Veranstaltungsberichte

Schwarzbuch Esoterik

Ursula Caberta in Freiburg

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Ursula Caberta, die sich als Streiterin gegen Scientology einen Namen gemacht hat, nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie weiß, dass sie ihre Thesen zuspitzen muss, wenn sie in der Mediengesellschaft wahrgenommen werden möchte. In ihrem „Schwarzbuch Esoterik“, das sie auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Colloquiums Politicums der Universität in Freiburg vorstellte, warnt sie eindringlich vor einer Verharmlosung der Esoterikszene. Der zunehmende Trend zum Irrationalismus sei am Ende auch eine Bedrohung für unsere Demokratie. Deshalb sei die Politik aufgefordert, sich mehr um diese bunte Szene zu kümmern, um die Kunden dieses Psycho-Marktes besser vor obskuren Geschäftspraktiken zu schützen.

Caberta skizzierte drei esoterische Phasen des zwanzigsten Jahrhunderts:

In den frühen 20er Jahren entwickelte Rudolf Steiner, den Caberta für einen der einflussreichsten deutschsprachigen Esoteriker hält, seine Lehre von der Anthroposophie. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der Theosophie, einer Geheimlehre, die von Helena Blavatsky entwickelt worden war. Mit Waldorfschulen und alternativer Medizin habe die Anthroposophie längst Eingang in die Mitte der Gesellschaft gefunden.

In den 70er und 80er Jahren prägte dann die New Age-Bewegung die Szene. Versatzstücke aus fernöstlichen Religionen wurden mit zunehmenden ökologischen Strömungen verknüpft. Vor allem der Physiker Fritjof Capra spielte mit seinem Bestseller „Wendezeit“ eine wichtige Rolle. Capras Grundthese lautet, alle Probleme der Welt seien lösbar, da sie nur auf einer Ursache beruhten: Die Wahrnehmung der Menschen stecke in einer Krise. Die Heilerszene habe in dieser Zeit großen Zulauf erfahren und sich als „ganzheitliche“ Alternative zu der von der Szene verhassten Schulmedizin empfohlen. Caberta nannte das deutsche Heilpraktikergesetz „ein Täterschutzgesetz“. Zu viele Heilpraktiker seien nur unzureichend medizinisch ausgebildet.

Die 90er Jahre standen schließlich im Zeichen der völligen Kommerzialisierung des Marktes. Vor allem das Internet habe einen wahren Esoterikboom ausgelöst. Spiritualität wurde käuflich und immer facettenreicher, nach dem Motto: Es gibt nichts was es nicht gibt. So werde heute auf Esoterik-Messen, die neuerdings nicht selten unter dem Titel „Lebensfreude-Messen“ firmierten, ein Gläschen Honig für 26 Euro verkauft. Der hohe Preis werde damit gerechtfertigt, dass die Bienen von Elfen geküsst worden seien. Über solche Auswüchse der Szene könnte man lachen, wenn es nicht so viele Gruppierungen gäbe, die Menschen in finanzielle oder psychische Abhängigkeit führten. Caberta sprach sich für schärfere Verbraucherschutzgesetze aus, die es erlauben würden, härter gegen falsche Versprechungen und überteuerte Preise vorzugehen.

Vor allem wenn es um die betroffenen Kinder geht, ist bei Caberta „Schluss mit lustig“. Am Beispiel einer Mutter, der in Hamburg das Sorgerecht für ihr Kind entzogen wurde, weil sie sich zur Schamanin hatte ausbilden lassen, ihr Kind mit die Szene gezogen und zunehmend vernachlässigt hatte, machte Caberta klar, wann der Staat gefordert sei. Sie mahnte eine umfassende Aufklärung von Richtern und Sozialarbeitern an, um Kinder besser schützen zu können. Spätestens wenn Kinder in ihrer Entwicklung eingeschränkt oder in ihrer physischen und psychischen Gesundheit gefährdet würden, müsse der Staat eingreifen.

Die Diskussion verlief – wie es bei einem solch strittigen Thema zu erwarten war – sehr kontrovers. Auf der einen Seite Menschen, die selbst negative Erfahrungen mit der Esoterikszene gemacht hatten: So meldete sich eine betroffene Frau zu Wort, die sich als Kind vergeblich hilfesuchend an ein Jugendamt gewendet hat, weil ihre Mutter in die Fänge einer dubiosen Gruppierung geraten war. Auf der anderen Seite wehrten sich manche Gäste gegen die pauschale Verurteilung der Esoterikszene.

Caberta widersprach. Solange sich beispielsweise die Heilpraktiker nicht entschieden von ihren „schwarzen Schafen“ distanzierten und für eine Verbesserung der Ausbildung einträten, werde sie die Probleme auf den Punkt bringen.

Zu viele Menschen treten, nach Cabertas Einschätzung, dem Esoterikmarkt arglos gegenüber. Sie beschäftigten sich weder mit der Herkunft noch mit den Inhalten einer Lehre. Sie stellten die Qualifikation der Anbieter nicht in Frage und glaubten den Beteuerungen vieler Esoteriker, die Wirkungen einer Lehre seien nicht erklärbar, man müsse sie selbst erleben. Auf dem Wege zum kritischen Verbraucher seien Aufklärung und Information schon an den Schulen gefragt.

Ansprechpartner

Thomas Wolf

Thomas Wolf bild

Leiter Regionalbüro Südbaden des Politisches Bildungsforums Baden-Württemberg

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Ursula Caberta 6.10.11 Freiburg Wolf