Veranstaltungsberichte

Fachkräftesicherung in Thüringen

von Daniel Braun
Adenauer-Gespräch im Lindenhof

Im ersten „Adenauer-Gespräch im Lindenhof“ 2011 in Gotha, stand die Fachkräftesicherung in Wirtschaft und insbesondere in Pflegeberufen im Mittelpunkt. Anette Morhard, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT stellte in ihren Vortrag einerseits Arbeitsaufgaben und Vernetzungsstrategien der Landesarbeitsgemeinschaft dar und erläuterte konkrete Maßnahmen wie Standards für die Berufs- und Studienorientierung in Thüringen, Thüringer Berufswahlpass, Qualitätssiegel Berufswahlfreundliche Schule, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt/Hochschulbildung und stellte die Stiftung Bildung für Thüringen vor. Darüber hinaus stellte sie die aktuellen Zahlen der Schulabsolventen und deren Entwicklung dar und erörterte, welche Branchen den größten Fachkräftebedarf haben werden. Außerdem formulierte Anette Morhard als Handlungsanweisung, dass die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss reduziert, Absolventen frühzeitig von Thüringer Unternehmen gebunden, Abwanderungen aus Thüringen über gebotene Perspektiven gestoppt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestärkt, Teilzeitreserven ausgelotet, maximale Nutzung des Potenzials Älterer, Pendler und Abgewanderte zurückgeholt und Zuwanderung über eine Willkommenskultur organisiert werden müssen.

Der Thüringer Landesbeauftragte für das Zusammenleben der Generationen Michael Panse ging in seinem Impulsreferat insbesondere auf den Pflege- und Sozialbereich ein. Dabei forderte er eine landesweite Sozialnetzplanung. Die Fakten und Prognosezahlen liegen ausreichend vor und ein soziales Netz, welches die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt, verhindert zusätzliche Wanderungsbewegungen und die Vernachlässigung ganzer Regionen. Für den Sozialbereich braucht es eine Verbesserung der Verdienst- und Arbeitsbedingungen so Panse. Tariflöhne für alle Sozialhilfeträger, Steigerungen im Lohnniveau und Entlastungen im Arbeitsumfeld müssen diese Berufe attraktiver gestalten. Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte muss einhergehen mit Aufstiegschancen. Gemeinsam mit den Fachhochschulen und privaten Bildungseinrichtungen müssten dazu Aus- und Fortbildungsmodule entwickelt werden. Dabei sei auch auf die Wiedereinstiegschancen insbesondere von Frauen und älteren Arbeitslose zu achten. Familienfreundliche Arbeitsmodelle nach der Elternzeit und individuelle Arbeitszeitmodell sind dabei notwendig.

Die Podiumsdiskussion eröffnete Dietmar Grosser, Ressortchef Wirtschaft der Thüringer Allgemeinen, mit der ersten Frage an Staatssekretärin Dr. Marion Eich-Born aus dem TMBLV. Dabei führte sie aus, dass Thüringen sich wegen des demografischen Wandels um die Entwicklung von Strategien zum Halten/Bleiben und zur Rückgewinnung von Auswanderern und Fernpendlern bereits bemüht. Das bedeute, dass vor allem Ausbildungsplätze, möglichst mit weitgehender Übernahmegarantie, frühzeitige praktische Erfahrungen/Kontakte zwischen Wirtschaft und Schule, generell mehr Arbeitsplätze sowie die Anpassung der Löhne an das Niveau in den westlichen Ländern vorangetrieben werden muss. Der Freistaat Thüringen muss die Berufsausbildung in Abstimmung mit der Wirtschaft und seinen Verbänden und Kammern noch besser am Bedarf der Wirtschaft und der Entwicklung der Altersstruktur in Thüringen ausrichten und sich im Zusammenwirken mit dem Bund für eine schnellere Anerkennung der Berufsabschlüsse von Migranten einsetzen. Die überwiegende Zahl der Thüringer Unternehmen habe weniger als 50 Mitarbeiter, die bei der Personalrekrutierung und Eigenmarketing nur sehr begrenzte Ressourcen haben, so dass vor Ort die verschiedenen Unternehmen und Ausbildungsträger stärker miteinander vernetzt werden müssen.

Enrico Sachse, Personalleiter bei der August Storck KG in Ohrdruf, sieht momentan noch keine quantitativen Engpässe, jedoch sei ein Absinken des qualitativen Bewerberniveaus zu beobachten. Überdies sei die Lebensmittelbranche aus der Vergütung gesehen weniger attraktiv als die Metall- oder Elektroindustrie, jedoch würden in Thüringen höhere Tariflöhne als in Bayern oder Hessen gezahlt. Außerdem wird die Lebensmittelbranche in Thüringen in den nächsten Jahren weiter wachsen, so dass es perspektivisch erhöhten Fachkräftebedarf als heute geben wird.

Landrat Gießmann verwies bei seinen Ausführungen auf die Notwendigkeit bedarfsgerechter Schulnetzplanung bei der die regionalen Unternehmen mit einbezogen werden müssen, um auch gerade die Berufsschulen in ihrem Angebot anzupassen. Als Landrat bemüht er sich um aktiven Austausch und sieht die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft im Landkreissehr positiv.

Die Zuhörer interessierten sich bei ihren Nachfragen an die Podiumsteilnehmer besonders für die Situation im sozialen Bereich und forderten schnelle und unbürokratische Lösungen. Nach ca. 2 Stunden wurde die Veranstaltung beendet, jedoch ergaben sich im Anschluss noch weitere Gespräche von Referenten und Zuhörern.