Veranstaltungsberichte

25 Jahre Deutsche und Europäische Freiheit

von Elisabeth Helbig
Vortrag und Gespräch

Unter dem Titel „25 Jahre Deutsche und Europäische Freiheit“ lud das Politische Bildungsforum Thüringen am 09.12. zu einem Vortrag und Gespräch ein.

In ihren Begrüßungsworten stellte Hildigund Neubert, stellvertretende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Staatssekretärin für Europaangelegenheiten in Thüringen a.D. die Referentin Dr. Zsusza Breier vor und verwies auf die besonderen Ereignisse, die 1989 Deutschland, Europa und die ganze Welt bewegten. Gerade auch in Ungarn und Polen fanden in diesem bedeutsamen Jahr vor genau 25 Jahren entscheidende Entwicklungen statt, auf die die gebürtige Ungarin Breier anschließend genauer einging.

Dr. Zsuzsa Breier, Staatssekretärin für Europaangelegenheiten in Hessen a.D. und ehemalige Germanistik-Dozentin der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest, erinnerte in ihrem Vortrag zuerst an die besondere Stellung Erfurts vor mehr als 30 Jahren. Denn Erfurt sei schließlich die Geburtsstätte der Friedensgebete gewesen. Schon 1978 sei hier entstanden, was später in Leipzig fortgesetzt wurde.

Anschließend rezitierte Breier Teile ihres noch nicht veröffentlichten Buches, welches einen chronologischen Detailüberblick über die Geschehnisse des ersten Halbjahres 1989 geben soll. Darin enthalten sind viele politische, aber auch einige sehr persönliche Erinnerungen von Menschen aus der Bundesrepublik, der ehemaligen DDR und Ungarn.

In ihren Erzählungen und Tatsachenberichten schildert Zsuzsa Breier auch die Entwicklungen die sich bis hin zur Friedlichen Revolution immer weiter zuspitzten. So sei die Zahl der Aussiedler aus Staaten des Ostblockes von 1988 auf 1989 um das Doppelte gestiegen. Ebenfalls hätten sich die Länder immer weiter bei internationalen Firmen und Investoren verschuldet und die Kosten für Grenzsicherungen minimiert. Vor allem in Ungarn sei dies ein großer Schritt zur Freiheit gewesen. Man habe die Grenzanlagen bewusst zurückgebaut oder nicht weiter in ihre Instandhaltung investiert. Ebenso habe das ungarische Parlament am 10. Januar beschlossen, dass jeder von nun an das Recht habe einen Verein zu gründen oder sich zu versammeln und nur zwei Monate später sei ein Mehrparteiensystem beschlossen worden. Währenddessen seien in Leipzig und Prag hunderte Menschen zu Schweigemärschen auf die Straße gegangen. Sowohl in Deutschland, als auch in Tschechien seien diese Proteste gewaltsam niedergeschlagen worden. Gleichzeitig habe es auch Aufmärsche in Budapest gegeben. Die gesamten Länder des Ostblockes befanden sich also in einer Zeit des gemeinsamen Aufbruches und Wiederstands. Dennoch habe beispielsweise Erich Honecker noch 1989 gesagt, die Mauer werde auch in 50 und 100 Jahren noch bestehen.

Breier erinnerte immer wieder an die Opfer. So habe die innerdeutsche und europäische Grenze hunderte Menschenleben gefordert. Viele starben bei Fluchtversuchen, während, vor oder nach Grenzkontrollen. Doch nicht nur Tote könne man zu den Opfern dieser Politik zählen, sondern auch Gefangene und all die, auf dessen Lebensumstände sich die Mauer negativ auswirkte. Bei diesen Erzählungen und Berichten gelang es der Referentin eindrucksvoll einen sehr emotionalen Eindruck der Zeit um 1989 zu vermitteln.

Im anschließenden Gespräch zwischen Breier und Neubert wurde dann noch einmal genauer auf die Zeit nach dem Fall der Mauer eingegangen. So berichtete Breier von einer Westberlinerin, die kurz darauf sagte ihr rannen die Tränen literweise übers Gesicht. Oder Helmut Kohl, der forderte man bräuchte nun mehr Freude in diesem Land. Auch in Ungarn sprachen Menschen vom Jahr 1989 als dem glücklichsten ihres Lebens. Dennoch habe sich in vielen Ländern, darunter auch in Ungarn mittlerweile eher Enttäuschung eingestellt. Sowohl die Demokratie, als auch die Wirtschaft habe sich nicht so entwickelt wie man es sich vor 25 Jahren gewünscht hätte. Auch sei der Zusammenhalt doch größer gewesen, als man noch vereint für ein Vereintes Europa eintrat. Danach sei eher Ernüchterung eingetreten, denn auch das Verständnis füreinander sei in den vergangenen Jahrzehnten nicht wirklich gewachsen. Vielleicht sei einfach die Neugier verschwunden, seit alle zusammen seien. Die Akzeptanz gegenüber eines gemeinsamen Europas gehe immer weiter zurück und der Zulauf zu populistischen Parteien nehme deshalb zu. Dennoch betonte auch Breier ausdrücklich, dass es heute keine Alternative zur Idee des Zusammenhalts in Europa gebe.

Nach Fragen aus dem Publikum, vor allem zu den neuesten Entwicklungen in Ungarn und zu Victor Orban, beendete Frau Neubert eine sehr emotionale und interessante Veranstaltung und lud zu einem kleinen Empfang ein. Dieser Einladung folgten die Gäste gerne und nutzen die Möglichkeit zum Gedankenaustausch und der Vertiefung des Themas untereinander.

Ansprechpartner

Maja Eib

Maja Eib bild

Landesbeauftragte und Leiterin Politisches Bildungsforum Thüringen

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Zeitenwenden - 25 Jahre friedliche Revolution KAS