große Wort führten, auch wenn sie schlechter vorbereitet waren als die Damen. Diese Beobachtung bewegte ihn dazu, mehr über die Unterschiede in den Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen zu erforschen.

Die Theorie von vertikalem und horizontalem Kommunikationssystem

Dabei stieß er auf die Forschungsergebnisse der amerikanischen Soziolinguistin Deborah Tannen: Sie hatte Jungen und Mädchen in ihren Kommunikationsweisen in Gruppen erforscht und war zur Erkenntnis gekommen, dass es diametrale Unterschiede in der Art gibt, wie das männliche und das weibliche Geschlecht untereinander kommunizieren. Bei Mädchen fand sich eine eher egalitäre Kommunikation, die sich im Spannungsfeld zwischen Zugehörigkeit und Inhalt bewegt (sog. horizontales System). Jungen dagegen, kommunizieren vertikal. Bevor sachliche Argumente ausgetauscht werden , muss erst einmal die Hierarchie geklärt werden (sog. vertikales System). Erwachsene Männer lassen sich tendenziell ebenfalls diesem vertikalen System zuordnen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aus seiner Erfahrung während seiner Lehrtätigkeit und auf Grundlage der Forschungsergebnisse verschiedener Soziolinguisten entwickelte Modler das sog. „Arroganz-Training für weibliche Führungskräfte“. Frauen lernen, wie sie im Konfliktfalle mit vertikal geprägten Kommunikationsstilen umgehen können. Dabei kann auch schon einmal "situative Arroganz" oder "aggressives Schweigen" angebracht sein.

Die Erfahrungen seiner Kurse schrieb Modler auch in einem Buch nieder, das nun bereits in 12. Auflage erschienen ist. Der Erfolg des Buches stimmt den Autor nachdenklich: Der von vielen Seiten propagierte Erfolg von Chancengleichheit oder Frauenförderung in Betrieben sei ein „bitterer Mythos“. Wenn es um die Besetzung von Führungspositionen gehe, sei es nach wie vor keine Seltenheit, dass Männer an höher qualifizierten Frauen vorbei zögen.

Das Siegestreppchen des vertikalen Systems bei Konflikten

Viele Frauen sähen sich im Berufsalltag verschiedenen Arten von Angriffen ausgesetzt. Oft passierten diese aber nicht auf einer sachlichen, sondern auf anderen Ebenen. Die unterste Stufe der Kommunikation bei einer Auseinandersetzung sei der High Talk. Informationen werden verbal und intellektuell ausgetauscht. Etwas schmerzlicher gehe es auf der Ebene des Small Talks zu, wo zwar auch mit Worten, allerdings nicht intellektuell kommuniziert werde. Von der kleinen Stichelei bis hin zum schmerzlichen – verbalen – Schlag unter die Gürtellinie sei hier die ganze Bandbreite vertreten.

Doch kenne das vertikale System und seine Sprecher noch eine weitere, oft unterschätzte Stufe: Den Move Talk. Die Rede ist von nonverbalen Signalen, Mimik, Gestik und Körpersprache. Wenn diese gekonnt eingesetzt werde, bleibe der Erfolg meist nicht aus. Durch bewusste Positionierung im Raum könnten so auch Rangmerkmale und andere unterschwellige Botschaften übermittelt werden.

Gerade gut ausgebildeten Frauen falle es zuweilen schwer, zu akzeptieren, dass der intellektuelle Hightalk im Konfliktfalle weniger wirksam ist als der belanglose Small Talk und einzusehen, dass die nonverbale Kommunikation oft die größte Wirkung hat.

Die Landrätin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald, Frau Dorothea Störr-Ritter, betonte in ihrer Begrüßung, dass es im Berufsalltag wie in der Politik heute darum gehe, als Frau Mechanismen zu entwickeln, um sich in der männerdominierten Politikwelt zu behaupten. Als erste Landrätin in der Geschichte Baden-Württembergs habe sie in dieser Männerwelt positive wie negative Erfahrungen gesammelt. Da es aber immer wieder Situationen gebe, wo guter Rat vonnöten sei, freue sie sich sehr, dass Dr. Modler seine Erkenntnisse mit den Zuhörerinnen teilen wolle.

Wichtige Faktoren

Tempo: Ob beim Betreten des Sitzungssaals oder beim Darstellen eines wichtigen Anliegens: Die Schnelligkeit, mit der wir Sachen tun, hat im vertikalen System besondere Wirkung. Denn wer hastig einen Sitzungssaal betritt, der erweckt eher den Anschein, als werde er geschickt, als dass er Andere schickt. Gemäß dem Grundsatz „Die Chefin rennt nicht – sie lässt rennen“ sei es wichtig, ruhig und dennoch resolut auf- bzw. einzutreten. Dies gelte auch für das Sprechtempo: Zwar solle die Geschwindigkeit nicht einschläfernd langsam sein - aber es sei kontraproduktiv, immer schneller und schneller zu werden, um noch kurz die fünf wichtigen Punkte unterzubringen.

Schlagfertigkeit: Eine spontane Reaktion auf einen verbalen, aber wenig intellektuellen Kommentar von der Seite müsse seinerseits nicht besonders intellektuell sein, denn er führe nicht unbedingt zu einer großen Durchschlagskraft. In Situationen, in denen man unter einem hohem Schlagfertigkeitsdruck stehe, sei es wichtig, Zeit zu gewinnen. Vom aufkommenden Druck dürfe man sich nicht erpressen lassen.

Simple Botschaften: Warum schwer, wenn es auch einfach geht? Viele Frauen, so Dr. Modler, unterschätzten die hohe Durchschlagskraft von einfachen Worten. Besonders gut geeignet seien die Einsilber NEIN, JA und DOCH sowie die Zweisilber A-HA und MO-MENT. Ein Einsetzen dieser Worte mit bestimmenden Tonfall führe zu erstaunlichen Ergebnissen. Und das tolle an diesen Worten sei, dass man keine Begründung liefern müsse. Das Wort entfalte seine Wirkung von selbst. Dabei dürfe man keine Angst vor der Wiederholung einfacher Botschaften haben. Leider setze sich in vielen Settings nicht ein origineller Standpunkt durch, sondern eine immer gleiche Aussage. Eine Mechanik, die von Intellektuellen regelmäßig unterschätzt werde.

Leistung und ihre Anerkennung, Lob: Frauen entwickelten nicht selten einen „rituellen Demutsreflex“ (Tannen), wenn sie gelobt würden. Um die Zugehörigkeit zur Gruppe zu unterstreichen, sind sie häufig bereit sich zurückzunehmen, um nicht aus der Gemeinschaft herauszustechen. Im vertikalen System der Männer dagegen werde Lob dagegen als gute Gelegenheit genutzt, sich selbst hervorzuheben. Es reiche nicht aus, gute Arbeit zu leisten, man müsse sie auch persönlich darstellen, um von den - in der Mehrzahl männlichen - Vorgesetzten anerkannt zu werden. Auch Statussymbole, von der Größe des Büros über das Handy bis hin zur Visitenkarte und nicht zuletzt die Honorierung der Arbeit dienen im vertikalen System der Rangeinstufung und sollten von Frauen bewusst im eigenen Interesse eingesetzt werden.

Text: Alex Schmidtke und Thomas Wolf | Fotos Alex Schmidtke