Veranstaltungsberichte

Vive la France! Frankreich verstehen

Seminar zu deutsch-französischen Beziehungen

Das Seminar „Vive la France! Frankreich verstehen!“, vom 27. bis 29. September 2013 in Straßburg, bot eine breitgefächerte Auswahl an Vorträgen zu aktuellen Themen in Frankreich und den deutsch-französischen Beziehungen. 30 Teilnehmer aus ganz Deutschland nahmen das Angebot der Konrad-Adenauer-Stiftung Freiburg wahr, sich in der Europa-Stadt Straßburg zu informieren und auszutauschen.

Bereits zu Anfang des Seminars wurde klar, dass sich unter den Gästen sehr viele „Frankophile“ befanden. In einer Vorstellungsrunde stellten alle kurz dar, was sie mit Frankreich verbindet und welche Erfahrungen sie im binationalen Austausch gemacht haben. Berufserfahrungen oder familiäre Wurzeln in Frankreich, Interesse an der tausendjährigen gemeinsamen Geschichte der beiden Nachbarländer und auch die Liebe zum „Savoir Vivre“ führten in der bunt gemischten Gruppe zu regem Austausch.

Einige waren Zeitzeugen des Beginns der deutsch-französischen Freundschaft nach dem 2. Weltkrieg, sei es in der französischen Besatzungszone oder bei der Rede Charles De Gaulles 1963 an die deutsche Jugend.

Referent und Tagungsleiter Dr. Markus Kuhn führte durch das Seminar. Er lebt seit Jahren in Frankreich und kennt sich bestens aus mit Land und Leuten. Der promovierte Politikwissenschaftler erzählte Anekdoten zum Leben in Frankreich und über „die Franzosen“, räumte mit einigen Vorurteilen auf und gab einen Überblick über aktuelle Diskussionen in der französischen Gesellschaft.

Heinz Setzer, Leiter des Literarischen Museums „Tschechow-Salon“ Badenweiler, stellte den aus dem Elsass stammenden Autor René Schickele vor. „Citoyen français und deutscher Schriftsteller“, eine Bezeichnung, die von Schickele selbst stammt. Sie zeigt, wie verbunden der Autor den beiden Ländern Frankreich und Deutschland, beiden Kulturen und den drei Sprachen in seinem Leben (Französisch, Deutsch und „Elsässerditsch“) war. Schickele war einer der Wenigen seiner Zeit, der in der deutsch-französischen Aussöhnung die Chance auf ein geeintes Europa sah. Er selbst wählte als Wohnort sein eigenes „Europa der Mitte“: die Stadt Badenweiler. Denn von hier aus sei es gleich weit nach München wie nach Avignon sowie nach Marseille und Berlin.

Anlässlich des 50. Jubiläums des Elysée-Vertrags von 1953 wurde die arte-Dokumentation „Die geheime Vorgeschichte des Elysée-Vertrags“ gezeigt. Diese beleuchtete das politische Geschehen in Deutschland und Frankreich in der Nachkriegszeit und die Umstände, die zu dem völkerrechtlich bindenden Freundschaftsvertrag von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer geführt haben. Der Elysée-Vertrag enthielt bereits die Voraussetzungen für ein Konzept der Annäherung von Jugendlichen beider Länder, um die Völkerverständigung der Nachbarn Deutschland und Frankreich voranzutreiben.

Frau Dr. Jacqueline Plum berichtete von der Erfolgsgeschichte des daraus entstandenen Deutsch-Französischen Jugendwerks. Die Seminarteilnehmer konnten auch bei diesem Thema eigene Erfahrungen einbringen und diskutierten, ob das DFJW heutzutage noch den gleichen Stellenwert wie früher besitzt. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Arbeit des Jugendwerks nach wie vor wichtig ist und auch bereits zu einem Stück Normalität geworden ist.

Zum Abschluss sprach der Politologe Dr. Thomas Siemes zum Thema „ La Grande Nation! Wie in Frankreich Politik gemacht wird.“. Er stellte das politische System Frankreichs vor und zeigte Besonderheiten im Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland auf. Anschließend wurden aktuelle Fragen der französischen Politik diskutiert, wie z.B. das Problem der hohen Jugendarbeitslosigkeit, die Transparenzdebatte um französische Minister und der Stand von Wahlversprechen François Hollandes.

Das Seminar wurde kulturell abgerundet mit einer Stadtführung durch die Europa-Stadt Straßburg und das Münster und ein Abendessen im idyllischen Viertel „Petite France“.

Alexandra Menzel

Ansprechpartner

Thomas Wolf

Thomas Wolf bild

Leiter Regionalbüro Südbaden des Politisches Bildungsforums Baden-Württemberg

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