Veranstaltungsberichte

Günther Oettinger beim Baden-Tag in Freiburg

von Thomas Wolf

Europäische Energiepolitik: Deutsche Energiewende, Versorgungssicherheit und neue Klimaziele

Impressionen einer Veranstaltung mit dem EU-Kommissar für Energie, Günther H. Oettinger, am 6. Juli 2014 in Freiburg

Bilder und Impressionen

Weniger Ideologie, mehr Kompetenz

von Jannik Jürgens

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, hielt am Sonntag an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg ein Plädoyer für eine europäische Energiestrategie. Oettinger sprach sich vor Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung und weiteren Gästen für einen gemeinsamen Energiemarkt und eine intelligentere Stromnutzung aus.

"Deutschland allein rettet das Weltklima nicht"

Zu Beginn seiner Rede steckte der baden-württembergische Politiker den globalen Rahmen ab. Weltweit lebten ungefähr 1,5 Milliarden Menschen ohne Strom. „Diese Menschen an das Netz anzuschließen und ihnen Wärme, Mobilität, Licht und die Entsalzung von Meerwasser zu garantieren, ist ein Beitrag zur Gerechtigkeit“, sagte Oettinger. Dabei sieht er Deutschland mit seinen technischen Möglichkeiten besonders in der Pflicht.

"Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit"

In Deutschland und in der Europäischen Union werde ein Energiemix die Zukunft der Versorgung darstellen. Da dieser Mix zu einem großen Teil auch aus Kohleverstromung bestehe, betonte Oettinger die Wichtigkeit der Forschung. Das bei der Kohleverstromung entstehende CO2 müsse in Zukunft als Wertstoff weiterverwendet werden. Neben den erneuerbaren Energien werden auch die Kernfusion und die Gasverstromung eine Rolle spielen. Oettinger sprach sich dafür aus, die „Option Schiefergas“ offen zu halten. Das sogenannte Fracking ist wegen seiner unabsehbaren Folgen für die Umwelt umstritten. Umwelt- und Wirtschaftsministerium haben sich jüngst auf eine strenge Limitierung geeinigt. Für Oettinger ist diese Technologie aber wichtig. „Damit können wir verhindern, dass aus Abhängigkeit Erpressbarkeit wird“, sagte Oettinger in Bezug auf die russischen Gaslieferungen.

"Die deutsche Energiewende wird weltweit nur eingeschränkt kopiert"

Der hohe Energiepreis in Deutschland bereitet Oettinger Kopfschmerzen. Im Vergleich zu den USA seien die Gaspreise dreimal so hoch, für Strom müsse der doppelte Preis gezahlt werden. Das setze die energieintensiven Unternehmen, wie beispielsweise die Aluminium-Produktion, unter Druck und führe zu Abwanderung. „Wir müssen diesen Preisabstand verringern“, sagte Oettinger. Um das zu erreichen, müssten die Energiepotenziale intelligenter genutzt werden. Das fange im Haushalt an, wo die Beziehung zum Kühlschrank oft länger bestehe als die Ehe. Dem Verbraucher werde eine transparente Stromrechnung vorenthalten. Auf europäischer Ebene existieren ebenfalls große Potenziale. So könne durch eine Europäisierung der Strategie Strom effizienter gespeichert werden.

"Deutschland exportiert Strom und zahlt noch drauf"

Dr. Andreas Schwab, südbadischer Abgeordneter des Europaparlaments, moderierte die anschließende Diskussion über die europäische Energiestrategie. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Politischen Bildungsforum Südbaden und den Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Rede war zugleich der Abschluss des Baden-Tages der Stipendiaten.

(Jannik Jürgens ist Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung)

Andreas Schwab MdEP und EU-Kommissar Günther H. Oettinger KAS Freiburg