Veranstaltungsberichte

Vorlesungsreihe „Nachhaltig wirtschaften" an der TU Ilmenau

Studium Generale der TU Ilmenau in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen und Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen - Vorlesungsreihe

Im Winternsemseter 2011/12 wurde im Rahmen des Studium Generale der TU Ilmenau in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen und Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen eine Vorlesungsreihe veranstaltet. Das übergeordnete Thema lautete: Nachhaltig wirtschaften - Chancen, Wege, Ziele. Insgesamt 5 Veranstaltungen begleitete die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Übersicht der Veranstaltungen:

17. Oktober 2011: Nachhaltig wirtschaften - Chancen, Wege, Ziele

12. Dezember 2011: Nachhaltigkeit in Unternehmen

09. Januar 2012: Ordnungspolitik als Methode zu mehr Nachhaltigkeit in Politik und Ökonomie

23. Januar 2012: Was ist ein nachhaltiges Energiesystem?

30. Januar 2012: Abschlussdiskussion: Nachhaltig wirtschaften – Chancen, Wege, Ziele

Rückblick zur Veranstaltung am 23. Januar 2012: Was ist ein nachhaltiges Energiesystem?

In der letzten inhaltlichen Veranstaltung des Studium generale der TU Ilmenau mit Konrad-Adenauer- und Heinrich-Böll-Stiftung referierte Prof. Jürgen-Friedrich Hake vom Forschungszentrum Jülich zum Thema nachhaltiges Energiesystem.

Prof. Hake gliederte seinen Vortrag in

Einleitung 2. Was ist Nachhaltige Entwicklung? 3. Was ist ein Energiesystem? 4. Was ist ein nachhaltiges Energiesystem? 5. Wie kann Entwicklung gesteuert werden? 6. Ausblick. (Die vollständige Präsentation können Sie auf der rechten Seite dieser Homepage abrufen)

Zu diesem Zweck leitete Prof. Hake zunächst den Begriff Nachhaltigkeit her und operationalisierte ihn dann mit Indikatoren zum Energiebereich. Dabei nahm er Verbrauchskennziffern in Wirtschaftsbereichen und CO2-Emissionen im Verhältnis zu Bevölkerung und Wirtschaftswachstum in den Blick. Dabei wurde sichtbar, dass trotz sinkender Emissionen und Primärenergieverbrauchs ein kontinuierliches Wachstum möglich ist. Gleichzeitig verwies Prof. Hake jedoch darauf, dass der Strombedarf weiterhin steigt obwohl technische Optimierung und Rationalisierung voranschreiten. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Hake generell die Frage auf, wie die Energiewende ohne Atomkraft gestaltet werden kann. Grundsätzlich hält Prof. Hake die angestrebte Energiewende ohne Kernenergie für möglich, plädiert jedoch für eine realistische und kritische Hinterfragung des geplanten Zeitraums der Umstellung auf erneuerbare Energien. Dies begründet er mit dem noch immer steigenden Stromverbrauch, welcher seiner Auffassung nach nur schwer entscheidend gedrosselt werden könnte, wenn man Wachstum als auch persönlichen Lebensstandard der Bürger nicht ad-hoc signifikant einschränken will. Außerdem haben Modellrechnungen seiner interdisziplinär arbeitenden Arbeitsgruppe in Jülich ergeben, dass ein zu schnelles Umstellen der Energieversorgung auf erneuerbare Energien, erhebliche Verwerfungen in energieintensiven Wirtschaftszweigen verursachen könnte, die wiederum den Wohlstand Deutschlands senken. Dies betonte er unter der Annahme, dass in den nächsten Jahren keine revolutionär neuen Technologien zur Energieerzeugung entstehen, was er nie ausschließen möchte. Der Weg, fossile und atomare Energieträger zu ersetzen, ist für Prof. Hake grundsätzlich richtig, wenn der politische Wille wirtschaftlich-technologische Bedingungen realistisch einbezieht. Zum Wachstumsbegriff selbst wies Prof. Hake hin, dass natürlich über Art und Qualität von Wachstum debattiert bzw. Neudefinitionen vorgenommen werden können, jedoch hält er Gesellschaften ohne Wachstum für nicht dauerhaft existenzfähig.

