Veranstaltungsberichte

Demokratie leben - Einwanderungsland Deutschland

Vortrag und Diskussion

Am 24. September 2018 fand im Thüringer Landtag das Achava Schülerforum statt. Organisiert wurde es von den Achava Festspielen Thüringen und dem Politischen Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen. Die Journalistin und Gründerin von hawar.help (NGO) Düzen Tekkal hielt einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Demokratie leben – Einwanderungsland Deutschland“. Nach einer Vorführung des Dokumentarfilms „Jiyan – Schrei nach Leben“, der Mädchen und junge Frauen zeigt, die aus IS-Gefangenschaft befreit wurden und sich zurück ins Leben kämpfen, sprach Düzen Tekkal von ihren Erlebnissen im Irak.

Anhand des Bürgerkriegs in Syrien machte sie deutlich, dass die deutschen Werte und die Demokratie nur ein dünner Lack seien und man als Gesellschaft hart daran arbeiten müsse, die Demokratie und Zivilisation zu erhalten. Sie berichtete vom Völkermord an den Jesiden und den Gräueltaten des IS. Auf die Frage wie es zum Krieg und letztlich Völkermord kommen konnte, antwortet Tekkal: durch Entmenschlichung. Entmenschlichung sei der erste Schritt auf dem Weg in den Krieg und der Vernichtung einer ganzen Gemeinschaft. Dies geschehe besonders dann, wenn die schweigende Mehrheit die Ereignisse mit trage und sich nicht dagegen wehre. Düzen Tekkal monierte, dass Demokratie häufig nicht ausreichend und richtig vermittelt werden würde und dass daher auch Deutsche für den IS an der Front kämpfen würden. In ihrem Buch entwarf sie das Konzept der „Bösen Zwillinge“, welches sie auch in ihrem Vortrag den Schülern erläuterte. Die eine Seite der bösen Zwillinge bestehe dabei aus Islamisten und religiösen Extremisten und die andere Seite aus Rassisten und Rechtspopulisten. Beide Seiten der bösen Zwillinge sind eine Bedrohung für die Demokratie und Rechtstaatlichkeit und das friedliche Zusammenleben aller Menschen. Außerdem verwies Düzen Tekkal auf die DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier und ihr Zitat „du sollst dich erinnern“ und stellte die Frage was man aus der Vergangenheit lernen könne und müsse und wieso Völkermorde immer wieder geschehen. Der Umgang mit Menschen im Krieg oder im Völkermord zeigt dabei, wie Menschen mit Menschen umgehen, wenn diese vorher entmenschlicht wurden. Daher sei es besonders wichtig als Demokraten aktiver, lauter und kritischer zu werden. Düzen Tekkal berichtete von den Ereignissen im Irak, wie Missbrauch, Vergewaltigung und Versklavung und sprach aber auch gleichzeitig von Geschichten der Hoffnung und forderte die Schüler dazu auf, mit Hasspredigern als Werteprediger zu konkurrieren und sich auf kleinen Ebenen für ihre Demokratie einzusetzen. Weiterhin kritisierte sie, dass es seit der Flüchtlingskrise 2015 zwar eine Willkommenskultur aber keine Ankommenskultur gegeben habe. Viele Schüler fragten Tekkal nach den Gründen des Wahlerfolgs der AfD, welche sie damit beantwortete, dass viele Fragen und Themen der Bürger lange Zeit nicht angesprochen oder ignoriert wurden und die AfD genau diese Themen anspreche, was eine Erklärung für ihren Wahlerfolg ist. Sie forderte auch, um der AfD Wind aus den Segeln nehmen zu können, ein Einwanderungsgesetz und eine Überarbeitung des Asylrechts. Düzen Tekkal ist der Meinung, dass das Bleiberecht nicht vom Herkunftsland abhängig gemacht werden solle, sondern von den Werten, die die Migranten teilen und vertreten und deren Übereinstimmung mit den deutschen Werten.

Schüler stellten die Frage, was Deutsche die in ihrem Alter sind, dazu bringe, sich dem IS anzuschließen und für diesen zu kämpfen. Düzen Tekkal verdeutlichte, dass diese Jugendlichen frustriert, orientierungslos und gelangweilt seien, Alltagsprobleme hätten und von der Gesellschaft und Politik aufgegeben worden sind. Der IS schaffe es, diese Jugendlichen für sich zu gewinnen, ihnen falsche Versprechungen zu machen und ihnen genau das zu sagen, was sie hören wollen. Somit ernten die Salafisten nur was jahrelang vorher gesät wurde. Der IS arbeite besonders mit den Ängsten der Menschen, weshalb es wichtig sei, diesem mit Selbstbewusstsein und einem gesunden Gedankengerüst entgegen zu treten.