Veranstaltungsberichte

Iran – Spiel mit dem Feuer

Veranstaltungsbericht

„Iran – Spiel mit dem Feuer“ war der Titel eines zweitägigen Seminars des Bildungswerks Freiburg der Konrad-Adenauer-Stiftung Anfang Oktober 2010 im Kloster St. Trudpert in Münstertal südlich von Freiburg. Anderthalb Tage lang beschäftigen sich 37 Teilnehmer – unter ihnen eine Gruppe, die in nächster Zeit eine Reise in den Iran machen wird – mit dem Land am Persischen Golf in all seinen Facetten.

Zunächst gab der Fernseh-Journalist Jochen Köhler einen Einblick in die Geschichte Persiens und des Iran, in der ein weiter Bogen vom Archamänidenreich über die Eroberung durch Alexander den Großen und den einzelnen Dynastien von Parthern über Sassaniden, später den Arabern und den Safawiden gespannt wurde. Die Kadscharendynastien des 19. Jahrhunderts gehen mit einem effektiven Machtverlust der Herrscher einher, die Briten und Russen gewinnen im Land an Einfluss. Reza Schah Pahlevi versucht das Land in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts analog zur Türkei Atatürks zu säkularisieren, von 1941-45 - während des Zweiten Weltkrieges - spielt der von Russen, den USA und den Briten besetzte Iran eine wichtige Rolle. Über den so genannten „Persischen Korridor“ gelangen Nachschublieferungen an die Ostfront der Sowjetunion.

Reza Schahs Sohn Mohammed Reza Pahlevi – letzter Schah des Iran – geriert sich nach außen als Verbündeter des Westens und aufgeklärter Monarch modernen Zuschnitts, nach innen regiert er mit harter Hand gegen die immer stärker aufkeimende Opposition der Geistlichen. Die Revolution 1979 stürzt den letzten Schah – Khomeini kommt an die Macht und baut das Land radikal in einen islamischen Gottesstaat um.

Der Alltag von fünf Menschen im Iran der heutigen Gesellschaft bildete im Film „Reich des Bösen?“ am ersten Seminarabend die Klammer für die Teilnehmer für weitere Einblicke in den Iran.

Diese Einblicke konkretisierte in politischer und geostrategischer Sicht Dr. Marwan Abou Taam am zweiten Tag des Seminars: Der Islamwissenschaftler und wissenschaftliche Mitarbeiter am Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz gab einen umfangreichen und faszinierenden Überblick über das politisches System des Iran seit 1979 bis heute und stellte die These auf, dass sich die Islamische Republik Iran anno 2010 immer mehr von einer Theokratie zu einer Militärdiktatur entwickle – unter Führung des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und des obersten Rechtgelehrten Groß-Ayatollah Ali Chamenei.

Dr. Abou Taam ordnete die geostrategisches Lage der Islamischen Republik in den Nahen und mittleren Osten ein und gab einen Überblick über die angespannte Lage im Nahen Osten von Libanon und Israel bis hin nach Afghanistan und Pakistan.

Den kompetenten Abschluss des Seminars lieferte Miriam Shabafrouz mit ihrem Referat über die aktuelle Lage im Iran seit der so genannten „grünen Revolution“ im Juni 2009. Sie gab einen Überblick über die Benachteiligungen der Frau im Alltag, aber auch über die Rechte und die Einflüsse der Frauen im Iran, vor allem auch innerhalb der Reformbewegungen. Ebenso thematisierte sie die Rolle des leider überaus weit verbreiteten Drogenkonsums in der Islamischen Republik Iran mit verheerenden Folgen für die iranische Gesellschaft.

Jochen Köhler

Iranseminar KAS Freiburg: Dr. Abou-Taam KAS Freiburg