In der anschließenden Diskussion waren neben technischen Details auch Fragen der globalen Anstrengung zur Energiewende von Relevanz, wobei insbesondere die Nichtunterzeichner des Kyoto-Protokolls USA und China in den Fokus rückten. Prof. Hake stellte bei dieser Gelegenheit klar, dass die Formulierung von Klimazielen und Energieträgerveränderungen unter die Souveränität der Staaten fallen, welche akzeptiert werden muss. Umgekehrt gäbe es auch Wünsche und Forderungen anderer Staaten an Deutschland, auf die ebenfalls aus deutschem Interesse nicht eingegangen werden würde bzw. Deutschland nicht gezwungen werden kann.

Rückblick zur Veranstaltung am 12. Dezember 2011: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Nach einer kurzen Begrüßung und Einleitung ins Thema durch die Bildungswerksleiter Maja Eib referierte Dr. Philipp Murmann über die Bedeutung von Nachhaltigkeitskonzepten in Unternehmen. Er stellte dabei die Werte in Unternehmen dar und ging insbesondere auf die Punkte: Marktorientiert und flexibel; Technologie- und Wachstumsorientiert Markt und Knowhow; Zuverlässig und loyal; Profitabel / Eigenkapitalstark; Unabhängig finanziell und Know-how; Inhabergeführt und damit langfristig ausgerichtet, ein. Anknüpfend an der Vorstellung des klassischen Nachhaltigkeitsmodells, sprich die Gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzung von: ökologischer, ökonomischer und sozialer/gesellschaftlicher Nachhaltigkeit legte Murmann dar, dass das Modell auch immer messbar sein muss mit Hilfe von Indikatoren (z.B. Staatsdefizit; Absolventenquoten, Energieproduktivität).

Zugleich stellte er aber auch die aktuellen Indikatoren für Unternehmen dar, die zu Nachhaltigkeitsstrategien führen:

1. Generationengerechtigkeit: Ressourcenschonung, Klimaschutz, EE, Flächeninanspruchnahme, Artenvielfalt, Staatsverschuldung, wirtschaftliche Zukunftsvorsorge, Innovation, Bildung

2. Lebensqualität: Wirtschaftlicher Wohlstand, Mobilität, Landbewirtschaftung, Luftqualität, Gesundheit und Ernährung, Kriminalität

3. Sozialer Zusammenhalt: Beschäftigung, Perspektiven für Familien, Gleichberechtigung, Integration

4. Internationale Verantwortung: Entwicklungszusammenarbeit, Märkte öffnen

Im Zuge seines Vortrags beschrieb er die Arbeit des Parlamentarischen Beirates für Nachhaltige Entwicklung vor und stellte die wesentlichen Aufgaben dar. U.a. ging er ein auf die Begleitung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Begleitung der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie und Kontaktpflege zu Abgeordneten anderer Parlamente innerhalb der EU, die Zusammenarbeit mit dem Staatssekretärsausschuss Nachhaltige Entwicklung, die Bewertung der Nachhaltigkeitsprüfung im Rahmen der Gesetzesfolgenabschätzung und die Kontaktpflege zu den Bundesländern bzgl. deren Nachhaltigkeitsstrategien.

In seinen Schlussfolgerungen betonte Murmann, dass die Unternehmenskultur dass entscheidende Element für Nachhaltigkeit darstellt. Er hob dabei drei Punkte vor: die Persönliche Zuverlässigkeit, die Förderung von Innovationen und die Ausrichtung auf Langfristigkeit.

Eine besondere Herausforderung sieht er für mittelständische Unternehmen im derzeitigen demographischen Wandel (Sicherung der Fachkräftebasis). Gleichzeitig sieht er aber auch viele Potentiale.

In dem sich anschließenden Gespräch, moderiert von Prof. Schweiger, beantwortete Murmann viele Fragen auch hingehend der politischen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Insbesondere standen Fragen der aktuellen Umwelt- und Energiepolitik im Mittelpunkt. Zugleich wurden Fragen zur nachhaltigen Finanzpolitik und Zukunft Europas gestellt.