Veranstaltungsberichte

"Das Beste für mein Kind"

von Daniel Braun

Wissensvermittlung, Leistung, Gerechtigkeit: Wie muss Bildung gestaltet werden?

Podiumsdiskussion in Jena

Im Rahmen der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Das Beste für mein Kind“ fand am 23. Juni in Jena ein Expertengespräch statt, um aktuelle Fragen zu Bildung, Schule und Ausbildung zu erörtern. Auf dem von KAS-Bildungsexpertin Christine Henry-Huthmacher moderierten Podium saßen mit dem Gymnasiallehrer Guntram Wothly, der Jenaer Fachhochschulerektorin Prof. Gabiele Beibst, Hochschullehrer Prof. Dr. Dietmar Schuchardt und Kreis-handwerksmeister Rolf Fischer Experten für Bildung und Berufswahl auf allen Ebenen.

Zunächst stand dabei die Hochschulausbildung im Blick, die von Gabriele Beibst vehement als Ort der Spitzenbildung mit Weltperspektive gesehen wurde und sich am Leistungsvermögen der Ausbildung und Absolventen im Weltvergleich messen lassen müsse. Diskussionen über den Bologna-Prozess erteilte sie eine Absage, da dies weder zielführend noch aussichtsreich sei. Einzig die Verbesserung des Lehrbetriebs könne das Ziel sein, aber keine Strukturdebatten. Forderungen nach Abschaffung des NCs und Freigabe aller Studiengänge nach Wunsch der Studenten lehnte sie ab und verwies darauf, dass bei Zulassung zu vieler Studenten Betreuungsschlüssel als auch Kapazitäten bei Fachkabinetten etc. schnell erschöpft wären und somit die Qualität der Ausbildung nicht sichergestellt werden könne. Außerdem sollte seitens der Hochschulen eine Orientierungs- und Leitungsfunktion wahrgenommen werden, die zwar keine Studienplatzzuweisung verfolgt, aber dennoch nach Fähigkeiten der Studenten und Bedarf von Studiengängen berät. Dietmar Schuchardt stimmte Gabriele Beibst zu und monierte als Hochschullehrer die nachlassenden Kenntnisse im MINT-Bereich bzw. oft das geringe Interesse an entsprechenden Fächern, obwohl die Berufsperspektiven überwiegend sehr gut seien.

Rolf Fischer kritisierte ebenfalls nachlassende Kenntnisse und häufig fehlende Soft Skills bei Auszubildenden, was bei zunehmendem Bewerbermangel die Situation nicht erleichtere. Darüber hinaus fügte er an, dass zuwenig Orientierung auf gewerblich-technische Berufe mit dualer Ausbildung erfolge und zuviele Schüler das Gymnasium besuchten. Dabei seien auch gewerblich-technische Berufe mit großen Chancen und anschließender Weiterqualifizierungsmöglichkeit für Führungspositionen ausgestattet. Dies gelte es bei der Berufswahlorientierung besser zu vermitteln, wozu aber auch ein besseres Zusammenarbeiten zwischen Schule und Wirtschaft gehöre.

Der Lehrer Guntram Wothly erörterte in seinem Beitrag die Situation der Schulen, welche häufig personell am Rande der Leistungsfähigkeit stehen, da durch langen Einstellungsstopp in Thüringen die Kollegien sehr alt sind und durch viele dauerhaft Erkrankte Kollegen ausgedünnt sind. Zudem gebe es immer noch zu wenige Neueinstellungen, so dass viele Kommilitonen seines Studiums in Nachbarbundesländer gingen.

In der Lehrerausbildung plädierte er für gezielte Praxis, die die Eignung zum Lehrer frühzeitig aufzeigen könne. Außerdem bleibe auch das unterschiedliche Interesse am Lehrerberuf unter den Geschlechtern ein Thema, dass man ansprechen muss. Die Motivation und Bereitschaft den Beruf voll auszufüllen wollte Guntram Wothly keinen Kollegen absprechen, jedoch sah er problematisch, dass viele Reformen im Schulsystem und neue Anforderungen selten mit den Lehrern selbst abgestimmt werden noch entsprechende Zusatzschulungen in kurzer Zeit angeboten werden. Selbst er als junger Lehrer habe im Studium kaum Kenntnisse zum inklusiven Unterricht vermittelt bekommen. Diese neuen Aufgaben und Mehrarbeit sorgen teilweise für Frustration.

Wichtig erschien es Guntram Wothly zu unterstreichen, dass seiner Meinung nach Schulnoten zur Förderung des Leistungsprinzips als auch Orientierung für Schüler und Eltern notwendig seien und plädierte gegen eine Abschaffung dieser.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden viele Facetten des Lehrerberufs, Schulformen als auch Fragen des Leistungsprinzips erörtert. Abschließend wurden bei der Diskussion um die Inklusion in Schulen unterschiedliche Auffassungen zwischen Befürwortern vollständiger Inklusion auf allen Ebenen und Skeptikern deutlich, welche die Schulen weder für an Lehrern noch baulich ausreichend ausgestattet hielten und die angenommenen positiven Aspekte in empathischeren Schülern auf Kosten der Leistungsstärke der Schüler ohne Handicap sahen, wenn auch verhaltensauffällige und geistig behinderte Schüler in den Schulunterricht des Gymnasiums integriert würden. Nach mehr als zwei Stunden intensiver Diskussion ging die Veranstaltung zu Ende.