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Veranstaltungsberichte

Die Mühen der Erinnerung. Vom jahrzehntelangen Schweigen und der Kraft des Sprechens

Podiumsgespräch

Vortrag und Gespräch

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Die Kooperationsveranstaltung mit dem Erinnerungsort „Topf und Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ am 9. November, dem Tag der Progromnacht 1938, statt und stand im Kontext zur Ausstellung des Erinnerungsorts Topf und Söhne Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden.

Im bis auf den letzten Stuhl besetzten Veranstaltungsraum beschrieb die Leiterin des Erinnerungsorts Topf und Söhne, Frau Dr. Annegret Schüle, Hintergründe und Projekte zur Sonderausstellung Un-er-setz-bar und dankte neben der Konrad-Adenauer-Stiftung, der jüdischen Landesgemeinde und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nach der Begrüßung durch die Konrad-Adenauer-Stiftung wurde der Trailer des Filmprojekts von Christa Spannbauer und Thomas Gonschiors „Mut zum Leben. Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz“ gezeigt, in welchem Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz zu Wort kamen.

Im sich anschließenden Podiumsgespräch sprachen die Zeitzeugen Éva Pusztai, Budapest Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und Prof. Dr.-Ing. habil. Reinhard Schramm, Stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen sowie die Journalistin Christa Spannbauer moderiert von Dr. Annegret Schüle zum Thema.

Dabei beleuchteten beide Zeitzeugen nicht nur den persönlichen Kontext, sondern auch die Bedingungen des Lebens in kommunistischen Diktaturen. Eva Pusztai als ehemalige Inhaftierte des KZ Auschwitz und eines Nebenlagers von Buchenwald verlor alle Angehörigen während des Holocaust, während Prof. Dr. Schramm als Sohn einer jüdischen Mutter nur durch den Einsatz des nichtjüdischen Vaters überleben konnten und die jüdische Familie der Mutter ebenfalls nahezu vollständig dem Holocaust zum Opfer fiel. Eva Pusztai sah im Gespräch über ihr Heimatland nicht nur Linien der Kontinuität des Antisemitismus während des Nationalsozialismus, sondern mit dem Ende des 1. Weltkriegs bis in die Gegenwart hinein.

Prof. Dr. Schramm zeichnete ein differenzierteres Bild der DDR, welche antizionistisch war, jedoch bis auf die kurze Epoche bis zu Stalins Tod, keinen genuinen Antisemitismus aufwies. Gleichwohl sah er Tendenzen der Ausgrenzung und Vorurteile zum Zeitpunkt der Polenkrise 1980, was er durch seine polnische Ehefrau besonders erleben konnte. Der persönliche Zugang zu dem Thema erfolgte bei Prof. Dr. Schramm über die Trauer seiner Mutter, die am vermeintlichen Todestag seiner Großmutter besondere Trauer zeigte und darüber mit ihr ins Gespräch fand. Eva Pusztai schwieg bis zum Tod ihrer besten Freundin, die sie in den Schrecken des Konzentrationslagers begleitete und reist heute durch ganz Europa, um den nachfolgenden Generationen aus der Schreckenszeit zu berichten.

Die Journalistin Christa Spannbauer fand über die Sprachlosigkeit ihrer Elterngeneration zum Thema, um selbst über die wohl dunkelste deutsche Epoche mehr erfahren zu können. Darüber hinaus ist ihr die Mahnung auch in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus besonders wichtig.

In diesem Punkt führte Prof. Dr. Schramm aus, dass er auch mit Jugendlichen, die wegen rechtsextremer Delikte im Gefängnis sitzen, den Dialog suche, denn die Überzeugungsarbeit, die Rechtsextreme und NPD-Ideologen leisten können, würde doch durch jeden demokratischen und intelligenten Bürger ebenfalls, jedoch im positiven Sinne, geleistet werden. Dabei erzählte er aus einer Auseinandersetzung mit seiner Mutter, die für ihn prägend war. So hätte seine Mutter freundschaftlichen Umgang mit einem ehemaligen SA-Funktionär gepflegt, was Prof. Dr. Schramm als Jugendlicher empörend fand, jedoch von seiner Mutter die Erwiderung bekam, dass sich jeder Mensch ändern könne.

Eva Pusztai befällt bis heute ein Misstrauen, wenn sie auf Deutsche ihrer Generation trifft, da sie nicht wissen könne, ob er nicht Täter gewesen war. Auf die nachfolgenden Generationen überträgt sie dies jedoch nicht, da sie wisse, dass im Gegensatz zu Ungarn, sich Deutschland intensiv seiner Geschichte stelle. Daher freue sie sich, wenn sie in Deutschland über ihre Geschichte sprechen könne.

Nach mehr als 2 Stunden und vielen Publikumsfragen endete die Veranstaltung und viele Gäste suchten im Anschluss noch das Gespräch mit den Podiumsteilnehmern.

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