Veranstaltungsberichte

Beim Barte des Proleten

Vortrag und Gespräch

Zu einer gemeinsamen Kooperationsveranstaltung hatten die Volkshochschule Schmalkalden-Meiningen, der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Politische Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen. Nach der Begrüßung durch die Kooperationspartner Dr. Ramona Fiedler-Schäfer und Kristina Casper referierte der ehemalige Ausreiseflüchtling der DDR Dr. Jürgen Klammer über die Geschichte des Kabaretts „Distel“ in Ostberlin. Motiviert durch eigenes Interesse und Aktivitäten im Kabarettbereich erarbeitete Klammer eine umfangreiche Monographie zur Geschichte, wozu intensive Archivarbeit in Print, Ton und Film gehörte.

In seinem Vortrag referierte er abwechselnd mit vielen Fotos, Ton- und Filmbeiträgen, die anschaulich das Wirken des Kabaretts in der DDR beschrieben. So waren die Möglichkeiten in einer politischen Diktatur stark begrenzt, jedoch gab es dennoch Beispiele, welche die engen Grenzen kabarettistischer Verarbeitung politischer und gesellschaftlicher Missstände austesteten genauso wie verbreiteten Opportunismus der Akteure, die Karriere und Ansehen mit politischen „Auftragskabarett“ für die SED erkauften. In diesem Zusammenhang spielte Klammer auch Äußerungen des damaligen SED-Generalsekretärs Walter Ulbricht, welcher an höchster Stelle die Aktivitäten des Distel-Ensembles als staatsfeindlich brandmarkte und dies obwohl zu allen Zeiten die Leiter der Distel SED-Mitglieder und überzeugte Sozialisten waren, aber selbst Kritik aus dem eigenen Lager war unerwünscht. So waren Maßregelungen und MfS-Unterwanderung an der Tagesordnung, wenngleich Verbote im Voraus die Ausnahme bildeten.

Die vielen Einspielungen von Filmsequenzen mit subtiler Kritik an Partei und Staat entlockte den Gästen viele Schmunzler und sorgte in Rückversetzung in eine Epoche in Ostdeutschland, von welcher glücklicherweise nur die Fähigkeit zu Humor, Kabarett und Freiheitswillen trotz Bevormundung geblieben ist.