Veranstaltungsberichte

Die Flüchtlingskrise - ein ökonomisches Zwischenfazit

von Virgil Zólyom
Die Andrássy Universität Budapest und die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten am 10. November eine Vortragsveranstaltung zum Thema „Die Flüchtlingskrise nach einem Jahr - ein (ökonomisches) Zwischenfazit.“ mit Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Knorr.

Prof. Dr. Stefan Okruch, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik der AUB, und Bence Bauer, Projektkoordinator des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung begrüßten die rund 40 Teilnehmer.

Es sei schwierig, so Knorr, finanzielle Angaben zur Migrationskrise zu machen, da viele Migranten hinsichtlich ihrer Bildung, Arbeitserfahrung und Arbeitsfähigkeit noch nicht eingeschätzt werden können. Er betonte, dass es als sicher angenommen werden könne, dass sich die „westlichen Industrieländer“ auf eine verstärkte „wellenartige“ Migration in den nächsten Jahrzehnten einzustellen hätten. Besonders junge Länder in Zentralafrika, aber auch im Nahen Osten, generierten einen demographischen Druck, der auch langfristig zu Abwanderungen führe. Die sozioökonomische Struktur der Migranten bezeichnet Knorr als zusätzlich problematisch. Zwei Drittel der Migranten seien junge Männer, von denen nur rund 30% die englische und rund 2% Prozent die deutsche Sprache beherrschen würden. Im Durchschnitt seien 65% Prozent in ihrem Heimatland erwerbstätig gewesen, weit weniger als die Hälfte der angekommenen Migranten hätten eine gymnasiale Ausbildung. Schul-, Ausbildungs- und Universitätsabschlüsse anderer Länder müssten hinsichtlich ihrer Vergleichbarkeit mit europäischen Abschlüssen noch geprüft werden.

Die besondere Aufgabe der Europäischen Union liege nun darin, einen einheitlich geregelten Grenzschutz sowie einheitliche Asylantrags- und Abschiebeverfahren festzulegen. Nur so könne man dem wachsenden Zustrom von Migranten und Flüchtlingen begegnen. Perspektivisch nannte Knorr, dass der „Westen“ in den jeweiligen Herkunftsländern Institutionen zur Erstaufnahme von Migranten einrichten müsse. So könne dem Schleppergeschäft und der Nutzung oftmals tödlicher Routen in Richtung Europa entgegengewirkt werden.

Deutschlands vorrangige Aufgabe bestünde darin, sein nationales Verteilungs- und Integrationssystem zu modernisieren. Durch die ineffiziente Bürokratie würde die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, aber auch in die deutsche Gesellschaft verlangsamt, was schon kurzfristig zu sozialen Verwerfungen und Sicherheitsproblemen führen könnte. Eine verstärkte Einrichtung von Bildungsangeboten nennt er als wichtigen Punkt, um Migranten schnell in den jeweiligen Arbeitsmarkt zu integrieren und somit die Kosten der Flüchtlingskrise zu mindern.

Zusammenfassend erläuterte Knorr, dass die verstärkte Migration in die westlichen Industrieländer auch auf lange Sicht nicht aufhören würde. Durch eine effiziente Integrations- und Grenzschutzpolitik auf europäischer Ebene und der Bekämpfung von Fluchtursachen könnte es aber gelingen, die Migrationskrise bestmöglich zu meistern.