Veranstaltungsberichte

„Transatlantischer Dialog in Erfurt“

Teil 5: Bildungssysteme im Vergleich

Veranstaltungsreihe zu gesellschaftspolitischen Fragen in Deutschland und den USA

Die Veranstaltungsreihe „Transatlantischer Dialog in Erfurt“ des Bildungswerks Erfurt der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. fand ihre Fortsetzung am 26.10.2009 im Augustinerkloster in der Erfurter Altstadt. Bei der fünften Veranstaltung dieser Reihe standen die Bildungssysteme im Mittelpunkt der Diskussion.

Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßung und Eröffnung durch die Leiterin des Bildungswerkes Erfurt Alexandra Mehnert, in welcher die Veranstaltungsreihe „Transatlantischer Dialog in Erfurt“ vorgestellt wurde und die Themenbreite der Reihe umrissen wurde. Im Anschluss begrüßte Dr. Fuerst vom amerikanischen Generalkonsulat die Teilnehmer. In seiner Einführung ging er auf die Bedeutung des transatlantischen Dialogs und gleichzeitig auf die Unterschiede zwischen beiden (bildungs)politischen Systemen ein. Anschließend übergab er das Wort an den Moderator Konrad Freytag. Herr Freytag stellte die Podiumsteilnehmer Prof. Wagner sowie Herrn Prof. Söllner kurz vor und leitete die Statements der Gesprächspartner ein.

Prof. Wagner eröffnete sein 15 minütiges Eingangsstatement mit einigen biographischen Notizen über seine ersten Erfahrungen in und mit den USA. Im nächsten Schritt wies er auf die unterschiedlichen Freiheitsbegriffe respektive auf die unterschiedlichen Vorstellungen über die Befugnisse des Staates in der Bildung hin. Während Bildung in Deutschland Verfassungsauftrag ist, der Staat also eingreift, bleibt Bildung in den USA zunächst im nichtstaatlichen Bereich. Anschließend verdeutlichte er, welche Bildungsabschlüsse in den USA erworben werden können von der Highschool bis hin zur Universität und welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen.

Im Anschluss kam Prof. Söllner zu Wort, der seinen Eingangsvortrag in drei Hauptpunkte unterteilte.

(1) Zunächst ging er auf die gegenwärtige Lage der Bildungspolitik in Deutschland ein. Dazu griff er die aktuelle Debatte in Deutschland auf und stellte die Unterfinanzierung sowie die geringe Quote der Studienanfänger heraus. Daraufhin skizzierte er, wie der Bologna-Prozess in Deutschland umgesetzt wurde, dass die Ziele noch nicht erreicht seien und dass mit der Reform positive und negative Effekte (wie die Verkürzung der Studiendauer und die gleichzeitige Überfrachtung des Studiums) einher gehen. Daher bedürfe es einer Verschlankung des Studiums. Letztlich müsse konstatiert werden, dass die Ziele richtig seien, es aber an der Umsetzung mangelt.

(2) In seiner Rückschau verdeutliche er die Entwicklung des deutschen Bildungssystems und unterstrich die anfängliche Bedeutung des Humboltds’schen Bildungsideals, wies dann aber auf die Konsequenzen bildungspolitischer Entscheidungen der 60er, 70er, 80er und 90er Jahre hin. Dabei sei das System seit den 70er Jahren durch eine chronische Unterfinanzierung und durch Massenuniversitäten gekennzeichnet.

(3) Daraufhin formulierte er eine Prognose für das deutsche System: Wissen werde immer wichtiger, steigende Internationalisierung des Wissens und ein wahrscheinlicher Rückzug des Staates.

Die Rolle des Staates und die Ausformulierung des Humboltschen Bildungsideals in beiden Ländern bzw. die unterschiedliche Ausgestaltung der Bildungssysteme standen dann auch im Mittelpunkt der Diskussion. Ferner gab es Nachfragen aus dem Publikum zum Bildungssystem der USA, zu den Finanzierungen der Systeme und zum Stellenwert der politischen Bildung in beiden Ländern. Nach einer sehr angeregten Diskussion, an welcher auch das Publikum sehr lebhaft teilnahm, wurden die fundamentalen verbindenden Elemente der transatlantischen Freundschaft zwischen den USA und Deutschland unterstrichen.

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Das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Leipzig

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