Veranstaltungsberichte

"Das Beste für mein Kind"

von Daniel Braun

Wissensvermittlung, Leistung, Gerechtigkeit: Wie muss Bildung gestaltet werden?

Podiumsdiskussion in Greiz

Im Rahmen der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Das Beste für mein Kind“ fand am 1. Juli in Greiz ein Expertengespräch statt, um aktuelle Fragen zu Bildung, Schule und Ausbildung zu erörtern. Auf dem vom Gymnasiallehrer und Hochschuldozenten für Lehrerbildung Christian Tischner moderierten Podium saßen mit Dr. Bernd Uwe Althaus, Schulamtsleiter Staatl. Schulamt Nordthüringen, Lehrer Michael Kirbach, Thüringer Philologenverband und Reiner Spanner, Geschäftsführer Reiner Spanner und René Spanner GbR und Vizepräsident der IHK Ostthüringen Experten für Bildung und Berufswahl auf allen Ebenen.

Besondere Aufmerksamkeit bekam in der Veranstaltung der Aspekt Regelschule und Gymnasium bei dem alle Podiumsteilnehmer unisono die große Bedeutung der Regelschule als Orientierung zu gewerblich-technischen Berufe der dualen Ausbildung betonten. Dies würde durch die teilweise zu hohen Übertrittsquoten an Gymnasien ausgehöhlt, wodurch die Regelschulen nicht nur hinsichtlich der Leistungsträger unter den Schülern geschwächt würden, sondern auch der Aspekt der Chancen im dualen Ausbildungsbereich nicht vermittelt wird, da Gymnasien sich auf Hochschulen und andere Berufszweige konzentrierten. Umgekehrt würden die hohe Übertrittsquote zum Gymnasium die Leistungsfähigkeit dort verringern. Als Gründe machten die Podiumsteilnehmer die teilweise zu geringe Vermittlung der Möglichkeiten von Regelschulabschlüssen und Berufschancen im nicht universitären Bereich aus. Darüber hinaus gab Gymnasiallehrer Kirbach zu bedenken, dass die Prägerierung des Gymnasiums auch daher resultieren, dass das Gymnasium eine soziale Auslese vornehme, die viele Eltern anstrebten und darüber hinaus inklusiver Unterricht mit seinen Problem im sonderpädagogischen Bereich dort nicht stattfindet, den viele Eltern als Behinderung des Lernerfolgs ihrer Kinder betrachteten. Außerdem ist die Möglichkeit, auch auf dem Gymnasium einen Regelschulabschluss nach der 10. Klasse zu erwerben eine Art Rückversicherung, falls das Abitur nicht erreicht werden könnte. Diese Beweggründe müsste man klar benennen.

Reiner Spanner warb in seinen Beiträgen für noch eine bessere Verzahnung von Schule und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde von Zuhörern gefordert, die Erreichbarkeit in den Regionen der Berufsschulzentren und ggf. die Möglichkeit der Koordinierung von verwandten Berufsausbildungen voranzutreiben, da teilweise Ausbildungsberufe nicht wahrgenommen werden könnten, aufgrund der verkehrstechnischen Unerreichbarkeit. Darüber hinaus wurde angeregt, ob die Personalleiter der Region frühzeitig auch Bedarfe im akademischen Bereich bekanntgeben könnten, damit Hochschulabsolventen nach ihrem Studium bereits Perspektiven in der Heimat haben und Abwanderung verhindert werden kann, was die Regionen angesichts des demografischen Wandels stärken würde.

Schulamtsleiter Dr. Bernd Uwe Althaus führte zum Aspekt der Lehrer aus, dass er sich wie in anderen Bundesländern mehr Autonomie der Schulämter bzw. Schulen wünschen würde, Personalbedarf bzw. Vertretungen zu organisieren. Stattdessen wäre eher eine Zentralisierung zu beobachten. Hinsichtlich der Reformen im Schulwesen zeigte sich Althaus offen, die Bildung an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen. Allerdings müssten die Lehrer hierbei besser mitgenommen und integriert werden. Dies sorge für Frustration unter den Kollegien, die endlich auch nennenswert durch Neueinstellungen verjüngt werden müssten. In dieser Hinsicht warb er für mehr Realismus bei Reformprojekten. So sei die Inklusion nicht grundsätzlich zu kritisieren, jedoch sollte dabei betrachtet werden, dass hinsichtlich der Mittel zur Neueinstellung von Sonderpädagogen als auch baulicher Anpassung für die Barrierefreiheit Engpässe anzusehen sind. Zusätzlich mache er gerade die Erfahrung, dass selbst die möglichen Einstellungen von Sonderpädagogen nicht möglich sind, da es gar nicht so viele verfügbare auf dem Arbeitsmarkt gäbe und zudem andere Bundesländer attraktivere Angebote über Verbeamtung etc. machen könnten.

Im Gespräch mit den Zuhörern konnten noch viele weitere Themen erörtert werden die zeigen, wie komplex, aber auch von welcher Relevanz es für Eltern, Lehrer und Bürger ist.

Nach fast 2 h beendete Christian Tischner die Veranstaltung.